Ein weiterer Schritt nach vorne
publiziert: Sonntag, 14. Okt 2012 / 17:15 Uhr
Heute hatten beim Training alle gute Laune: Spieler, Trainer und Zuschauer.
Heute hatten beim Training alle gute Laune: Spieler, Trainer und Zuschauer.

Gegen Norwegen gab die Schweiz erstmals in der WM-Qualifikation Punkte ab, doch der Auftritt war über weite Strecken sehr gut. Vor der Partie am Dienstag auf Island bleibt trotz leicht enttäuschendem Resultat festzuhalten: Das Team macht Spiel für Spiel Fortschritte.

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Steve von Bergen humpelte am Samstag wie ein angeschlagener Krieger durch die Lobby des Schweizer Teamhotels in Feusisberg. Die Erinnerungen an den intensiven und harten Fight vom Freitag gegen Norwegen waren nicht zu übersehen. Von Bergen konnte kaum aufrecht gehen. Sonst gab es keinen Grund, nicht erhobenen Hauptes durch die Halle zu laufen. Die Gäste einer Hochzeitsgesellschaft gratulierten den Schweizern zum Punktgewinn gegen Norwegen und bedankten sich für das gebotene Spektakel.

Am Wochenende überstrahlte auch bei den Spielern die Freude über die eigene Darbietung den Ärger über den in der Schlussphase verpassten Sieg. «In der ersten Halbzeit war es spielerisch eine der besten Leistungen seit Jahren», sagte Diego Benaglio. Der Torhüter sprach davon, «einen Schritt nach vorne» getan zu haben und davon, dass die Mannschaft «auf einem guten Weg» sei. «Es ist eine positive Erfahrung, zu wissen, dass wir gegen einen kampfstarken Gegner bestehen und dominieren können.»

Schweres Spiel auf Island

Auf Island erwartet die Schweizer am Dienstag ein ähnlich robuster Gegner. Die Nordeuropäer haben wohl nicht das Niveau der Norweger, dafür sind sie nach dem Sieg vom Freitag in Albanien mit bestmöglichem Selbstvertrauen ausgestattet. Im offenen und windigen Stadion in Reykjavik zu gewinnen, fällt gewöhnlich keinem Team leicht. «In Island können auch die äusseren Bedingungen schwierig sein. Das wird nicht einfacher als gegen Norwegen», warnt Benaglio und erwähnt die spielerischen Qualitäten der Isländer. «Einige Spieler haben vor anderthalb Jahren an der U21-EM gespielt. Das spricht für dieses Team.» Damals unterlag Island der Schweizer U21-Auswahl in der Vorrunde bloss 0:1, nachdem sie in der Qualifikation Deutschland ausgeschaltet hatte.

Dass die Schweiz nach drei von zehn Spielen in der WM-Qualifikation ungeschlagen ist und am Sonntag als Leader zum zweitklassierten Island reiste, verdankt sie zu einem guten Teil auch ihrem Torhüter. Benaglio war immer ein guter Nationalgoalie, in den letzten Wochen aber war aus dem guten SFV-Keeper ein überragender Schlussmann geworden. Fehler hat er kaum je begangen, doch in dieser Startphase der WM-Ausscheidung rettete er seinem Team auch die Resultate.

Benaglio als sicherer Rückhalt

So war es beim 2:0 in Slowenien, als Benaglio vor der Pause bei zwei Konterangriffen die Führung mirakulös verteidigte. So war es auch am Freitag gegen Norwegen, als er sein Team Mitte der ersten Halbzeit mit drei Paraden innerhalb von zwei Minuten vor einem Rückstand bewahrte und in der Schlussphase mit zwei spektakulären Interventionen die Niederlage verhinderte.

Wenn von Fans über die Medien bis hin zum Trainer und den Spielern alle mit dem Auftritt zufrieden waren, enden die positiven Eindrücke zwingend nicht beim Torhüter. In den Vordergrund spielten sich am Freitag zum Beispiel Stephan Lichtsteiner sowie das Napoli-Mittelfeld-Duo Gökhan Inler und Valon Behrami. Lichtsteiner lief ungemein viel und machte auf der rechten Seite unheimlichen Druck. Der Innerschweizer hat sich seit seinem Wechsel vor einem Jahr zu Juventus Turin zu einem Aussenverteidiger von hohem internationalen Niveau entwickelt.

Licht und Schatten

Gleiches gilt es über Inler und Behrami zu sagen. Auch wenn sie im wilden Auf und Ab gegen Norwegen nicht so dominant auftreten konnten wie in den beiden Spielen gegen die unterlegenen Slowenen und Albaner, war trotzdem beachtlich, wie sie es immer wieder schafften, dem Schweizer Spiel Konturen und Tiefe zu verleihen. Wie gut die beiden waren, zeigt ein Blick auf die norwegische Mannschaft. Dort musste sich der hochgelobte Gladbacher Havard Nordtveit in ähnlicher Position darauf beschränken, die Kreise seines Klubkollegen Granit Xhaka einzuengen.

Der Schweizer Eindruck am Freitag war durchaus positiv. Doch es gibt unter der glänzenden Oberfläche auch weniger erfreuliche Erkenntnisse. So gelang Eren Derdiyok und Ricardo Rodriguez nach schweren Wochen bei ihren Klubs in der Bundesliga der Befreiungsschlag im Nationalteam nicht. Stürmer Derdiyok blieb auch im dritten Qualifikationsspiel ohne nennenswerte Torchance. Zwar verdiente sich der Hoffenheimer dank seinem Einsatz und der Arbeit für die nachrückenden Teamkollegen durchaus ein Lob, doch auf die Länge reicht das nicht. Ein Stürmer darf nicht bloss an Toren gemessen werden, aber irgendwann wird Derdiyok auch wieder treffen müssen, will er den Platz im Team behaupten.

Gavranovic Ersatz für Derdiyok

Vor diesem Hintergrund handelte sich der 24-jährige Basler im denkbar ungünstigsten Moment eine Gelb-Sperre ein. Sollte sein mutmasslicher Ersatz Mario Gavranovic, der Torschütze gegen Norwegen, auch in Island erfolgreich sein, wird Hitzfeld nicht darum herumkommen, die Hierarchie im Sturm zu überdenken. Was Derdiyok so schwer fällt, gelingt Gavranovic derzeit spielend leicht. Er hat seit der Rückkehr im Sommer in die Schweiz zum FCZ in zwei (Teil-)Einsätzen mit dem Nationalteam und in bloss 65 Minuten drei Tore erzielt.

Auf der Kippe könnte auch Rodriguez stehen, der zwar in Wolfsburg (noch) Stammspieler ist, seit Saisonbeginn aber nicht in Form kommt. Auch gegen Norwegen war er nicht gut: Gegen vorne brachte er wenig, hinten hatte er mit dem Tempo Mühe und in der Schlussphase unterliefen ihm zwei haarsträubende Ballverluste, die gravierende Folgen hätten zeitigen können. Hinter Rodriguez wartet mit Reto Ziegler ein nahezu gleichwertiger Ersatz auf einen Einsatz. Auf Island könnte Hitzfeld Rodriguez nochmals eine Chance geben. Die wird der 20-jährige Zürcher nützen müssen.ckenden Teamkollegen durchaus ein Lob, doch auf die L

(fest/Si)

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