Fussball: Swisscom Cup - Ungleiche Rollenverteilung vor dem CupfinalUnterschiedlicher könnte die Geschichte der beiden Kontrahenten im 79. Cupfinal am Ostermontag in Basel (15 Uhr) nicht sein. Rekordsieger Grasshoppers steht zum 31. Mal im Endspiel, für Gegner Wil stellt die Finalteilnahme dagegen eine Premiere dar.
(von René Baumann und Sascha Rhyner/Si)
So unterschiedlich wie die Vergangenheit war, so gegensätzlich scheint auch die Zukunft der beiden Finalisten. Der Cup stellt für den amtierenden Meister Grasshoppers die allerletzte Chance dar, sich nach einer verpfuschten Saison doch noch für den nächsten Europacup-Wettbewerb zu qualifizieren.
Wil dagegen kämpft an zwei Fronten um seine Zukunft in der höchsten Schweizer Spielklasse. Als aktuell Zweitletzter der Super League müssen sich die St. Galler immer mehr mit einer Barrage gegen den Zweiten der Challenge League auseinandersetzen.
Zudem dürfte auch der Kampf um die neue Lizenz nach einer chaotischen Saison mit fünf Trainerwechseln und dem Ringen um die Besitzanteile viel Energie benötigen.
Die Rollen sind klar verteilt: Hier der 18-fache Cupsieger und ehemalige Champions-League-Teilnehmer GC, dort der Final-Debütant Wil, dem höchstens eine kleine Aussenseiterchance eingeräumt wird. Auf der einen Seite ein Grossstadtklub mit einem Budget von 15 Millionen, auf der anderen Seite der Landverein mit rund 5 Millionen Umsatz.
Die Grasshoppers reisen am Montag mit elf Internationalen nach Basel, im Kader Wils steht kein Spieler mit Länderspiel-Erfahrung. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Vorgaben für das Endspiel: GC muss, Wil darf gewinnen.
GC-Trainer Alain Geiger, der als Trainer erstmals im Cupfinal steht, den Pokal als Spieler aber schon viermal in Händen gehalten hat, richtete seit Wochen alles auf dieses Endspiel aus.
Zuletzt bei der missglückten Hauptprobe am Mittwoch bei den Young Boys (0:1) hat er mit Ricardo Cabanas, Eduardo und Fernando Gamboa drei angeschlagene Spieler vorsichtshalber geschont, um für Montag die stärkstmögliche Formation nominieren zu können. Die Bänderverletzung von Mladen Petric machte ihm zuletzt aber doch noch einen Strich durch die Rechnung.
Wiler Verletzungssorgen geschwunden
Auch in Wil hat sich die personelle Situation entspannt. Im Training am Karfreitagmorgen absolvierten die zuletzt verletzten Stephan Balmer, Massimo Rizzo sowie der brasilianische Spielmacher Fabinho wieder eine Einheit mit dem Team.
«Ich habe zwar noch immer leichte Schmerzen, bin aber zuversichtlich, dass ich am Montag spielen kann», so der für das Spiel der Ostschweizer so wichtige Brasilianer. Und dank des Rekurses gegen die drei Spielsperren von Kristian Nushi nach dessen üblem Kopftritt gegen Marc Zellweger ist der Albaner ebenfalls einsetzbar.
250 000 Franken Siegesprämie
Für die Grasshoppers steht nicht nur die sportliche Zukunft auf dem Spiel. Einen wichtigen Aspekt stellen auch die Finanzen dar. Im Cup floss dank TV- (200 000 Franken) und Verbands-Prämien (200 000 Franken für den Sieger/100 000 für den Verlierer) sowie Zuschauer-Einnahmen (Achtelfinal gegen Basel, Halbfinal gegen FCZ und Finalanteil) eine zusätzliche Million in die Vereinskasse.
Davon würden 250 000 Franken an die Mannschaft ausbezahlt, wenn sie am Montag gewinnt. Weitere Einnahmen erhofft man sich aber durch die Qualifikation für den UEFA-Cup, in dem der Schweizer Cupsieger im August eine Ausscheidungsrunde zu überstehen hat.
Zwar wären zusätzliche Einnahmen auch auf dem Bergholz mehr als erwünscht, obwohl die Februar-Löhne sowie die Prämien vom Oktober und November mittlerweile überwiesen worden sind. So sieht Stephan Lehmann, der als Assistent oder gar Interimstrainer in Wil massgeblichen Anteil an der Finalqualifikation hat, den Auftritt in Basel nicht als Lohn.
