Schmiergeldzahlungen
Druck auf FIFA-Präsident Blatter nimmt zu
publiziert: Freitag, 13. Jul 2012 / 21:26 Uhr
FIFA-Präsident Blatter
FIFA-Präsident Blatter

Nach den publik gewordenen Schmiergeldzahlungen an die ehemaligen brasilianischen FIFA-Funktionäre Joao Havelange und Ricardo Teixeira werden von FIFA-Präsident Sepp Blatter nun Erklärungen erwartet.

10 Meldungen im Zusammenhang
Der französische Parlamentarier und Europarat-Abgeordnete François Rochebloine verlangt vom 76-jährigen Walliser klare Antworten: «Wann hatte Blatter von diesen Zahlungen erfahren? Warum hat die FIFA diese stillschweigend akzeptiert und dagegen nichts unternommen? Welche Schritte will die FIFA nun unternehmen, damit dies nie mehr passiert?» Und der frühere DFB-Präsident und das heutige FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger fordert Konsequenzen für den Ehrenpräsidenten Havelange, der von 1974 bis 1998 den Weltverband geführt hatte. Blatter hatte am Donnerstag verlauten lassen, dass es nicht in seiner Kompetenz liege, den 96-Jährigen zur Rechenschaft zu ziehen. Nur der Kongress könne entscheiden, was mit Havelange zu geschehen habe.

Präsident Reinhard Rauball von der Deutschen Fussball Liga (DFL) fordert Blatter direkt zum Rücktritt auf. «Nach dem derzeitigen Stand sollte Sepp Blatter seine Amtsgeschäfte schnellstmöglich in andere Hände geben. Für einen Reformprozess braucht die FIFA jemanden, der gewillt ist, einen Neuanfang zu machen. Es ist immer schwierig, jemanden einzubinden, der selbst Teil der Umstände ist, die einen Reformprozess erst erforderlich gemacht haben», sagte Rauball der Tageszeitung «Die Welt».

Die am Mittwoch veröffentlichte Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug dokumentiert, dass Blatter als FIFA-Generalsekretär (1981 bis 1998) und später als Präsident über die Zahlungen informiert gewesen war. Laut Gerichtsakten sollen von der 2001 Konkurs gegangenen Zuger Vermarktungsagentur ISL zwischen 1989 und 2001 insgesamt 160 Millionen Franken an die FIFA geflossen sein. Blatters Vorgänger Havelange erhielt davon 1,5 Millionen Franken, der langjährige Präsident des brasilianischen Verbandes und FIFA-Exekutivmitglied Teixeira 12,7 Millionen Franken. «Dies ist ein schockierender Skandal im Herzen der Fussball-Welt», so Rochebloine. «Dies ist eine Beleidigung für den Fussball und seine Legionen von loyalen Fans weltweit.»

Blatter hatte am Donnerstag laut FIFA-Homepage zugegeben, dass er von den Zahlungen gewusst hatte, diese aber verharmlost, da zum damaligen Zeitpunkt diese im Gegensatz zu heute nicht strafbar gewesen seien. «Solche Zahlungen konnten sogar als Geschäftsausgaben von den Steuern abgezogen werden», so Blatter. Zu seiner Verteidigung liess der Walliser auch verlauten, dass aufgrund der Ereignisse im «Fall ISL» 2006 auf seine Initiative die FIFA-Ethikkommission gegründet worden ist. Zudem zielten die derzeitigen Reformbemühungen innerhalb des Weltverbandes in dieselbe Richtung. Im letzten Jahr wurde von der FIFA eine unabhängige Steuerungskommission (ICG) eingesetzt, die vom Schweizer Strafrechtsprofessor Mark Pieth geleitet wird.

