Deutschlands Probleme vor Spiel gegen Portugal
publiziert: Mittwoch, 18. Jun 2008 / 21:44 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Jun 2008 / 08:12 Uhr

Mit dem Viertelfinal zwischen Portugal und Deutschland tritt die EURO in der Schweiz und in Österreich in die entscheidende Phase. Schon im ersten K.o.-Spiel treffen in Basel zwei oft genannte Titelaspiranten aufeinander.

Hat Innenraumverbot: Joachim Löw.
Hat Innenraumverbot: Joachim Löw.
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Nach der erfolgreichen Heim-WM vor zwei Jahren gehörten die Deutschen, die ihrem dritten EM-Titel 1996 kein Spiel an einer kontinentalen Endrunde mehr gewonnen hatten, zum engen Favoritenkreis.

Die Bilanz von Jogi Löw, der 2006 Nachfolger von Jürgen Klinsmann wurde, liest sich entsprechend eindrücklich. In 26 Partien siegte die DFB-Ausswahl 18 Mal und spielte viermal remis. Nur dreimal verloren die Deutschen unter Löw.

Löws Verbannung

Nach dem souveränen Auftakt gegen Polen (2:0) mehrten sich jedoch die Probleme und Sorgen im deutschen Camp in Ascona. Gegen die Kroaten verlor Deutschland und sicherte sich erst im letzten Gruppenspiel gegen den Erzrivalen Österreich mit einem mühsamen 1:0-Erfolg die Viertelfinalqualifikation. Im besonderen die Abwehr zeigte sich anfällig. Per Mertesacker und Christoph Metzelder wirkten in mancher Situation gar hüftsteif, was den agilen Portugiesen kaum entgangen sein dürfte. Und am Donnerstag muss Löw nach seiner Verbannung auf die Tribüne gegen Österreich die Partie ebenfalls von den Zuschauerrängen aus verfolgen. Er wurde von der UEFA mit einem Innenraumverbot bestraft.

In den letzten Tagen fokussierten sich die Probleme aber vornehmlich auf das eigentliche Prunkstück des deutschen Teams -- die Offensive. Mario Gomez, bester deutscher Torschütze in der Bundesliga und da scheinbar kaum zu stoppen, fiel in ein Formtief, das ihn zuletzt gegen Österreich gar eine «tausendprozentige Chance» (Torsten Frings) vergeben liess. Löw nahm den Stuttgarter Angreifer schon vor der Partie gegen den Gastgeber zur Brust. Obwohl der Spieler dies selbst dementiert, dürften die zahlreichen Gerüchte über einen Transfer Gomez nicht unberührt gelassen haben.

Podolskis Wade

Ausgerechnet Lukas Podolski, der bei Bayern München kaum über die Reservistenrolle hinaus gekommen war, schlüpfte in die Rolle des treffsichersten Deutschen. Doch sein Einsatz gegen die Portugiesen ist fraglich. Der gebürtige Pole klagt seit dem letzten Spiel über Schmerzen in der Wade und konnte auch nicht mit der Mannschaft trainieren. «Es wird eng werden. Wir werden aber alles tun, dass er spielen kann», erklärte Löw. Noch grössere Sorgen als Podolskis Wade bereitet dem Bundestrainer indes Frings gebrochene Rippe. Über seinen Einsatz will der Staff kurzfristig entscheiden.

Dass Gomez seinen Platz in der Startformation verliert, scheint dagegen klar. Der bisher dreifache Torschütze Podolski rückt für ihn in den Sturm vor. Im linken Mittelfeld hofft Löw mit der Nomination von Bastian Schweisteiger, der seine Sperre nach der Roten Karte gegen Kroatien verbüsst hat, neue Impulse zu setzen. «Er hat eine Bringschuld uns allen gegenüber. Und er war sehr sehr enttäuscht und frustriert, dass er zwei Spiele zunächst nur auf der Bank sass. Er wird vor Motivation und Energie strotzen», ist sich Löw sicher.

Schweinsteigers Erinnerungen

Und Schweinsteiger hat durchaus gute Erinnerungen an Portgual. An der WM hatte der Jungstar von Bayern München im Spiel um Platz 3 mit zwei Treffern entscheidenden Anteil am 3:1-Erfolg gegen Portugal. Die Lusitaner erinnern sich derweil lieber an den Vergleich an der EM 1996 zurück. In Rotterdam eliminierte das mit einer B-Auswahl angetretene und bereits für die K.o.-Phase qualifizierte Portugal die Deutschen mit einem erniedrigenden 3:0-Erfolg.

Im Duell kann Luiz Felipe Scolari sorgenfrei alle Stars einsetzen. Er gewährte vor allem seiner prominenten Offensivabteilung gegen die Schweiz eine Spielpause und nahm die 0:2-Niederlage zumindest in Kauf. Auf acht Positionen hatte er Brasilianer seine Formation verändert. Im Viertelfinal wird wieder die Aufstellung aus den beeindruckenden Auftritten gegen Tschechien und die Türkei erwartet.

Ronaldos Titeltraum

Im besonderen Fokus stehen fraglos Cristiano Ronaldo und Deco, die in den ersten beiden Partien das Offensivspiel Portugals nachhaltig geprägt hatten. «Details werden die Partie entscheiden», erklärte Cristiano Ronaldo, der das Training am Dienstag wegen kleinen muskulären Problemen in der Wade ausgelassen hatte. «Es ist mein Traum, Europameister zu werden», ergänzte er. Der Star von Manchester United gab sich beeindruckt vom Deutschlands Auftritt gegen Österreich: «Sie spielen einen schönen Fussball und haben eine erfahrene Mannschaft.» Es waren wohl mehr die üblichen Floskeln, die vor einem wichtigen Spiel eben geäussert werden.

Sichtlich entspannt präsentierte sich Scolari am Tag vor dem grossen Rendez-vous. «Ich könnte Änderungen vornehmen, werde es aber nicht machen», liess er sich ungewohnt tief in die Karten seiner Aufstellung blicken. Dass die Deutschen ihm und seinem Team die Favoritenrolle zuschieben, quittierte er mit einem Lächeln. Den deutschen Antreiber Michael Ballack bezeichnete Scolari als «eines der Highlights im Turnier». Und dass Frings den Deutschen womöglich nicht zur Vefügung steht, sieht er keinesfalls als Vorteil. «Fernando Meira erzählte mir, dass dann einer spielen wird, der noch besser als Frings ist», berichtete er lächelnd. Es handelt sich Meiras Stuttgarter Klubkollege Thomas Hitzlsperger.

Aufstellungen:
Portugal: 1 Ricardo; 4 Bosingwa, 15 Pepe, 16 Carvalho, 2 Ferreira; 8 Petit; 10 Moutinho, 20 Deco; 11 Simao, 7 Ronaldo; 21 Nuno Gomes.

Deutschland: 1 Lehmann; 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm; 4 Fritz, 8 Frings, 13 Ballack, 7 Schweinsteiger; 11 Klose, 20 Podolski.

(von Sascha Rhyner, Basel/Si)

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