Alex Frei vor seinem 80. Länderspiel
publiziert: Donnerstag, 7. Okt 2010 / 16:32 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 7. Okt 2010 / 16:54 Uhr
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Alex Frei weiss, dass er sich in einem sensiblen Umfeld bewegt.
Alex Frei weiss, dass er sich in einem sensiblen Umfeld bewegt.

Das Schweizer Team steht am Freitag im EM-Qualifikationsspiel in Montenegro vor einer heiklen Mission. Das gilt auch für Alex Frei. Der Rekordschütze ist in der SFV-Auswahl seit über einem Jahr ohne Tor. Er steht daher trotz Formhoch in Basel im bissigen Gegenwind der negativen Kritik.

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Alex Frei bestreitet in Montenegro sein 80. Länderspiel. Einmal mehr steht er im Mittelpunkt des Interesses von Medien und Fans. Er weiss, was er sagt, hat Gewicht. Er weiss, es ist ein Gang über ein verbales Minenfeld. Ein falsches Wort ist wie ein falscher Schritt. Die Gefahr einer Explosion ist allgegenwärtig. Die Erfahrungen einer über neunjährigen Karriere im Nationalteam haben Frei, den Rekordtorschützen und Captain, vorsichtig werden lassen.

Am Tag vor dem Spiel wird Frei wieder einmal belagert. Die Mikrofone türmen sich vor ihm. Sie nehmen alles auf, und vergessen nichts. Oft hält Frei deshalb inne. Er benützt mehrmals das Wort «Attention», Achtung. Er will sicher sein, dass er richtig verstanden wird. Wenn Frei von einer zu erwartenden Schlacht in Podgorica spricht, präzisiert er: «Natürlich meine ich nicht eine Schlacht im eigentlichen, physischen Sinn.»

Oder er erzählt von einer «anderen Mentalität» im Nationalteam als noch vor sechs, acht Jahren. «Der Zusammenhalt ist nach wie vor sehr gut. Aber es fehlt vielleicht ein Schuss Schlitzohrigkeit und eine gewisse Lockerheit. Früher hatten wir Spieler, die mehr aus sich raus kamen.» Doch Frei schiebt sofort nach: «Aber nicht, dass ich dann lesen muss, die Mentalität sei schlecht. Das ist sie nicht, sie ist anders, auch professioneller.»

Frei weiss, dass er sich in einem sensiblen Umfeld bewegt. Weil die Nationalmannschaft eine heikle Phase durchlebt. Und weil er selbst für die Schweiz zuletzt nicht das gebracht hat, was von ihm erwartet wird. Nämlich Tore. «Ich habe in den letzten Monaten drei oder vier Mal nicht in Bestform gespielt. Ich war oft bei der Nationalmannschaft, als ich eben erst von Verletzungen zurückkam. Aber Achtung: Das soll jetzt keine Ausrede sein.»

Wichtiger Partner Streller

13 Monate sind vergangen seit seinem letzten Treffer im Nati-Dress beim 2:2 in Riga. Seither konnte Frei dem Team nicht mehr helfen mit Toren. «Aber ich habe keine Angst gehabt, dass ich nicht mehr mithalten könnte auf höchstem Niveau.» Dass er tatsächlich auf gehobener Ebene erfolgreich sein kann, bewies Frei vor zehn Tagen mit seinem herrlichen Treffer in der Champions League gegen Bayern München. Das perfekte Zuspiel war von Kollege und Jugendfreund Marco Streller gekommen. Es war in Entstehung und Vollendung eine Augenweide. Weil das Zusammenspiel der beiden perfekt klappte.

In Podgorica dürfte das Basler Duo erstmals seit langer, langer Zeit auch für die Schweiz wieder gemeinsam von Anfang an stürmen. Letztmals standen Frei und Streller beim EM-Eröffnungsspiel gegen Tschechien im Juni 2008 zusammen in der Startformation. Hitzfeld hat die zwei noch nie gemeinsam nominiert. «Wir kennen uns seit 22 Jahren. Ich geniesse die Phase, in der ich mit Marco zusammenspielen kann. Es ist schön, auf diesem Niveau einen Partner zu haben, mit dem man schon als Bub auf dem Rasen stand.»

In Basel schiesst Frei dank diesem Zusammenspiel, das er aus dem Effeff kennt, Tore am Laufmeter. Acht in der Axpo Super League, so viele wie kein anderer. Zwei in der Qualifikation zur Champions League und zuletzt eben der Treffer gegen den deutschen Rekordmeister und letztjährigen Champions-League-Finalisten.

Befreiungsschlag von Frei?

Erreicht Frei diese Zielgenauigkeit auch in Podgorica, ist ihm nicht nur endlich der 41. Treffer für die Schweiz gelungen, sondern womöglich auch der eigene Befreiungsschlag im Nationalteam, der eine Verkrampfung der gesamten Mannschaft lösen könnte. «Wir wollen den Fans das Vertrauen in uns zurückgeben, das sie zuletzt verloren haben.» Das Vertrauen verloren wegen einer Niederlage gegen England? Nach vier Teilnahmen an WM- oder EM-Endrunden in Folge? Frei hält inne, wägt ab. «Vielleicht ist Vertrauen der falsche Ausdruck.» Aber mit diesem Nachschub bestimmt kein falscher Schritt auf dem Minenfeld der Kommunikation.

(von Stefan Wyss, Podgorica/Si)

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