Der unbezwingbare holländische Berg
publiziert: Samstag, 21. Jun 2008 / 15:19 Uhr

Er ist in Hollands Starensemble die unbekannte Grösse mit der respektablen Grösse: Orlando Engelaar, der 1,96-Meter-Mann im defensiven Mittefeld. Der Captain von Twente Enschede sichert für die offensiven Schillerfalter ab und ist so ein Schlüssel zum Erfolg.

Orlando Engelaar hatte einst als grosses Stürmertalent gegolten.
Orlando Engelaar hatte einst als grosses Stürmertalent gegolten.
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Als die Mitglieder der holländischen Band «The Nits» 1987 ihren grossen Hit «In The Dutch Mountains» schrieben, dachten sie mehr an die Häuserschluchten im flachen Land. Nun ist der holländische Berg, der für die Gegner so unbezwingbar scheint, der ausserhalb des Landes nur wenig bekannte Engelaar.

Dabei hatte Ruud Gullit vor dem Turnier prognostiziert: «An solch grossen Turnieren gibt es eigentlich keine Überraschungen. Jeder kennt jeden. Aber wir haben einen Spieler im Team, der für alle eine Überraschung sein wird: Orlando Engelaar.»

Überraschender Einsatz

Obwohl bereits 28-jährig, blickt Engelaar auf eine vergleichsweise kurze internationale Karriere, nachdem er in jungen Jahren nie ein Aufgebot in eine holländischen Auswahl bekommen hatte.

Das Debüt in der «Elftal» gab er erst am 2. Juni 2007 gegen Südkorea; Marco van Basten hatte ihn wegen diverser Absagen von Stürmern für Hollands Asientour nominiert. «Ich dachte nicht, dass ich eine Zukunft im Nationalteam hätte und gar eine Endrunde im orangen Jersey bestreiten würde», sagt Engelaar.

1988 hatte er den Titelgewinn der Holländer mit Ruud Gullit und dem heutigen Bondscoach Marco van Basten vor dem Fernseher verfolgt. Und noch vor vier Jahren habe er die Spiele der holländischen Auswahl vor dem TV verfolgt - mit einem orangen Shirt über den Schultern. «Selbst vor zwei Jahren war ich noch als oranger Spassvogel gekleidet.»

Vom Stürmer zum Spielmacher

Dabei hatte Engelaar einst als grosses Stürmertalent gegolten. Er stammt aus der produktiven Jugendabteilung von Feyenoord Rotterdam. Aber im Gegensatz zu Robbie van Persie beispielsweise schaffte er den Sprung vom Nachwuchs ins Fanionteam nicht. Er wurde zum Ligakonkurrenten Breda abgeschoben. «Ich war enorm enttäuscht, als ich Feyenoord verlassen musste», sagt er. «Es war hart. Du bist eine Art Star im Nachwuchs, und es gibt kaum Widerstand, wenn du gegen die anderen Nachwuchsteams spielst. Aber der Schritt zu den Grossen ist immens», erinnert er sich.

Heute ist Orlando Engelaar jedoch überzeugt, dass ihm seine Reise, die von nach Breda nach Genk (Be) und 2006 nach Enschede führte, weiterbrachte. Twentes Trainer Fred Rutten überzeugte das Stürmertalent, im Mittelfeld zu spielen. «Wegen meiner Grösse und Schnelligkeit liessen mich die meisten Trainer im Angriff spielen, dabei sind meine grösste Qualität die Übersicht und der öffnende Pass», so Engelaar. Mit seiner Ruhe und Übersicht führte er in der vergangenen Saison das Team mit Blaise Nkufo auf den 4. Platz und über die holländischen Playoffs in die Champions League. Jetzt ist er Twentes erster holländischer Internationaler seit John Bosman 1997.

Mischung aus Ballack und Zidane

«Ich hatte Zeit gebraucht, um mich auf der neuen Position zurechtzufinden. Jetzt fühle ich mich vor der Abwehr zuhause», so Engelaar. Gullit lobt ihn als «guten, nein, wahrhaftig guten Spieler», Teamkollege Rafael van der Vaart als «echte Attraktion». Und die deutsche «Tageszeitung» beschrieb ihn gar als «eine Mischung aus Ballack und Zidane». Weniger spektakulär beschreibt Engelaar sein Spielverständnis. «Mein erster Blick gilt immer dem vordersten Spieler. Und das ist auch die sicherste Variante. Entweder gibt es einen gefährlichen Konter, und wenn der Ball nicht ankommt, dann ist er wenigstens tief in der gegnerischen Hälfte», so seine simple Erklärung.

Seine Leistungen gegen Italien und Frankreich in der ersten Halbzeit rückten Engelaar nicht nur auf dem Rasen in den Mittelpunkt. Sein Name bedeutet auf dem Transfermarkt trotz bis 2011 laufenden Vertrags viel. Er wollte seinem Trainer Rutten nach Schalke folgen -- auf 8 Millionen Euro wird die Ablösesumme geschätzt. Und neben dem Bundesligisten bemühen sich auch der PSV Eindhoven, Ajax Amsterdam, West Ham, Everton und Marseille um eine Verpflichtung.

(bert/sda)

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