EM-Analyse durch Ottmar Hitzfeld
publiziert: Montag, 30. Jun 2008 / 19:34 Uhr

Für den neuen Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld kam Spaniens Siegeszug an der EURO 2008 keineswegs überraschend: «Die Spanier zeigten phasenweise gar den besten Fussball seit vielen Jahren!»

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Am Dienstag tritt Hitzfeld seinen neuen Job als Nachfolger von Köbi Kuhn an.
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Am Dienstag tritt Hitzfeld beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) seinen neuen Job als Nachfolger des zurückgetretenen Erfolgstrainers Köbi Kuhn an. Vor seinem ersten Arbeitstag weilte der Lörracher noch für Sponsoraktivitäten in Wien, wo am Sonntag der EM-Final zwischen Spanien und seinem Heimatland Deutschland stattfand.

Ab sofort richtet er nun aber seinen Blick auf das erste Testspiel im August in Genf gegen Zypern und die ersten WM-Ausscheidungsspiele im September gegen Israel und Luxemburg.

Ottmar Hitzfeld, am Sonntagabend ging die EURO 2008 mit der Finalniederlage Deutschlands zu Ende. War es ein verdienter Erfolg der Spanier über Ihr Heimatland?

Ottmar Hitzfeld: «Spanien ist ein verdienter Europameister. Es war das beste Team und spielte den schönsten Fussball während dem ganzen Turnier. Für mich war es kein Zufall, dass die Spanier alle Spiele gewannen. Sie spielen einen technisch perfekten Fussball. Phasenweise sah man von ihnen gar den besten Fussball seit vielen Jahren. Trainer Luis Aragones verfügte über die klar beste Offensive. Sein Team war deshalb so gut, weil es sehr ausgeglichen besetzt ist und über die beste Ersatzbank verfügte. Man stelle sich vor: Da fällt der EM-Topskorer David Villa aus und herein kommt mit Cesc Fabregas ein Premier-League-Stammspieler. Oder Torres, der Finaltorschütze geht raus und eingewechselt wird mit Güiza, der Torschützenkönig der Primera Division. Das sagt doch alles aus.»

Haben Sie von Deutschland nicht mehr erwartet im Final?

«Nein, mit dem zweiten Platz hat Deutschland das absolute Maximum erreicht. Diese EM war wieder einmal typisch für die Deutschen: Sie gewannen Spiele, in denen sie schlechter waren als der Gegner. Es war eine insgesamt durchzogene EM von Deutschland, aber mehr war für dieses Team nicht möglich.»

Und generell gesehen. Haben Sie neue Tendenzen ausmachen können?

«Es war ein gutes Turnier mit sehr guten Teams, die auch sehr guten Fussball boten. Dabei möchte ich Spanien, Holland, Portugal und die Russen hervorheben. Diese Mannschaften zeigten tempostarken, technisch hochstehenden und variantenreichen Fussball. Mir gefiel vor allem, dass die technisch starken Spieler so dominierend auftreten konnten. Ich denke, der Fussball der Zukunft wird von solchen Spielern geprägt. Technisch perfekt, mit einer hohen Grundschnelligkeit versehen, können diese Spiele mit ihren Impulsen in die richtigen Bahnen lenken.»

Geht der Trend zum Ein-Mann-Sturm, wie bei vielen Mannschaften gesehen?

«Die Taktik mit nur einem Stürmer könnte möglicherweise zum System der Zukunft werden. Dann hängt aber sehr viel von der Besetzung des Mittelfeldes ab. Es braucht dann mehr Spieler, die aus dem Mittelfeld vorstossen und Druck machen können. Das war typisch bei den Spaniern. Da stiess immer wieder ein anderer in die Tiefe. Dieses variantenreiche, unberechenbare Spiel war die Stärke des neuen Europameisters, der vom Trainer bestens auf das Turnier vorbereitet worden ist. Endlich konnte diese Mannschaft ihre Stärken an einem grossen Turnier ausspielen.»

(Von René Baumann/Si)

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