«Der Lohn für meine Arbeit wäre der Ligaerhalt», so der vierfache Cupsieger mit Sion. Die Spieler Wils haben zwar eine festgeschriebene Prämie für die UEFA-Cup-Teilnahme, im Detail ausgehandelt ist die Verteilung der Gelder aber noch nicht. «Der Cupfinal ist für uns nur Dessert», sagte der U21-Internationale Philippe Montandon.
Die GC-Delegation verschiebt sich am Sonntag in den Raum Basel und absolviert am Sonntagvormittag ein Training im St.-Jakob-Park. Erst danach will Trainer Geiger die definitive Startformation bekanntgeben. Verzichten muss er ganz sicher auf Schwegler, Petric und den ebenfalls verletzten Luca Denicolà.
Zwei Wiler Siege gegen GC
Druck kennen die Wiler für diese Partie nicht -- im Gesatz zu den ausstehenden Spielen in der Super League. «Die Rolle des Aussenseiters liegt uns», sagte Müller. Die Ostschweizer reisten nach einem lockeren Training nach Sursee, wo sie bis am Montag in einem Hotel «im Grünen und am See» (Lehmann) logieren werden. Und wie GC zu schlagen ist, wissen die Wiler: Am 21. März siegten sie im Hardturm 2:1, und der 2:1-Heimerfolg im letzten Herbst hatte damals das Ende von Marcel Kollers Trainertätigkeit bei den Stadtzürchern bedeutet.
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Grasshoppers: Borer; Lichtsteiner, Castillo, Gamboa, Ziegler; Tararache, Spycher; Cabanas, Eduardo, Nuñez; Gane.
Wil: Lopar; Blunschi (Balmer), Winkler, Montandon, Gsell (Rizzo); Callà, Renggli, Fabinho, Savic; Mordeku (Rogerio), Nushi.
SR Guido Wildhaber (Mels).
Torschützenliste: Eduardo und Nuñez schielen nach der Krone
Swisscom Cup 2003/04. Stand nach den Halbfinals:
1. Rama (Thun) 6 Tore. 2. Eduardo (GC), Nuñez (GC) und Selimi (Tuggen), alle 5. 5. Manzolillo (Meyrin), Gygax (Zürich) und Petrosjan (Zürich), je 4. 8. Rossi (Basel), Barrasa (Herisau), Alex (St. Gallen), Dos Santos (Thun), Griffiths (Xamax), Merenda (St. Gallen) und Guerrero (Zürich), je 3.
15. Bieli (Aarau), Enrique (Agno), Morf (Agno), Huggel (Basel), Zwyssig (Basel), Kuhn (Herisau), Kusunga (Meyrin), Wissam (Meyrin), Barnetta (St. Gallen), Naldo (St. Gallen), Raimondi (Thun), Junuzi (Tuggen), Balmer (Wil), Montandon (Wil), Lustrinelli (Thun/Wil), Rogerio (Wil), Contini (Winterthur), M´Futi (Xamax), Mangane (Xamax), Descloux (YB), Giallanza (YB), Sermeter (YB), Petric (GC), Aguirre (Yverdon) und Keita (Zürich), je 2.
GRASSHOPPERS
Name: Grasshopper-Club Zürich. -- Klubfarben: blau-weiss. -- Klubsymbol: Heuschrecke. -- Gründungsjahr: 1886. -- Stadion: Hardturm (Kapazität: 17 666, davon 16 066 Sitzplätze). -- Internet: www.gcz.ch. -- Präsident: Dr. Thomas Gulich (42, seit 16. Juni 2003). -- General-Manager: Urs Wyss (39, seit 18. Juni 2003). -- Sportchef: Jean-Paul Brigger (46, seit 11. Dezember 2003). -- Trainer: Alain Geiger (43, seit 23. Dezember 2003). -- Assistenztrainer: Mats Gren, Milan Sarovic und Michael Lindeman. -- Budget: 15 Millionen.
