Unter 18 Jahren keine internationalen Transfers
FIFA-Exekutive heisst neues Transfer-System gut
publiziert: Freitag, 6. Jul 2001 / 11:39 Uhr

Bern - Das Exekutiv-Komitee des internationalen Fussball- Verbandes (FIFA) hat das neue Transfersystem gebilligt, das unter anderem ein Verbot internationaler Transfers für Spieler unter 18 Jahre vorsieht.

Die Reform sei einstimmig gutgeheissen worden, sagte FIFA-Präsident Joseph Blatter nach einer sechsstündigen Sitzung in Buenos Aires. Hauptziel der Revision sei, die Jugend zu schützen. Es gilt als sicher, dass das neue Reglement am Samstag vom FIFA-Kongress verabschiedet wird.

Laut Blatter wird das neue System zwei Wochen nach Notifizierung aller Nationalverbände, «spätestens aber am 1. September» in Kraft treten. «Wir hoffen aber, dass es schon Anfang oder Mitte August so weit sein wird», sagte er. Am Samstag muss der FIFA-Kongress in Buenos Aires noch den Artikel 63 des Verbandstatuts ändern, damit das neue FIFA-Schiedsgericht gegründet werden kann, das in Transfer- Streitfällen schlichtend eingreifen soll.

Das neue Transfer-Reglement war im März von der FIFA und der UEFA zusammen mit den Kommissaren der Europäischen Union beschlossen worden. Es sieht unter anderem auch vor, dass für Spieler bis 23 Jahre ein System zur Berechnung von Trainings- und Ausbildungsentschädigungen entwickelt wird, von dem vor allem kleinere, finanzschwache Klubs profitieren sollen.

Der Kernpunkt des neuen Systems ist aber, dass Verträge mit Spielern bis 28 Jahre drei Jahre geschützt sind und nicht einseitig gekündigt werden dürfen. Bei Spielern über 28 Jahren sind die Verträge zwei Jahre geschützt. Die Spieler werden ausserdem pro Saison grundsätzlich nur einmal wechseln dürfen. Es können Verträge mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren abgeschlossen werden.

Für Vertragsbrüche wird es einen Strafenkatalog geben, unter anderem auch für die eventuell daran beteiligten Spielervermittler. Sollte ein Spieler etwa während der «geschützten Zeit» kündigen und zu einem anderen Klub wechseln, kann er bis zu vier Monate, im Wiederholungsfall bis zu sechs Monate gesperrt werden. Bei Vertragsstreitigkeiten soll das unabhängige Schiedsgericht, in dem Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch vertreten sind, schnell entscheiden können. Die Konsultation des Schiedsgerichts ist freiwillig und verhindert nicht, dass nationale Gerichte eingeschaltet werden können.

Die Transferreform wird schon 20 Tage nach der Verabschiedung auf dem juristischen Prüfstand stehen: Dann nämlich wird die Klage der internationalen Spielergewerkschaft FIFPRO gegen das neue Reglement vor einem Gericht in Brüssel verhandelt. Für die FIFPRO, die das einseitige Kündigungsrecht der Spieler zu jeder Zeit durchsetzen will, steht die Neuregelung laut Klageschrift im Widerspruch zu den «Menschenrechten» und den «grundlegenden Rechten der Arbeiter».

Die Kläger verlangen deshalb, dass das Gericht die Anwendung des Reglements weltweit oder zumindest für den EU-Raum untersagt und die FIFA verpflichtet wird, jede internationale Transferbescheinigung innerhalb von 24 Stunden auszustellen. Blatter zeigte sich jüngst von der FIFPRO-Klage unbeeindruckt: «Die Reform ist ausgearbeitet und wird verabschiedet. Davon gehe ich aus.»

Doping-Sünder werden automatisch gesperrt

Für Dopingsünder kennt die FIFA keine Gnade. Sie bestätigte die automatische internationale Sperre von Spielern, die der Einnahme unerlaubter leistungsfördernder Substanzen überführt und auf nationaler oder kontinentaler Ebene suspendiert werden. Die Entscheidung sei trotz heftiger Gegenwehr der aktuell betroffenen Verbände (Holland und Portugal) getroffen worden.

Die Holländer Frank de Boer und Edgar Davids sowie der Portugiese Fernando Couto, alle drei Leistungsträger ihrer jeweiligen Nationalteams, sind bekanntlich jüngst des Dopings überführt und von Verbänden oder Vereinen gesperrt worden waren. Dennoch sollten oder wollten sie bis auf weiteres weiter im Nationalteam spielen. De Boer kündigte nach der Entscheidung Berufung an: «Das ist ein harter Schlag. Aber ich werde bis zum bitteren Ende kämpfen, um meine Unschuld zu beweisen», erklärte der Holländer.

Weniger streng geht die FIFA mit den Protagonisten der jüngsten Passfälschungsskandale um. Die in Italien gesperrten Spieler, darunter Stars wie der brasilianische National-Goalie Dida, können während ihrer Sperre von den jeweiligen Nationalteams eingesetzt werden.

(sda)

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