Fussball
Abrashis Flucht aus dem Partizan-Stadion
publiziert: Mittwoch, 15. Okt 2014 / 12:57 Uhr
Es kam zu wüsten Szenen auf dem Spielfeld.
Es kam zu wüsten Szenen auf dem Spielfeld.

Amir Abrashi hat den Fussball-Skandal von Belgrad hautnah miterlebt. Der albanische Nationalspieler mit Wurzeln in der Ostschweiz fürchtete nach dem Spielabbruch in Serbien um seine Gesundheit: «Die Situation war äusserst gefährlich.»

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Die Bilder aus dem überfüllten Partizan-Stadion liessen nichts Gutes erahnen. Schon bei der Hymne wurde das albanische Team von den 33'000 serbischen Anhängern gnadenlos ausgepfiffen und mit Häme übergossen. Mit jeder Minute war die politische Brisanz mehr zu spüren. Als dann plötzlich eine Helikopter-Drohne mit einer Flagge von «Grossalbanien» über dem Rasen kreiste, eskalierte die ohnehin bereits angespannte Lage.

Im Team der Gäste gehörten gleich vier Spieler der Super League zur Startformation - unter ihnen der ehemalige Schweizer Olympia-Teilnehmer Abrashi. Der GC-Mittelfeldspieler war für die Sportinformation am Morgen nach dem aufwühlenden Spiel in Serbien zu erreichen. Er habe den Vorfall mit dem Flugobjekt zunächst gar nicht realisiert: «Ich glaubte zuerst einmal, über uns schwebe ein Werbebanner. Erst als ich den Aufdruck der Fahne erkannte und die heftige Reaktion der Fans hörte, begriff ich, um was es ging.»

Wüste Prügeleien

Innert Sekunden kam es auf dem Feld zu Auseinandersetzungen. Zunächst bedrängten einige albanische Akteure den Serben Stefan Mitrovic, weil der Profi des SC Freiburg die Fahne behändigt hatte. In der Folge weiteten sich die gegenseitigen Abrechnungen aus - Ultras betraten den Platz, es kam zu wüsten Prügeleien. Ein Hooligan schleuderte Bekim Balaj, dem Stürmer von Slavia Prag, einen Stuhl gegen den Kopf.

«Von allen Seiten stürmten Leute heran und griffen uns massiv an. Ich bekam es je länger je mehr mit der Angst zu tun», beschreibt Abrashi die seinen Angaben zufolge «äusserst gefährliche» Situation. Nach minutenlangen Tumulten verliess das albanische Team fluchtartig das Terrain. Die hässlichen Szenen erinnerten teilweise an das skandalöse Playoff-Rückspiel zwischen der Türkei und der Schweiz im Herbst 2005.

Abrashi befürchtete phasenweise das Schlimmste: «So etwas habe ich nie zuvor erlebt. Wir wurden mit faustgrossen Steinen beworfen. Unser einziges Ziel war eigentlich nur noch, irgendwie heil die Kabine zu erreichen.» TV-Aufnahmen zeigten, wie ein Teil der fanatischen Zuschauer nahezu ungehindert aus den Sektoren strömte und die albanischen Spieler mit Fusstritten malträtierte.

Abrashi fordert Sanktionen

«Es hätte noch viel mehr passieren können. Zum Glück blieb es bei einigen Schrammen.» Abrashi spricht von einem schockierenden Abend und einem Skandal: «Es kann nicht sein, dass wir in einem Spiel der EM-Qualifikation um unsere Sicherheit bangen müssen. Das muss Konsequenzen haben!» Es sei höchst bedauerlich, nach einem fast perfekten Start zur Kampagne so gestoppt zu werden. «Wir spielten bis zum Abbruch erneut sehr gut.»

Erst in den von der Polizei abgeschirmten Katakomben sei ein bisschen Ruhe eingekehrt, eine Fortsetzung der Partie sei aber für Albanien kein Thema mehr gewesen. «Der serbische Captain (Ivanovic) bot uns an, ohne Zuschauer weiterzumachen. Das kam für uns nicht mehr infrage. Psychisch wären wir dazu nach diesen Vorfällen nicht mehr in der Lage gewesen», übermittelt Abrashi aus Tirana. «Die UEFA muss harte Sanktionen ergreifen.»

Unmittelbar nach dem Spiel zog sich Albanien in die Heimat zurück. Abrashi und die übrigen Super-League-Professionals Taulant Xhaka (Basel), Ermir Lenjani (St. Gallen) und Burim Kukeli (FCZ) setzten sich am Mittwochnachmittag in eine Maschine Richtung Zürich. «Zurück in ein sicheres Land.»

(flok/Si)

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