Erfolge. Meistertitel: 27 (1898, 1900, 1901, 1905, 1921, 1927, 1928, 1931, 1937, 1939, 1942, 1943, 1945, 1952, 1956, 1971, 1978, 1982, 1983, 1984, 1990, 1991, 1995, 1996, 1998, 2001, 2003). -- Cupsiege: 18 (1926, 1927, 1932, 1934, 1937, 1938, 1940, 1941, 1942, 1943, 1946, 1952, 1956, 1983, 1988, 1989, 1990, 1994). -- Double: 8 (1927, 1937, 1942, 1943, 1952, 1956, 1983, 1990). -- Europacup: 1978 im UEFA-Cup-Halbfinal. Zwei Teilnahmen an der Champions League (1996 und 1997).
Kader:
Tor: Fabrice Borer (33), Peter Jehle (22/Lie), Eldin Jakupovic (19/Sz-Bos). -- Abwehr: Fernando Gamboa (33/Arg), Roland Schwegler (22), Pascal Castillo (27), Reto Ziegler (18), Stephan Lichtsteiner (20), Kim Jaggy (21), Rijat Shala (20), Luca Denicolà (22). -- Mittelfeld: Ricardo Cabanas (25/Sz-Sp), Christoph Spycher (26), Aleksandar Mitreski (23/Maz), Mihai Tararache (26/Rum), Feliciano Magro (25/Sz-It), Manuel Bühler (20/Sz-Kol). -- Sturm: Eduardo (23, Br), Mladen Petric (22/Sz-Kro), Femi Opabunmi (19/Nig), Richard Nuñez, (28/Uru), Ionel Gane (32/Rum), Alfred (21/Nig), Carlos Da Silva (20/Por).
WIL:
Name: Fussball Club Wil. -- Klubfarben: weiss-schwarz. -- Gründungsjahr: 1900 (als FC Stella; seit 1907 FC Wil). -- Stadion: Bergholz (Kapazität: 7000, davon 1060 gedeckte Sitzplätze). -- Internet: www.fcwil.ch. -- Präsident: Roger Bigger (35, seit 10. April 2003). -- Manager: Eduardo Arrigoni. -- Sportchef: Alexander Sawarow (43, seit 20. Januar 2004). -- Trainer: Joachim Müller (52, seit 26. März 2004). -- Assistenztrainer: Stephan Lehmann. -- Budget: 4,26 Millionen.
Erfolge. Aufstieg in die NLA: 2002.
Kader:
Tor: Nicolas Beney (23), Daniel Lopar (19), Roberto Maier (16). -- Abwehr: Ifrahim Alija (19/Maz), Stephan Balmer (27), Philippe Montandon (21), Rosemir Pires (25/Br), Massimo Rizzo (30), Patrick Winkler (31). -- Mittelfeld: Stefan Blunschi (20), Davide Callà (19/Sz-It), Peter Eugster (25), Fabinho (29/Br), Markus Gsell (19), Miguel Helder (22/Por), Walentin Poltawets (28/Ukr), Ivan Previtali (24), Michel Renggli (24), Nenad Savic (23). -- Sturm: Felix Mordeku (28/Ghana), Kristian Nushi (21/Alb), Luiz Sa Silva Rogerio (23/Br), Nezbedin Selimi (19/Maz).
Die 78. Finals im Schweizer Cup
1926: Grasshoppers - FC Bern 2:1 1927: Grasshoppers - Young Fellows Zürich 3:1 1928: Servette - Grasshoppers 5:1 1929: Urania-Genf - Young Boys 1:0 1930: Young Boys - Aarau 1:0 1931: Lugano - Grasshoppers 2:1 n.V. 1932: Grasshoppers - Urania-Genf 5:1 1933: Basel - Grasshoppers 4:3 1934: Grasshoppers - Servette 2:0 1935: Lausanne - Nordstern Basel 10:0 1936: Young Fellows ZH - Servette 2:0 1937: Grasshoppers - Lausanne 10:0 1938: Grasshoppers - Servette 2:2 n.V., Wiederholungsspiel: 5:1 1939: Lausanne - Nordstern Basel 2:0
1940: Grasshoppers - Grenchen 3:0 1941: Grasshoppers - Servette 1:1 n.V., Wiederholungsspiel: 2:0 1942: Grasshoppers - Basel 0:0 n.V., Wiederholungsspiel: 3:2 1943: Grasshoppers - Lugano 2:1 1944: Lausanne - Basel 3:0 1945: Young Boys - St. Gallen 2:0 1946: Grasshoppers - Lausanne 3:0 1947: Basel - Lausanne 3:0 1948: La Chaux-de-Fonds - Grenchen 2:2 n.V., Wiederholungsspiele: 2:2 n.V. und 4:0 1949: Servette - Grasshoppers 3:0
1950: Lausanne - Cantonal Neuchâtel 1:1 n.V., Wiederholungsspiel: 4:0 1951: La Chaux-de-Fonds - Locarno 3:2 1952: Grasshoppers - Lugano 2:0 1953: Young Boys - Grasshoppers 1:1 n.V., Wiederholungsspiel: 3:1 1954: La Chaux-de-Fonds - Fribourg 2:0 1955: La Chaux-de-Fonds - Thun 3:1 1956: Grasshoppers - Young Boys 1:0 1957: La Chaux-de-Fonds - Lausanne 3:1 1958: Young Boys - Grasshoppers 1:1 n.V., Wiederholungsspiel: 4:1 1959: Grenchen - Servette 1:0
1960: Luzern - Grenchen 1:0 1961: La Chaux-de-Fonds - Biel 1:0 1962: Lausanne - Bellinzona 4:0 1963: Basel - Grasshoppers 2:0 1964: Lausanne - La Chaux-de-Fonds 2:0 1965: Sion - Servette 2:1 1966: Zürich - Servette 2:0 1967: Basel - Lausanne 2:1 abgebrochen, 3:0-Forfaitsieg für Basel 1968: Lugano - Winterthur 2:1 1969: St. Gallen - Bellinzona 2:0
1970: Zürich - Basel 4:1 n.V. 1971: Servette - Lugano 2:0 1972: Zürich - Basel 1:0 1973: Zürich - Basel 2:0 n.V. 1974: Sion - Neuchâtel Xamax 3:2 1975: Basel - Winterthur 2:1 n.V. 1976: Zürich - Servette 1:0 1977: Young Boys - St. Gallen 1:0 1978: Servette - Grasshoppers 2:2 n.V., Wiederholungsspiel: 1:0 1979: Servette - Young Boys 1:1 n.V., Wiederholungsspiel: 3:2
1980: Sion - Young Boys 2:1 1981: Lausanne - Zürich 4:3 n.V. 1982: Sion - Basel 1:0 1983: Grasshoppers - Servette 2:2 n.V., Wiederholungsspiel: 3:0 1984: Servette - Lausanne 1:0 n.V. 1985: Aarau - Neuchâtel Xamax 1:0 1986: Sion - Servette 3:1 1987: Young Boys - Servette 4:2 n.V. 1988: Grasshoppers - FC Schaffhausen 2:0 1989: Grasshoppers - Aarau 2:1
1990: Grasshoppers - Neuchâtel Xamax 2:1 1991: Sion - Young Boys 3:2 1992: Luzern - Lugano 3:1 n.V. 1993: Lugano - Grasshoppers 4:1 1994: Grasshoppers - FC Schaffhausen 4:0 1995: Sion - Grasshoppers 4:2 1996: Sion - Servette 3:2 1997: Sion - Luzern 3:3 n.V., 5:4 n.Pen. 1998: Lausanne - St. Gallen 2:2 n.V., 4:3 n.Pen. 1999: Lausanne - Grasshoppers 2:0
2000: Zürich - Lausanne 2:2 n.V., 3:0 n.Pen. 2001: Servette - Yverdon 3:0 2002: Basel - Grasshoppers 2:1 n.V. 2003: Basel - Neuchâtel Xamax 6:0
Anzahl Cupsiege und Finalteilnahmen:
1. Grasshoppers 18 Siege in 30 Finalteilnahmen 2. Sion 9/9 3. Lausanne 9/16 4. Basel 7/13 5. Servette 7/19 6. La Chaux-de-Fonds 6/7 Zürich 6/7 8. Young Boys 6/11 9. Lugano 3/7 10. Luzern 2/3 11. Urania-Genf 1/2 Young Fellows ZH 1/2 13. Aarau 1/3 14. Grenchen 1/4 St. Gallen 1/4 16. Neuchâtel Xamax 0/4 17. Nordstern Basel 0/2 Bellinzona 0/2 Winterthur 0/2 FC Schaffhausen 0/2 21. FC Bern 0/1 Cantonal Neuchâtel 0/1 Locarno 0/1 Fribourg 0/1 Thun 0/1 Biel 0/1 Yverdon 0/1
|