Deutschland hat sein Déjà-Vu
publiziert: Freitag, 13. Jun 2008 / 00:00 Uhr

Kroatien sorgte im elften Spiel der EURO 2008 für den ersten Sieg eines Aussenseiters. In Klagenfurt rettete das Team von Slaven Bilic gegen die favorisierten Deutschen das 2:1 über die Zeit.

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Im WM-Viertelfinal 1998 in Frankreich hatte Kroatien gegen Deutschland mit dem 3:0 für einen kaum für möglich gehaltenen Coup gesorgt. Fast genau zehn Jahre später, diesmal mit Slaven Bilic an der Seitenlinie, wiederholten die «Karierten» um den überragenden Spielmacher Luka Modric ihren Exploit. Zudem führte Kroatien eine weitere statistische Serie weiter. Zum sechsten Mal in Serie ging das zweite Spiel an einem grossen Turnier nicht verloren.

«Wie Phönix aus der Asche werden wir zurückkommen», hatte Bilic nach dem knapp gewonnenen Auftaktspiel gegen Österreich versprochen. In der Tat war Kroatien nicht wiederzuerkennen.

Ob die Müdigkeit oder die konditionellen Probleme, die am letzten Sonntag zu einer 45-minütigen Einschnürung in der eigenen Hälfte geführt hatten, Bluff auf hohem Niveau waren? Jedenfalls drückten die Kroaten gegen Deutschland der jederzeit unterhaltsamen Partie den Stempel auf -- mit Ausnahme der hektischen Schlussviertelstunde.

Vor allem aber wusste Kroatien mit den Freiheiten, die gewährt wurden, gut umzugehen. So führte die deutsche Nonchalance auf der rechten Aussenbahn nach 24 Minuten zum 1:0. Ohne Störarbeit konnten sich die Kroaten so postieren, bis die Flanke zur Mitte geschlagen werden konnte.

Darijo Srna, torgefährlicher Mittelfeldspieler von Schachtjor Donezk, nützte das zu wenig energische Einschreiten von Linksverteidiger Marcell Jansen zu seinem 16. Treffer im 58. Länderspiel aus.

Deutschland, das beim 2:0 gegen Polen mit schnellen Vorstössen und Pässen in die Schnittstelle der Abwehr immer wieder gefährlich gewesen war, versuchte seine Kadenz nach dem Rückstand zu erhöhen.

Allerdings zog DFB-Captain Michael Ballack allzu oft das Hadern mit Schiedsrichterentscheiden der Konzentration auf das Spielgeschehen vor. Das Duell gegen Kroatiens Spielmacher Modric, in der kommenden Saison sein Gegner in der englischen Premier League, verlor der Chelsea-Professional haushoch.

Starker Rakitic

Hätte Niko Kranjcar in der Chancenverwertung nicht derart gesündigt -- zwei Mal (30./42.) vergab er praktisch freistehend -- wäre Deutschland schon zur Pause hoffnungslos in Rückstand gelegen. In der Offensive fehlte dem klaren Favoriten der Gruppe B die Kaltblütigkeit. In den «heissesten» Situation (33.) klärte Kroatiens Keeper Stipe Pletikosa gleich drei Mal innerhalb weniger Sekunden.

«Mitschuldig» an der deutschen Niederlage war nicht zuletzt Ivan Rakitic. Der im Fricktal aufgewachsene Mittelfeldspieler, der diesmal von Beginn weg zum Einsatz kam, schlug jene Flanke, die nach 62 Minuten von Lukas Podolski an den eigenen Pfosten gelenkt wurde.

Den folgenden Abpraller verwertete sein Bundesliga-Kollege Ivica Olic (Hamburger SV) problemlos. Überhaupt zeigte Rakitic eine Leistung, die ihm im dritten Gruppenspiel gegen Polen eine weitere Nominierung für die Startformation garantieren dürfte.

«Poldi» traf im Jubiläumsspiel

Wer nach dem 0:2 auf die fällige heftige Reaktion der Deutschen wartete, sah sich getäuscht. Zwar stellte Chefcoach Joachim Löw sein Team zwei Mal um, Zählbares brachte aber erst eine nicht zwingend scheinende Aktion elf Minuten vor Schluss. Lukas Podolski stand in seinem 50. Länderspiel -- wie schon beim zweiten Tor gegen Polen -- einschussbereit, als ein Rebound praktisch vor seine Füsse flog.

In der hektischen Schlussphase minimierte der formschwache und erst in der zweiten Halbzeit eingewechselte Bastian Schweinsteiger seine Chancen auf weitere Turniereinsätze. Der Flügel von Bayern München liess sich in der Nachspielzeit zu einer Tätlichkeit hinreissen und wurde des Feldes verwiesen. Sein Ausfall dürfte angesichts der sehr unkonstanten Leistungen, im Gegensatz zu den verlorenen drei Punkten, keinen allzu grossen Verlust darstellen.

Kroatien - Deutschland 2:1 (1:0)

Wörthersee-Stadion, Klagenfurt (ausverkauft). - 31'461 Zuschauer. -- SR De Bleeckere (Be). -- Tore: 24. Srna 1:0. 62. Olic 2:0. 79. Podolski 2:1.

Kroatien: Pletikosa; Corluka, Robert Kovac, Simunic, Pranjic; Srna (80. Leko), Modric, Niko Kovac, Rakitic; Kranjcar (85. Knezevic); Olic (72. Petric).

Deutschland: Lehmann; Lahm, Metzelder, Mertesacker, Jansen (46. Odonkor); Fritz (82. Kuranyi), Frings, Ballack, Podolski; Gomez (65. Schweinsteiger), Klose.

Bemerkungen: Beide Teams komplett. 62. Podolski lenkt Flanke von Rakitic an den eigenen Pfosten, Olic verwertet zum 2:0. 91. Rote Karte gegen Schweinsteiger (Tätlichkeit). Verwarnungen: 27. Srna (Foul). 45. Simunic (Unsportlichkeit). 75. Ballack (Foul). 91. Leko (Foul). 91. Lehmann (Reklamieren). 92. Modric (Foul).

(Stefan Baumgartner, Klagenfurt/Si)

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