Für viele Kritiker sind die jüngsten Entwicklungen ein weiterer Beweis dafür, dass Korruption, Bestechung und Schmiergeldzahlungen bei hochrangigen FIFA-Funktionären an der Tagesordnung sind. Zuletzt war es vor gut einem Jahr vor der FIFA-Präsidentschaftswahl zu Diskussionen um mögliche Bestechungszahlungen im Vorfeld der WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) im Dezember 2010 in Zürich gekommen. Blatters Gegner im Kampf um das Amt des Präsidenten, Mohamed bin Hammam (Katar), war kurz vor der Wiederwahl Blatters (bis 2015) am 1. Juni 2011 zusammen mit dem Vizepräsidenten Jack Warner wegen Bestechungsvorwürfen suspendiert worden.

(alb/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese fussball.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die FIFA hat gegen ein Exekutivkomitee-Mitglied Sanktionen ergriffen. mehr lesen
Die FIFA sperrt Vernon Manilal Fernando aus Sri Lanka.
Der «Kaiser» (Bild) ist ein geeigneter Nachfolger für Sepp Blatter.
Der argentinische Weltmeister-Trainer von 1978, Cesar Luis Menotti, hält Franz Beckenbauer für den geeigneten Nachfolger des ... mehr lesen
Die Ethikkommission der FIFA hat wie erwartet ein Verfahren gegen den früheren Präsidentschaftskandidaten ... mehr lesen
Mohamed bin Hammam wurde er von der FIFA-Ethikkommission provisorisch für 90 Tage gesperrt.
Der ehemalige FIFA-Präsidentschaftskandidat Mohamed Bin Hammam (Katar) erwägt einen Rückzug aus dem Fussball-Geschäft. Der 63-Jährige, dessen weltweite Sperre vom Internationalen Sportgericht aus «Mangel an Beweisen» aufgehoben worden ist, will sich nicht mehr mit den ständigen Querelen in Verbänden und mit Funktionären auseinandersetzen müssen. mehr lesen 
Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Nach Reinhard Rauball hat auch Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Der Bayern-Präsident Uli Hoeness ist von einem baldigen Ende der Amtszeit von Sepp Blatter als FIFA-Präsident überzeugt. mehr lesen
Ein Neuanfang bei der FIFA sei nur ohne den 76 Jahre alten Blatter möglich.
Der frühere FIFA-Präsident Joâo Havelange und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Teixeira haben über mehrere Jahre ... mehr lesen 1
Joao Havelange
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Das schwedische Sturmtalent Alex Isak wechselt zum BVB.
Das schwedische Sturmtalent Alex Isak wechselt zum BVB.
Hoffnung für die Zukunft  Der schwedische Nachwuchsstürmer Alexander Isak wechselt definitiv zu Borussia Dortmund. mehr lesen 
Neuer Vertrag bis Juni 2018  Der FC Bayern und Arjen Robben haben sich auf eine Vertragsverlängerung bis Juni 2018 geeinigt. mehr lesen  
Arjen Robben bleibt dem FC Bayern mindestens bis Juni 2018 treu.
Neuer Modus ab 2026  Das Fifa-Council hat entschieden: Die Weltmeisterschaft wird ab 2026 mit 48 Teilnehmern ausgetragen. mehr lesen  
Transfer im Sommer  Zwischen Ricardo Rodriguez und Inter Mailand soll alles klar sein, wenn es nach italienischen Medien geht: Die Nerazzurri bezahlen demnach im Sommer die Ausstiegsklausel für den Nati-Verteidiger. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
Lyon siegte verdient.
Frauenfussball Wolfsburgs Frauen verpassen den Sieg Die Frauen-Equipe des VfL Wolfsburg mit den drei ...
 
Fussball Videos
FIFA World Football Museum  Das FIFA World Football Museum direkt beim ...  
Neue Zeitrechnung für den Nati-Star  Granit Xhaka (23) wechselt zu Arsenal London in die ...  
Drei Mal in Folge «Europa League»-Sieger  Der FC Sevilla gewinnt zum dritten Mal in Folge ...  
Grosse Ehre für «King Claudio»  Wenig überraschend heisst der Trainer des Jahres ...  
Mehr Fussball Videos
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich -7°C -4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel -7°C -3°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Nebel
St. Gallen -9°C -6°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Bern -8°C -4°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebel
Luzern -6°C -3°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Nebel
Genf -5°C 0°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebel
Lugano -1°C 6°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten