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Basler Solo-Programm
publiziert: Sonntag, 29. Apr 2012 / 18:16 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 1. Mai 2012 / 09:57 Uhr
Markus Steinhöfer (l.) und der beste Torschütze der Super League Alex Frei.
Markus Steinhöfer (l.) und der beste Torschütze der Super League Alex Frei.

Basel legt das Programm in der Axpo Super League nahezu im Alleingang fest. Die konkurrenzlosen «Bebbi» führten auf dem Weg zum dritten Titelgewinn in Serie eine fast beispiellose Solo-Inszenierung auf. Beim Meister ist ein personelles «Setup» nun aber absehbar.

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Nicht die Sportjuristen führten in der Schlussphase einer Meisterschaft mit diversen unvorteilhaften Teilnehmern das letzte Wort, die Pointe gehörte uneingeschränkt dem FC Basel. Weder auf dem Rasen noch am grünen Tisch war der mit immensem Abstand beste Klub des Landes noch stoppen - gegen sportlichen Alleingang Basels wird selbst Christian Constantin kein gerichtliches Veto mehr einlegen können.

Eigentlich müsste die Football League dem FCB nicht nur die Meister-Trophäe übergeben, sondern einen zusätzlichen Award nachreichen: jenen für die Imagepflege zu Gunsten der Fussball-Szene Schweiz. Derweil die einen nur prozessierten und sich europaweit in den Fokus der Spötter manövrierten, andere sich einem tschetschenischen Gangster auslieferten oder ihren Trainer öffentlich im Wochentakt demontierten, grenzte sich die FCB-Organisation im positiven Sinn vom übrigen Pleiten-, Pech- und Pannen-Verbund der ASL ab.

Blitz-Transfer verkraftet

Im Herbst bewältigte der FCB die einzige heikle Passage im Championat auf und neben dem Terrain bravourös. Als Thorsten Fink den Blitz-Transfer zum Bundesliga-Dino HSV einer dritten erfolgreichen Amtsperiode vorzog, handelte das Management clever. Das Gremium um Bernhard Heusler beförderte den bisherigen Assistenten Heiko Vogel in einer Seelenruhe zum Trainer ad interim und installierte den erst 36-jährigen Deutschen nach bestandener Probezeit als neuen Chef.

Vogel verwaltete das Fink-Erbe nicht einfach. Der zu Beginn von einigen Experten erheblich unterschätzte Sport-Uni-Absolvent setzte neue taktische Akzente. Im defensiven Zentrum im Mittelfeld verfeinerte der Fussball-Freak die Abläufe. Obschon die Bebbi keinen Tick weniger attraktiv spielten, schirmten sie ihre eigene Platzhälfte wirksamer ab. Die minimen Änderungen im Konzept zahlten sich vor allem auf internationaler Ebene markant aus.

Das Champions-League-Ausrufezeichen

Erstmals überhaupt verschaffte sich mit dem FCB ein Schweizer Klub Zutritt in den Achtelfinals der Champions League. Der nationale Trendsetter schaltete im letzten Gruppenspiel den englischen Koloss Manchester United aus. Der Coup gegen die beste Equipe der gesamten CL-Geschichte ist für Super-League-Verhältnisse beispiellos. An jenem Abend führten die Bebbi der Konkurrenz in der Schweiz vor Augen, wie sehr sie ihr entrückt sind.

Das monatelange Doppel-Engagement im Europacup und in der eigenen Liga managte der Verein so gut wie nahezu kein anderer Schweizer Klub zuvor. Im breiten Kader kam kaum je Unruhe auf. Auch die permanenten Transferspekulationen perlten am Champion ab. Jeder erfüllte seinen Job zu 100 Prozent. Zu unnötigen Energieverlusten kam es nicht. Der direkte Weg zum ersten Titel-Hattrick der Vereinsgeschichte ist statistisch belegt: Seit 23 Runden ist der Branchenleader ungeschlagen.

Einmalige Konstellation

Womöglich ist die aktuelle FCB-Ausgabe die beste aller Zeiten. Die Konstellation war perfekt. Einer im Kern über Jahre gewachsenen Equipe standen zeitgleich die stärksten Schweizer Spieler zweier Generationen zur Verfügung. Alex Frei, zusammen mit dem früheren CL-Sieger Stéphane Chapuisat wohl der beste Schweizer Stürmer der letzten drei Dekaden, Marco Streller und Benjamin Huggel gehörten während fast zehn Jahren zum Stamm des Nationalteams. Neben dem «FCB-Trio grande» rückten Juwelen wie Keeper Yann Sommer (23), Xherdan Shaqiri (20), Granit Xhaka (19) oder Fabian Frei (23) endgültig in die erste Reihe vor.

Dazu wird das Zentrum der Abwehr von zwei hochqualifzierten ausländischen Professionals besetzt: Verteidiger der Qualität des Österreichers Aleksandar Dragovic und des Argentiniers David Abraham hat hierzulande kein Team zu bieten. Auch diese Vorteile hat sich der FCB hart erarbeitet: In ihr Scouting-System stecken die Bebbi seit Jahren Geld. Investments basieren nicht auf Zufällen.

Nach dem Titel-Triple ist nun allerdings vor dem vermutlich Umbau des Teams. Shaqiri wechselt ins deutsche Fussball-Epizentrum nach München. Auf dem Absprung dürfte auch Xhaka sein, der seine Zukunft in Mönchengladbach plant. Huggel tritt zurück. Zu befürchten ist aus Basler Optik, dass mindestens einer der beiden Innenverteidiger eine Offerte aus Italien oder England erhalten wird. Auch Valentin Stocker ist begehrt. Vogel steht unter Druck. Er muss das erfolgreiche Team mehr als nur sanft renovieren.

FC Basel (1893 gegründet)
Tor: Yann Sommer (23). Massimo Colomba (34). Marcel Herzog (31).
Verteidigung: David Abraham (Arg/25). Arlind Ajeti (18). Philipp Degen (29). Aleksandar Dragovic (Ö/21). Radoslav Kovac (Tsch/32). Genseric Kusunga (24). Joo-Ho Park (Skor/25). Markus Steinhöfer (De/26). Kay Voser (25).
Mittelfeld: Stephan Andrist (24). Roman Buess (19). Cabral (23). Scott Chipperfield (Au/36). Fabian Frei (23). Benjamin Huggel (34). Xherdan Shaqiri (20). Valentin Stocker (23). Granit Xhaka (19). Gilles Yapi (Elfenbeinküste/30).
Sturm: Alex Frei (32). Kwang-Ryong Pak (Nkor/19). Marco Streller (30). Jacques Zoua (Kam/20).
Trainer: Heiko Vogel (De/36). - Präsident: Bernhard Heusler.

Budget: 55 Millionen Franken (geschätzt). - Meistertitel (15): 1953, 1967, 1969, 1970, 1972, 1973, 1977, 1980, 2002, 2004, 2005, 2008, 2010, 2011, 2012. - Cupsiege (10): 1933, 1947, 1963, 1967, 1975, 2002, 2003, 2007, 2008, 2010.

(fest/Si)

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