EM-Countdown beginnt mit WM-Verarbeitung
publiziert: Mittwoch, 16. Aug 2006 / 00:02 Uhr

Rund sieben Wochen nach dem letzten WM-Spiel gegen die Ukraine beginnt heute in Vaduz der Schweizer EM-Countdown mit dem Testländerspiel gegen Nachbar Liechtenstein.

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Das Training scheint ja lustig zu sein.
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Das Spiel ist gleichzeitig der letzte Teil der WM-Verarbeitung.

Der Schweizer Nationalcoach Köbi Kuhn hat für das erste Länderspiel nach der WM bewusst nur jene Akteure aufgeboten, die auch an der WM dabei waren. Er wollte die drei Tage in Bad Ragaz und Vaduz nutzen, um die WM mit der Mannschaft zu verarbeiten und endgültig abzuschliessen.

Kuhn: «Wir haben uns nach dem dramatischen Out im Penaltyschiessen kaum mehr gesehen. Am anderen Tag verschwanden alle in verschiedene Himmelsrichtungen. Es gab aber doch verschiedene Themen, die ich unbedingt mit dem Kader durcharbeiten wollte.»

Vorbereitung, körperliche Belastung, medizinische Betreuung und Ernährung waren Bereiche, die am Montag und Dienstag im Bad Ragazer «Grand Hotel Hof» besprochen wurden. Weil mit den verletzten Philippe Senderos, Raphaël Wicky, Valon Behrami, Hakan Yakin und David Degen aber fünf Akteure bei den Diskussionen nicht dabei waren, wird Kuhn die wichtigsten Themen wohl auf später verschoben haben.

U21 verstärken

Heute Abend tritt Kuhn im seit Wochen ausverkauften Rheinparkstadion (4700 Zuschauer) in Vaduz nochmals mit jenen Spielern an, die auch die vier WM-Partien in Deutschland bestritten. Danach wird es einschneidende Änderungen geben. Nicht, weil Kuhn sein Team im Hinblick auf die EM in zwei Jahren neu zusammenstellen will, sondern weil im Herbst ein Hauptaugenmerk auf die Schweizer U21-Auswahl gerichtet wird.

Das Team von Trainer Bernard Challandes bestreitet am 1. September in Tiraspol gegen Moldawien und am 6. September in Luzern gegen England die Qualifikation zur EM-Endrunde 2007 in Holland. Gleichzeitig spielt die Schweizer Nationalmannschaft im Rahmen ihres Vierländerturniers in Basel und Genf gegen Venezuela und Costa Rica.

«Alle Spieler aus dem A-Team, die vom Alter her noch in der U21-Mannschaft eingesetzt werden können, bestreiten diese beiden Qualifikationsspiele», kündigte Kuhn gestern an. Aus dem WM-Kader betrifft das Tranquillo Barnetta, Valon Behrami, Johan Djourou, Blerim Dzemaili und den momentan verletzten Philippe Senderos.

Auch der unmittelbar vor der WM verletzt ausgefallene Johan Vonlanthen kann altershalber noch in der U21 mittun. «Es ist klar, dass wir die besten Spieler abtreten, damit die schwierige Qualifikation erfolgreich überstanden wird», sagt Kuhn.

Sollte die U21-Mannschaft die Qualifikation (nur zwei Spiele!) als Gruppensieger abschliessen, bestreitet sie am 7./8. und 10./11. Oktober zwei Entscheidungsspiele gegen einen anderen Gruppensieger. Nur die sieben Barrage-Sieger und Gastgeber Holland sind für die EM-Endrunde im nächsten Sommer qualifiziert.

Kuhn würde seine Spieler auch für die Barrage-Spiele abtreten. Das würde bedeuten, dass auch das nächste Länderspiel der A-Mannschaft am 11. Oktober in Innsbruck gegen Österreich von dieser Massnahme betroffen wäre. «Unser Kader wird deshalb für die nächsten Testspiele um neue Namen erweitert», sagte Kuhn, ohne Kandidaten zu nennen.

Vier Jubilare

In Vaduz werden aber nochmals die bekannten Spieler zu sehen sein. Captain Johann Vogel wird sein 90., Alex Frei sein 50., Daniel Gygax sein 25. und Philipp Degen sein 20. Länderspiel bestreiten. Gegenüber dem Ukraine-Spiel sind zwei Änderungen nötig, weil Wicky und Yakin fehlen.

Für den HSV-Söldner könnte Ludovic Magnin aus der Abwehr vorrücken und damit hinten links Platz für Christoph Spycher machen. Daniel Gygax könnte die Position von Yakin hinter der einzigen Sturmspitze Frei einnehmen.

Möglich ist aber auch ein Wechsel von Barnetta von der rechten auf die linke Aussenseite im Mittelfeld. Gygax könnte rechts spielen und Marco Streller als zweiter Stürmer agieren. Ziel gegen die Liechtensteiner wird es sein, die bis anhin makellose Länderspiel-Bilanz (3 Spiele, 3 Siege, 0 Gegentore) nicht zu trüben.

Das wird aber nicht einfach sein, wie schon der letzte Vergleich vor etwas mehr als zwei Jahren im Hardturm gezeigt hatte, als der 1:0-Siegestreffer durch Daniel Gygax im letzten EM-Testspiel erst in den allerletzten Sekunden gefallen war.

«Liechtenstein hat in der letzten WM-Qualifikation ausserordentliche Resultate erzielt. Ich erinnere an das 2:2 gegen Portugal oder an die engen Spiele gegen Russland. Was sogenannt kleine Gegner zu leisten im Stande sind, haben wir selber ja gegen Italien oder Frankreich gezeigt», warnte Kuhn vor einer Geringschätzung des Gegners.

Hauptprobe für Liechtenstein

Für das Team von Martin Andermatt stellt die Partie gegen die Schweiz die Hauptprobe für den überaus schweren EM-Qualifikationsstart dar. Am 2. September folgt das Auswärtsspiel in Spanien und am 6. September steht die Partie gegen Schweden in Göteborg an. Die weiteren Gegner auf dem Weg zur EM in den beiden Nachbarländern Österreich und Schweiz sind Dänemark, Nordirland, Lettland und Island.

Testländerspiel Liechtenstein - Schweiz in Vaduz (20.15 Uhr). Die voraussichtlichen Startformationen:

Liechtenstein: Jehle; Telser, Hasler, Ritter, Ritzberger; Roger Beck, Martin Stocklasa, Büchel, Burgmeier; Thomas Beck, Mario Frick.

Schweiz: Zuberbühler; Philipp Degen, Djourou, Müller, Magnin; Gygax, Vogel, Cabanas, Barnetta; Streller, Frei.

SR Brugger (Ö).

(René Baumann/Si)

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