FCB bangt um die «Königsklasse» und Captain Streller
Basel hofft in Cluj auf ein kleines Wunder
publiziert: Mittwoch, 29. Aug 2012 / 10:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 29. Aug 2012 / 10:15 Uhr
Heiko Vogel musste sich in den vergangenen Tagen kritische Fragen gefallen lassen.
Heiko Vogel musste sich in den vergangenen Tagen kritische Fragen gefallen lassen.

Aus einer ungünstigen Position kämpft der FC Basel heute (live auf fussball.ch) um die erneute Teilnahme an der Champions League. Nach dem 1:2 aus dem Hinspiel muss er in Cluj zwei Treffer erzielen, um eine Chance auf die Gruppenphase zu haben. Ob Marco Streller aufläuft, ist fraglich.

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Der FC Basel hat eine schwarze Woche hinter sich. Auf die unnötige Heimpleite gegen CFR Cluj folgte am Samstag beim euphorisierten Aufsteiger St. Gallen der erste «Nuller» in der laufenden Super-League-Meisterschaft. Beide Male gaben die Rot-Blauen eine Führung leichtfertig preis. Zwei Niederlagen in Serie: Das passierte dem FCB in der jüngeren Vergangenheit selten.

Als dies in der Anfangsphase (gegen den FCZ und Luzern) und am Ende der letzten Saison (gegen Servette und YB) jeweils der Fall gewesen war, blieb dies ohne negative Konsequenzen für die sportlichen Ziele. Diesmal ist die Situation heikler. Den Baslern droht, dass die Champions League erstmals seit 2009 ohne sie lanciert wird. Bei einem Scheitern gegen Cluj müsste man sich mit dem finanziell bedeutend weniger lukrativen Trostpflaster Europa League begnügen. Und in der heimischen Super League ist die Gegenwehr inzwischen stärker geworden.

Vogel büsste Kredit ein

Heiko Vogel stand am Samstag in der AFG-Arena im Regen - nicht nur der Wetterverhältnisse wegen. War er in der letzten Saison noch als Shooting-Star der Trainer-Szene gefeiert worden, musste sich der Deutsche in den vergangenen Tagen immer kritischere Fragen gefallen lassen. Der Ex-Internationale Kubilay Türkyilmaz warf dem Rotschopf in seiner «Blick»-Kolumne vor, er lasse den FCB ein falsches System spielen. Die Taktik müsse mehr auf Alex Frei zugeschnitten werden. Der Boulevard hatte Vogel überdies als «Meister der Ausreden» betitelt.

Weil sich die Anhängerschaft der «Bebbi» fast an Festwochen gewöhnt hat, reagiert sie unterdessen empfindlicher auf Ausrutscher. Ein Teil des erfolgsverwöhnten Publikums ist nicht mehr so rasch zufrieden zu stellen. Dies hat auch Präsident Bernhard Heusler registriert. Er mahnt, es gelte die Relationen zu wahren. Ein Schweizer Vertreter in der Champions League sei alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Von seinem Angestellten Heiko Vogel sind nach seinem Senkrechtstart trotzdem im schnelllebigen Business nun auch Fähigkeiten im Bereich Krisen-Management gefragt.

«Nach Führungen zu bequem geworden»

Die FCB-Mannschaft Ausgabe 2012/13 ist noch nicht derart gefestigt, dass sie Tiefschläge wie Ausgleichstore der Gegner in souveräner Manier wegstecken kann. Das mag in erster Linie dem happigen Aderlass in der Sommerpause geschuldet sein. Der Umbruch ist in vollem Gang und wohl noch nicht so bald abgeschlossen. Umso ärgerlicher ist, dass sich auf dem Rasen Nachlässigkeiten eingeschlichen haben und sich innerhalb des Kaders immer mehr «Baustellen» aufgetan haben. Trainer Vogel nimmt kein Blatt vor den Mund: «In den letzten zwei Spielen sind wir nach den Führungen zu bequem geworden. Wir haben essenzielle Dinge vernachlässigt, sprich wir nahmen die Zweikämpfe nicht mehr an und waren nicht nahe genug an den Gegenspielern. In dieser Hinsicht habe ich einiges vermisst.»

Weil gleichzeitig die individuellen Fehler härter bestraft worden seien, sei man dadurch in Schieflage geraten. Aus den Reihen von Cluj avancierte im Zuge einer Konter-Strategie der Senegalese Modou Sougou mit einem Doppelpack zum Basler Schreck. Das Defensiv-Verhalten des Schweizer Meisters kann nach dem Abgang von David Abraham höheren Ansprüchen noch nicht genügen. Das Umschalten in den Abwehr-Modus geht schleppend vonstatten. Es mangelt an Kompaktheit. Der frühere tschechische Nationalverteidiger Radoslav Kovac, der einst mit vielen Vorschusslorbeeren von West Ham United gekommen ist, wartet am Rheinknie immer noch auf den Durchbruch.

Gewichtige Absenzen

In der Offensive sind die Sorgen ebenfalls grösser als auch schon. Der neue Ägypter Mohamed Salah hat seine zweifellos vorhandene Klasse schon verschiedentlich aufblitzen lassen, doch weil er sich gegen St. Gallen eine Oberschenkelzerrung zugezogen hat, fehlt er noch mindestens bis und mit dem Meisterschaftsspiel vom Sonntag gegen den FCZ. Unter Oberschenkelproblemen leidet auch der Captain. Im Basler Lager bangt man um den Einsatz von Marco Streller. Es ist nicht hundertprozentig sicher, dass der Angreifer rechtzeitig fit wird.

Der Leader der Super-League-Torschützenliste hatte gegen Cluj vor einer Woche u.a. mit einem sehenswerten Treffer brilliert. Strellers Copain Alex Frei hat sich zwar offenbar von seiner Beckenprellung erholt, jedoch steht Valentin Stocker wegen einer Gelb-Sperre in Rumänien nicht zur Verfügung. In Basel existiert die Hoffnung, dass die Absenzen in ähnlichem Stil wie in der letzten Champions-League-Saison in Manchester und Lissabon kompensiert werden können.

Auf der Suche nach dem Aufstieg

Aussichtslos ist die Lage für den FC Basel nicht. Zu gut waren im Hinspiel gegen Cluj die ersten 60 Minuten. Den Optimismus hat auch Heiko Vogel nicht verloren: «Die Favoritenrolle hat zu den Rumänen gewechselt. Aber man schreitet im Fussball durch Täler. Und manchmal geht es den Berg hoch. Hoffentlich beginnen wir jetzt wieder mit einem Aufstieg.»

Das Basler Traum-Szenario sieht vor, dass die «Bebbi» wie gegen Molde mit einem blauen Auge davonkommen und morgen Donnerstag ab 18 Uhr an der Champions-League-Auslosung in Monaco auch das FCB-Los gezogen wird. Der Worst Case lautet, dass die Rot-Blauen im Constantin-Radulescu-Stadion ähnlich hart landen wie das Flugzeug der Schweizer Delegation auf dem Flughafen von Cluj.

CFR Cluj - Basel
Heute Mittwoch, 20.45 Uhr/live auf fussball.ch. - Dr.-Constantin-Radulescu-Stadion. - SR Rocchi (It).

Voraussichtliche Formationen:
CFR Cluj: Mario Felgueiras; Pinto, Cadu, Rada, Camora; Saré; Rafael Bastos, Godemèche, Sougou, Rui Pedro; Kapetanos.

Basel: Sommer; Steinhöfer, Kovac, Dragovic, Park; David Degen, Diaz, Cabral, Fabian Frei; Streller (Zoua), Alex Frei.

Bemerkungen: CFR Cluj ohne Maftei, Piccolo (beide gesperrt), Vass und Ronny (beide verletzt). Basel ohne Stocker (gesperrt), Salah und Yapi (alle verletzt).

(bg/Si)

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