Päckli, Biscotti und edle Sportsmänner
Angst in Italien: Out trotz Sieg?
publiziert: Montag, 18. Jun 2012 / 12:40 Uhr / aktualisiert: Montag, 18. Jun 2012 / 19:42 Uhr
Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon hat kein Bock auf ein Vorrunden-Aus.
Italiens Schlussmann Gianluigi Buffon hat kein Bock auf ein Vorrunden-Aus.

In Italien geht die Angst um. Die Angst vor einem (abgesprochenen) 2:2 zwischen Spanien und Kroatien. Dann wäre die «Squadra Azzurra» so oder so ausgeschieden. Unabhängig vom Resultat gegen Irland. Die Italiener sind gebrannte Kinder.

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Im Zuge des Wettskandals in Italien machte Gigi Buffon eine folgenschwere Aussage. «Manchmal sind zwei Verletzte besser als ein Toter.» Der Torhüter und Captain Italiens sprach aus, was auf dem Stiefel alle schon längst vermuteten. Am Saisonende gibt es in den italienischen Ligen abgesprochene Resultate, Remis zum Beispiel, die beiden nützen.

Vor dem Gruppenfinale vom Montag fällt diese Aussage auf Buffon zurück. Nun haben die Italiener Angst, selbst Opfer eines so genannten «Biscotto» («Päckli») zu werden. Eine Mauschelei zwischen Spaniern und Kroaten befürchten vor allem Tifosi und Medien. Die Mannschaft glaubt an den Sportsgeist der Gegner im Fernduell. «Die Spanier wollen sich nicht ihr Image mit einem 2:2 beflecken», sagte Buffon.

Die Erinnerungen an frühere Zeiten

In der Vergangenheit gab es auch bei WM- und EM-Endrunden Beispiele, wo sich zwei Teams gegenseitig halfen. Etwa bei der «Schande von Gijon» zwischen Deutschland und Österreich (1982). Oder beim nordischen 2:2 vor acht Jahren zwischen Schweden und Dänemark. Meistens aber machen die Teams auf diesem Niveau keine Geschenke. Ein paar Beispiele:

Gijon, 25. Juni 1982 (WM-Endrunde): Zum Abschluss der Vorrunde trifft Deutschland auf Nachbar Österreich. Bei einem Sieg der Deutschen mit maximal zwei Toren Differenz wären beide Teams auf Kosten von Algerien für die Zwischenrunde qualifiziert. Schon in der 10. Minute brachte Horst Hrubesch Deutschland in Führung. Beim knappen Sieg blieb es. 80 Minuten lang schoben die Teams den Ball quer und rückwärts. Das Spiel ging als die «Schande von Gijon» in die Geschichte ein. Bei der nächsten Endrunde führte die FIFA die zeitgleiche Ansetzung der letzten Gruppenspiele ein.

Spaniens Rechnung ging 1983 auf

Sevilla, 21. Dezember 1983 (EM-Qualifikation): Spanien brauchte im letzten Spiel gegen Malta einen Sieg mit elf Toren Differenz, um Holland vom 1. Platz zu verdrängen. Malta war klarer Aussenseiter, kassierte zuvor aber in sieben Partien bloss 3,57 Tore pro Spiel. Und Spanien erzielte in sieben Spielen nur 12 Treffer. In Sevilla war es anders. Zur Pause führte Spanien 3:1, dank sieben Toren in der letzten halben Stunde gewannen die Iberer tatsächlich 12:1. Danach führten der Verband Maltas und die UEFA eine Untersuchung durch. Der Verdacht, das Resultat sei abgesprochen gewesen, wurde nie bewiesen.

Norrköping, 18. Juni 1992 (EM-Endrunde): Die GUS-Auswahl (ehemals Sowjetunion) hätte mit einem Sieg im abschliessenden Spiel gegen das bereits ausgeschiedene Schottland einen aus dem Duo Deutschland/Holland, die gleichzeitig gegeneinander spielten, überholt und die Halbfinals erreicht. Doch die Schotten machten dem Gegner keinen Gefallen und schlugen die GUS 3:0. Damit kam Deutschland trotz des 1:3 gegen Holland doch noch in die Halbfinals.

Paraguays Wende gegen Slowenien

Daejeon, 12. Juni 2002 (WM-Endrunde): In der Gruppe B führte Spanien (6 Punkte) vor Südafrika (4) und Paraguay (1). Slowenien war ausgeschieden. Zum Abschluss traf Spanien auf Südafrika. Ein Unentschieden hätte beiden genützt: Spanien wäre Gruppensieger, Südafrika für die Achtelfinals qualifiziert. Doch es gab keine Absprache. Raul schoss in der 56. Minute das Siegestor für Spanien. Verschätzt haben sich die Südafrikaner. Sie glaubten nicht, dass Paraguay gegen Slowenien nach dem 0:1-Rückstand noch mit zwei Toren Differenz gewinnen würde. In der 84. Minute schoss Paraguay aber das 3:1.

Porto, 22. Juni 2004 (EM-Endrunde): Das berühmt-berüchtigte nordische 2:2. Schweden und Dänemark trennten sich mit dem Unentschieden, das Italien trotz des 2:1 gegen Bulgarien nach Hause reisen liess. Der schwedische Ausgleich fiel nach einem Fehler des dänischen Torhüters Thomas Sörensen zwei Minuten vor dem Ende. In Italien tobte ein ganzes Volk, es wurden Lippenleser engagiert, welche jede mögliche Aussage eines Spielers während der Partie deuten sollten. Einen Nachweis für die Absprache konnten weder die Italiener noch die UEFA je liefern.

Deutschlands EM-Out 2004

Lissabon, 23. Juni 2004 (EM-Endrunde): Einen Tag nach der «Nordic Victory» stand die Sportlichkeit erneut auf dem Prüfstand. Tschechien war als Gruppensieger bereits für die Viertelfinals qualifiziert und trat Deutschland mit einer B-Mannschaft gegenüber. Ein Sieg hätte der DFB-Auswahl für Platz 2 gereicht. Doch es kam anders. Die tschechischen Ersatzspieler waren hoch motiviert und schlugen Deutschland nach 0:1-Rückstand noch 2:1. Die Deutschen waren ausgeschieden, Holland nach dem 3:0 gegen Lettland weiter.

Bern, 17. Juni 2008 (EM-Endrunde): Eine ähnliche Konstellation wie vier Jahre zuvor in Lissabon. Holland war bereits Gruppensieger, als es gegen Rumänien spielte. Hätten die Holländer gegen die Osteuropäer verloren, wäre Italien trotz des abschliessenden 2:0 gegen Frankreich ausgeschieden. Doch diesmal konnten sich die Italiener nicht beklagen. Holland spielte von Beginn weg auf Sieg und lief nie Gefahr, gegen Rumänien zu verlieren. Am Ende gewann Oranje 2:0.

(bg/Si)

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