Die österreichischen Schwarzpinsler
publiziert: Freitag, 12. Okt 2007 / 08:47 Uhr

In Österreich hat die nationale Fussball-Auswahl mit einem Imageproblem zu kämpfen. Der Co-Gastgeber der EM 2008 manövrierte sich vor dem Gastspiel in Zürich in eine tiefe Depression. Die aktuelle Lage trübt die an sich ansprechenden Perspektiven.

Wie lange darf Josef Hickersberger noch die österreichische Nationalmannschaft führen?
Wie lange darf Josef Hickersberger noch die österreichische Nationalmannschaft führen?
5 Meldungen im Zusammenhang
Vor einem Jahr taten die Schweizer dem ÖFB mit einem überheblichen Auftritt den Gefallen, den Ausweg aus der Krise zu finden, und stürzten selber ins Tief.

Mit einer weiteren Nachbarschaftshilfe ist nicht zu rechnen. «Ein zweites Mal werden sie uns nicht unterschätzen», warnte Nationalcoach Josef Hickersberger seine Spieler präventiv.

Um die gute Bilanz gegen die Schweiz mag er sich nicht kümmern. Für ihn sind die 25 Siege und 5 Remis in bisher 39 Spielen nur Randnotizen.

EM-Notstand

Eine andere Statistik beschäftigt «Hicke» schon eher. In diesem Jahr hat die Nationalmannschaft keine der acht Partien gewonnen.

Die Rekordtiefmarke von neun sieglosen Spielen in Serie (1973 bis 1974) ist mehr als schemenhaft erkennbar.

Nach dem 0:0 gegen Japan und der 0:2-Niederlage gegen Chile riefen die Kritiker den EM-Notstand aus. Die verletzungsbedingte Absenz mehrerer Schlüsselspieler verschwiegen die Spötter.

«Wir haben an der EM nichts verloren»

Hickersberger Vorgänger Hans Krankl überpinselte jeden halbwegs vernünftigen Ansatz mit schwarzer Farbe, Rekordschütze Toni Polster zweifelte auf diversen TV-Kanälen mehrfach am Team.

«Wir haben an der EM eigentlich nichts verloren», polterte jener Mann, der 1990 (zusammen mit Hickersberger) als Captain das 0:1 gegen die Färöer und somit die grösste Blamage in der 103-jährigen ÖFB-Geschichte mitverschuldete.

«Es herrscht eine grottenschlechte Stimmung», sagt Hickersberger und unternimmt keinen Versuch, das Klima künstlich aufzuwärmen.

«Hicke» ist Österreichs EM-Trainer

In der Wiener Zentrale haben die Entscheidungsträger die alarmierenden Zeichen der ungemütlichen Zeit erkannt.

Präsident Friedrich Stickler, ein hartnäckiger Befürworter Hickersbergers, verlangte vom Nationaltrainer nach den letzten beiden Enttäuschungen eine schriftliche Bestandesaufnahme.

Vor rund drei Wochen sah sich der Verband dann veranlasst, dem Coach das Vertrauen öffentlich auszusprechen: «Der Vorstand geht davon aus, dass Hickersberger Österreichs Trainer bei der EM ist.»

Emotionen gefordert

An eine rasche und nachhaltige Entschärfung der Lage glaubt in Österreich nur eine Minderheit. Zu tiefgreifend ist die Problematik.

Hickersberger muss seine Equipe taktisch cleverer gruppieren und mehr Emotionen entfachen als beim letzten Trauerspiel in Wien.

Stammspieler erfinden kann aber auch er nicht. Von 31 Ausland-Professionals sitzen über drei Viertel auf der Ersatzbank; ihr Selbstvertrauen ist auf den Nullpunkt gesunken.

Wo bleiben die jungen Talente?

Talente sind zwar in Sicht, für die EM im nächsten Jahr aber wohl noch keine Lösungen. Von der U20-Auswahl, die im Mai in Kanada an der WM bis in den Halbfinal stürmte, zur A-Mannschaft ist der Weg weit.

In absehbarer Zeit dürften zwei, drei 20-Jährige den Sprung schaffen - mehr wohl nicht.

Das unter Willi Ruttensteiner entwickelte Nachwuchskonzept funktioniert. Der Ertrag wird indes erst in fünf Jahren auch auf höchster Stufe sichtbar sein.

Licht am Ende des Tunnels

Vorerst freuen sich die Österreicher lieber über kleine Fortschritte. Am Mittwochabend besiegten die Gescholtenen in Schruns eine U19-Auswahl der Akademie Vorarlberg 5:0.

Wesentlich wichtiger als die erfüllte Pflicht war dabei die Rückkehr von Andreas Ivanschitz. Der Captain schoss beim Comeback nach über vier Monaten zwei Tore und bereitete zwei weitere vor.

Er soll seine verunsicherten Kollegen aus der Nebelzone führen. Ivanschitz weiss, wo die Sonne scheint. Er verdient sein Geld in Athen.

(von Sven Schoch/Si)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
EURO 2008 Im Testländerspiel am Samstag ... mehr lesen
Köbi Kuhn warnt eindringlich vor Überheblichkeit im Spiel gegen die Österreicher.
Daniel Gygax ist voraussichttlich auch gegen die USA nicht einsatzbereit
Daniel Gygax verletzte sich erneut und ... mehr lesen
Das dritte Training der Schweizer ... mehr lesen
Alex Frei lässt sich in Deutschland ärztlich behandeln.
Fabio Coltorti ist turnusgemäss am Samstag im Tor.
Das erste Training im Rahmen des ... mehr lesen
Die Schweizer Nationalmannschaft ... mehr lesen
Alex Frei auf der Spielerbank gegen Chile.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 12°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
Basel 13°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 12°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Bern 12°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Luzern 13°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Genf 16°C 25°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 17°C 23°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten