Ernüchterung bei Titelanwärter Deutschland
publiziert: Dienstag, 27. Mai 2008 / 19:48 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 27. Mai 2008 / 23:30 Uhr

EM-Titelanwärter Deutschland hat zwölf Tage vor Turnierbeginn das erhoffte Erfolgserlebnis verpasst. Gegen Aussenseiter Weissrussland erreichte das Team von Joachim Löw in Kaiserslautern nur ein ernüchterndes 2:2.

Ein Patzer von Jens Lehmann ermöglichte den Weissrussen das Tor zum 2:2-Ausgleich.
Ein Patzer von Jens Lehmann ermöglichte den Weissrussen das Tor zum 2:2-Ausgleich.
Am Abend vor Löws Nennung des definitiven EM-Kaders zeigten sich nicht alle deutschen Spieler in Bestverfassung. Das harte Training im Camp auf Mallorca hatte deutliche Spuren hinterlassen. Vor allem die linke Abwehrseite, aber auch Goalie Jens Lehmann zeigten ungewohnte Schwächen. So musste der Arsenal-Goalie nach 681 Länderspiel-Minuten durch Witali Bulyga (61.) erstmals wieder ein Gegentor einstecken.

Dass Bulyga in der 88. Minute gar noch der Ausgleich für das harmlose weissrussische Team von Ex-DDR-Trainer Bernd Stange gelang, zeigte auf, dass die Deutschen in den verbleibenden zwei Wochen noch einige Arbeit vor sich haben.

Miroslav Klose hatte Deutschland im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion schon nach zehn Minuten in Führung geschossen. Der Bayern-Stürmer war jedoch aus einer Abseitsposition gestartet, ehe er den gegnerischen Goalie schön ausspielte und aus spitzem Winkel einschiessen konnte. Als Wladimir Korytko die Deutschen nach 20 Minuten mit einem völlig unnötigen Eigentor 2:0 in Front schoss, hatten wohl alle mit einem Kantersieg gerechnet.

«Es war schon etwas enttäuschend, dass wir die Führung noch aus der Hand gegeben haben. Man hat deutlich gemerkt, dass nach dem harten Training die Kraft gefehlt hat. In zwölf Tagen werden alle Spieler in deutlich besserer Form sein, das kann ich versprechen», meinte Löw und erklärte mit Blick auf die anstehenden Personalentscheidungen: «Natürlich gibt es Gedankenspiele. Die Entscheidung wird uns schwer fallen. Wir werden uns auf Mallorca noch mal in Ruhe zusammensetzen und alles zusammentragen. Wir haben 26 gute Spieler. Bei denen, die nach Hause müssen, liegt es nicht an der Qualität.»

Das deutsche Team flog kurz nach Spielschluss wieder zurück auf die spanische Ferieninsel. Löw wollte die drei Streichkandidaten in Ruhe über seine Entscheidung informieren und übereilte Aktionen in Kaiserslautern vermeiden. Im letzten EM-Test am Samstag in Gelsenkirchen gegen Serbien ist nur noch das definitive EM-Kader dabei.

Schweinsteiger verletzt

Entwarnung gab es nach Spielschluss bei Bastian Schweinsteiger: Der Mittelfeldspieler von Meister Bayern zog sich bei einem harten Foul in der 15. Minute eine Knöchelverletzung zu. Erste Untersuchungen ergaben, dass er keinen Bänderriss erlitten hat. Wie Tranquillo Barnetta wird er jedoch mit einer rund zehntägigen Trainingspause rechnen müssen.

Koller-Doppelpack für Tschechien

Jan Koller hat dem Schweizer EM-Startgegner Tschechien im zweitletzten Härtetest mit einem Doppelpack einen 2:0-Sieg über Litauen beschert. Der tschechische Rekord-Torschütze erzielte im neuen Stadion von Slavia Prag seine Länderspiel-Treffer Nummer 53 und 54.

Nationaltrainer Karel Brückner liess seine Mannschaft grösstenteils in Bestbesetzung antreten. Die Litauer stellten den idealen Sparringpartner ab, um letzte taktische Varianten und verschiedene Spielschemen zu testen. Nach einer nahezu ereignislosen ersten Halbzeit und dem Kopfball-Führungstor von Koller, steigerten sich die Tschechen nach der Pause und der Einwechslung von Tomas Galasek für den schwachen Jan Polak markant.

Nach Vorlage des tschechischen Torschützenkönigs Vaclav Sverkos traf Koller in der 62. Minute zum zweiten Mal und liess damit mehrere peinliche Aussetzer des tschechischen Verbandes vor dem Spiel vergessen machen. Eine Stunde vor Spielbeginn musste die Verteilung des offiziellen Programmheftes gestoppt werden, weil darauf nicht die litauische, sondern die lettische Flagge und ein Foto der lettischen Auswahl abgebildet sowie Riga als Hauptstadt Litauens bezeichnet waren. Damit nicht genug, wurde vor dem Anpfiff im neuen Prager Eden-Stadion auch noch die lettische Hymne intoniert.

Die Nationalspieler Litauens reagierten darauf teils ungehalten, stemmten die Arme in die Hüften, schüttelten den Kopf und unterhielten sich während des Abspielens der falschen Hymne laut.

Die Tschechen bestreiten am Freitag noch ein Länderspiel gegen Schottland in Prag, bevor am 2. Juni die Anreise ins EM-Quartier nach Seefeld ansteht.

Polen schlug Albanien

Polen konnte zwölf Tage vor seinem ersten Gruppenspiel gegen Deutschland ein Erfolgserlebnis feiern. Das Team von Leo Beenhakker gewann in Reutlingen (De) gegen Albanien 1:0 (1:0) und zeigte dabei eine ansprechende Leistung.

Captain Maciej Zurawski stellte die Weichen bereits nach drei Minuten auf Sieg. In der Folge überzeugte Polen vor 2900 Zuschauern mit konzentrierter Defensivarbeit und gefälligem Offensivspiel. In der Chancenverwertung hat der EM-Debütant aber noch viel Luft nach oben. Anders als noch beim 1:1 der B-Elf gegen Mazedonien 24 Stunden zuvor vertraute Beenhakker gegen Albanien weitgehend auf seine Stammkräfte.

Nur Torwart Artur Boruc und Starstürmer Ebi Smolarek wurden zunächst geschont. Dagegen feierte der erst Mitte April eingebürgerte Brasilianer Roger Guerreiro sein mit Spannung erwartetes Debüt. Der 26-Jährige überzeugte jedoch nicht: Er vergab eine grosse Chance und wurde für Smolarek ausgewechselt (46.).

Remis für Österreich

Österreich trennte sich im vorletzten Testspiel von Nigeria 1:1 (1:1). Die Tore in einem mässigen Spiel vor 15 000 Zuschauern in Graz erzielten Roman Kienast (12.) und Kalu Uche (19.) bereits vor der Pause. Am Freitag treffen die Österreicher ebenfalls in Graz noch auf Malta.

Traum-Debüt für Gomis

Frankreich hat den ersten von drei Härtetests bestanden. Der WM-Zweite bezwang Ecuador in Grenoble durch zwei Tore von Debütant Bafitimbi Gomis (59./86.) mit 2:0. Vor dem Start in die EM-«Todesgruppe» am 9. Juni gegen Rumänien testen die Franzosen noch gegen Paraguay (31. Mai) und Kolumbien (3. Juni).

Nationalcoach Raymond Domenech, der auf den Einsatz von Bayern-Star Franck Ribéry verzichtete, sah insbesonders in der ersten Hälfte einige Probleme seines Teams, den Gästen ihr Spiel aufzuzwingen. «Joker» Gomis (St. Etienne) sorgte 13 Minuten nach seiner Einwechslung für das 1:0 und schlug vier Minuten vor dem Abpfiff erneut zu.

Deutschland - Weissrussland 2:2 (2:0)
Fritz-Walter-Stadion, Kaiserslautern. -- 47 258 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Ceferin (Sln). -- Tore: 10. Klose 1:0. 20. Korytko (Eigentor) 2:0. 61. Bulyga 2:1. 88. Bulyga 2:2.

Deutschland: Lehmann; Lahm, Mertesacker, Metzelder, Hitzlsperger; Odonkor (79. Fritz), Ballack (46. Jones), Frings (67. Trochowski), Schweinsteiger (46. Marin); Klose (54. Neuville), Podolski (54. Helmes).

Tschechien - Litauen 2:0 (1:0)
Eden, Prag. -- 14 220 Zuschauer. -- SR Hrinak (Slk). -- Tore: 39. Koller 1:0. 62. Koller 2:0. Tschechien: Cech; Grygera, Ujfalusi (74. Kovac), Rozehnal, Jankulovski (64. Kadlec); Vlcek, Jarolim (83. Matejovski), Polak (46. Galasek), Plasil (79. Skacel); Koller, Baros (46. Sverkos).

Polen - Albanien 1:0 (1:0)
Reutlingen. -- 2900 Zuschauer. -- SR Kircher (De). -- Tor: 3. Zurawski 1:0. Polen: Fabianski; Wasilewski, Zewlakow (9. Kokoszka), Bak, Wawrzyniak; Lobodzinski (80. Saganowski), Dudka (80. Pazdan), Lewandowski, Krzynowek (80. Murawski); Roger (46. Smolarek); Zurawski (61. Zahorski)

Österreich - Nigeria 1:1 (1:1)
UPC-Arena, Graz. -- 15 000 Zuschauer. -- SR Gumienny (Be). -- Tore: 12. Kienast 1:0. 19. Uche 1:1.

Frankreich - Ecuador 2:0 (0:0)

Stade des Alpes, Grenoble. -- 20 000 Zuschauer. -- SR Allaerts (Be). -- Tore: 59. Gomis 1:0. 86. Gomis 2:0.

Frankreich: Frey (46. Mandanda); Sagnol (74. Clerc), Thuram, Escudé (46. Evra), Abidal; Nasri, A. Diarra (46. Flamini), L. Diarra, Ben Arfa (78. Malouda); Anelka, Cissé (46. Gomis).

Österreich: Macho; Prödl, Stranzl, Pogatetz; Standfest, Aufhauser, Ivanschitz (70. Vastic), Säumel, Fuchs (60. Korkmaz); Kienast (46. Hoffer), Linz (80. Leitgeb).

(fest/Si)

 
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