Casillas vertrieb die Gespenster
publiziert: Montag, 23. Jun 2008 / 22:01 Uhr

Mit zwei Paraden im Penaltyschiessen wurde Iker Casillas (27) zum Helden der Spanier. Er vertrieb damit zwei Gespenster: Die «Selección» steht erstmals seit 1984 im Halbfinal und siegte nach drei Niederlagen in Serie erstmals in einem Penaltyschiessen an einem 22. Juni.

Iker Casillas nahm das Schicksal der spanischen Mannschaft in die Hände.
Iker Casillas nahm das Schicksal der spanischen Mannschaft in die Hände.
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Iker Casillas hatte in diesem Jahr durchaus schon persönliche Meriten abgeholt. Am Ende der Saison in der Primera Division gewann er erstmals den prestigeträchtigen «Trofeo Zamora» für den besten Torhüter in Spanien (32 Gegentore in 36 Spielen).

Einen weiteren Pokal für die eigene Vitrine überreichte ihm die UEFA nach dem Penaltyschiessen gegen Italien: Natürlich, die zwei Paraden gegen Daniele De Rossi und Antonio Di Natale machten Casillas zum «Man of the Match».

Vor allem aber machten sie ihn innert Sekunden zum Helden in der Heimat. Nicht die Stürmer David Villa und Fernando Torres wurden diesmal gefeiert, sondern er, der Goalie. Casillas besiegte den spanischen Fluch der schier endlosen Enttäuschungen in Viertelfinals.

24 Jahre nach einem Last-Minute-Tor von Verteidiger Maceda gegen Deutschland an der EM in Frankreich (im letzten Gruppenspiel) und nach drei Niederlagen an einem 22. Juni in Penaltyschiessen (1986 an der WM gegen Belgien, 1996 an der EM gegen England und 2002 an der WM gegen Südkorea) schaffte die «Furia Roja» den Sprung unter die letzten vier -- dank Casillas.

«Kein Heiliger, sondern Iker aus Móstoles»

Dabei hätten es viele spanische Supporter nicht ungern gesehen, wenn Trainer Luis Aragones den letzten Wechsel vor dem Penaltyschiessen für eine Verrücktheit aufgespart und Iker Casillas durch Ersatzkeeper Pepe Reina ausgetauscht hätte. Dieser gilt als Penaltykiller und hat dies beim FC Liverpool auch schon mehrmals bewiesen.

Casillas dagegen hat mit Real Madrid in der Champions League beispielsweise noch nie (!) in die Kurz-Entscheidung gehen müssen und hatte beim letzten wichtigen Penaltyschiessen seiner Karriere, im WM-Viertelfinal 2002 gegen Südkorea, keinen Schuss abgewehrt.

Am späten Sonntagabend waren diese Statistiken aber bloss noch Makulatur. Und tags darauf wurde Iker Casillas in den spanischen Zeitungen als Heiliger oder sogar als Gott gefeiert. Doch der Angebetete behielt die Bodenhaftung, so wie er seine Nerven während des Penaltyschiessens kontrolliert hatte.

«Ich bin wegen dieser zwei Paraden kein Heiliger. Ich bin noch immer der Iker aus Móstoles (Vorort von Madrid -- Red.). Und es ist auch nicht mein Sieg. Wir gewinnen als Team und wir verlieren als Team», sagte er und rief beim Besteigen des Teambusses den Journalisten zu: «Es wäre schön, wenn ihr daran denkt, wenn es dann einmal nicht so gut läuft.»

Das Lob von Luis Arconada

In Superlativen sprachen in der Stunde des Triumphes jedoch nicht nur die Meinungsmacher von «Marca», «AS» und «El Pais», sondern auch Luis Arconada, Casillas´ Vorgänger als letzter spanischer Halbfinal-Keeper. Er, der an der EM 1984 im Tor Spaniens gestanden hatte, als Casillas erst 3 Jahre alt gewesen war, sieht im Real-Goalie schon jetzt ein «historisches Monument». Casillas sei immer ruhig, verfüge über unglaubliche Reflexe und sei auch in der Strafraumbeherrschung einzigartig.

Arconada: «Casillas ist über die Jahre immer besser geworden und ist noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt. Er wird noch viele Rekorde schlagen.» Casillas war jedoch schon auf einem hohen Niveau gestartet. Als 19-Jähriger gewann er erstmals die Champions League mit Real Madrid, mit 27 Jahren könnte ihm nun auch mit dem Nationalteam der grosse Wurf gelingen.

(Stefan Wyss, Wien/Si)

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