Neuer FIFA-Präsident macht PR in eigener Sache
Gianni Infantino rückt sich ins gewünschte Bild
publiziert: Montag, 29. Feb 2016 / 19:22 Uhr
Gianni Infantino musste heute medienwirksam Fussball spielen.
Gianni Infantino musste heute medienwirksam Fussball spielen.

Eines seiner Wahlversprechen hat Gianni Infantino bereits eingelöst. Der neue FIFA-Präsident organisiert ein erstes Heimspiel - und die Fussball-Prominenz verneigt sich in Zürich nahezu lückenlos.

8 Meldungen im Zusammenhang
Der neue Patron ist in der internationalen Szene gut vernetzt. Innerhalb von 72 Stunden nominierte er für seinen persönlichen Kick-off-Tag eine Auswahl mit klingenden Namen. Die Parade der Altstars ist lang - Stéphane Chapuisat fährt in der Limousine vor, der zweifache Champions-League-Sieger Geremi schreibt Autogramme, die italienischen Ex-Weltmeister Fabio Cannavaro und Gianluca Zambrotta sind zusammen mit der Milan-Ikone Paolo Maldini angekommen, der frühere Weltfussballer Luis Figo und der ukrainische Sportbotschafter Andrej Schewtschenko erweisen dem Schweizer Wahlsieger ebenfalls die Ehre.

Das erste Wort hat aber selbstverständlich Capo Gianni: «Der Fussball ist zurück in der FIFA, die FIFA ist zurück im Fussball. Der Fussball übernimmt, grazie mille!» Die Message ist klar, die Botschaft kommt an. Der Ball rollt auch in der Krise. Und: Im Zentrum soll so rasch wie möglich wieder das Spiel stehen. «Die Hauptdarsteller stehen auf dem Rasen», sagt Infantino.

Gegen 300 Zuschauer interessieren sich für Infantinos sportlichen Einstand auf dem Zürichberg. Zahllose internationale TV-Kamerateams fangen seit Tagen jede Bewegung und Äusserung des wortgewaltigen Wallisers ein. Kurz nach 12 Uhr betritt der ranghöchste Fussballer den Kunstrasen - als Captain zwar, aber nicht mit der Nummer 10, der neue Chef trägt die Neun.

Der «Mann aus dem System» (O-Ton ZDF) kennt die feinen Unterschiede und Finessen einer smarten Aussendarstellung. Er sieht sich selber als Macher, nicht als Spielmacher: «Tore sollen jene schiessen, die dafür zuständig sind.» Ein PR-Spruch klar, aber Infantinos Timing stimmt.

Nach dem Spass der harte Alltag

Dass er in zwei Spielen torlos bleibt und das Feld mit einer persönlichen Minus-Fünf-Bilanz verlässt, ist am symbolträchtigen Tag der vielen netten Gesten und schönen Worte unerheblich. Nur ausgesprochen zynische Beobachter würden die ersten beiden Niederlagen auf dem Nebenschauplastikplatz als Fehlstart taxieren.

In den kommenden Monaten muss Infantino in der FIFA-Equipe nicht als Mittelstürmer brillieren. Punkten muss er ab sofort auf operativer Ebene. Nach dem (Fussball-)Spass unter prominenten Freunden ist vor der Auseinandersetzung mit womöglich weniger zuvorkommenden US-Kontrahenten.

Noch immer forschen im Home of FIFA amerikanische Anwälte nach möglichen Ungereimtheiten in den Büchern der angeschlagenen Organisation. «Ich habe keine Angst», betont Infantino am ersten Arbeitstag in der improvisierten Mixed-Zone im vereinseigenen Fitnesscenter in kurzen Hosen. Er baut auf sein Programm, die Reformen zeitnah umzusetzen: «Seriös, mit harter Arbeit und Disziplin.»

Seine Befürworter trauen ihm das zu - allen voran der ehemalige portugiesische Top-Star Figo, der sich im letzten Mai während ein paar Wochen selbst als Nachfolge-Kandidat Blatters sah. «Gianni kann diesen wichtigen Prozess managen. Unter ihm wird sich einiges ändern, und das ist gut und nötig für den Fussball.»

Der versöhnliche Scheich

Gute Wünsche kommen am Tag des Aufbruchs in eine neue Ära auch von einem, der selber vorhatte, den FIFA-Thron zu besteigen: Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa, mit Kappe und in Trainerhosen gut getarnt, steht statt auf der grünen Bühne nur hinter dem Tor in der zweiten Besucherreihe: «Ich respektiere Gianni sehr.»

Der Verlierer des FIFA-Jahres schlägt versöhnliche Töne an: «Die Wahl ist jetzt vorbei. An unserer Beziehung ändert sich nichts. Wir waren und bleiben Freunde.» Sie müssten künftig eng und gut zusammenarbeiten: «Es geht um das Wohl des Fussballs.»

 

(fest/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese fussball.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Der Grieche Theodore Theodoridis wird Nachfolger von Gianni Infantino als Generalsekretär bei der UEFA. ... mehr lesen
Gianni Infantinos Nachfolger steht fest.
«Wir müssen mit ernsthaften Tests anfangen, besser früher als später», so Infantino.
Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino spricht sich wie sein Vorgänger Sepp ... mehr lesen
Maurizio Zamparini, Präsident des FC Palermo seit 2002 und in Italien bekannt für spektakuläre Aussagen, erklärte am Montag, dass ... mehr lesen
Maurizio Zamparini.
FIFA-Präsident Gianni Infantino: «Ich bin vom Kongress gewählt worden, um ein Leader zu sein.»
40 Stunden nach seinem FIFA-Wahlsieg spricht Gianni Infantino mit der Nachrichtenagentur sda über Emotionen, die weltweiten ... mehr lesen
Die Medien im In- und Ausland begrüssen mehrheitlich die Wahl von Gianni Infantino zum FIFA-Präsidenten. Dies zeigt ein Überblick zu den Kommentaren in den Zeitungen vom Samstag. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Intelligenz, ein nicht erlahmender Ehrgeiz, Eloquenz: Unter anderem diese Eigenschaften führen Gianni Infantino auf die Position des «obersten Fussballers» der Welt. mehr lesen
Gianni Infantino ist auf der Position des «obersten Fussballers» der Welt.
Sepp Blatter ist überzeugt, dass Infantino seinen neuen Aufgaben gewachsen ist.
Sepp Blatter, der bei der Wahl seines Nachfolgers als FIFA-Präsident im ... mehr lesen
Der neue Präsident des Weltverbandes FIFA heisst Gianni Infantino. Der Walliser wird am ausserordentlichen Kongress in ... mehr lesen
Infantino erhielt mit 115 Stimmen die erforderliche einfache Mehrheit.
Arsène Wenger lobt die Entwicklung von Granit Xhaka bei Arsenal.
Arsène Wenger lobt die Entwicklung von Granit Xhaka bei Arsenal.
Gut angepasst  Arsenals Trainer Arsène Wenger hat Neuzugang Granit Xhaka für dessen Fortschritte und Entwicklung bei den Gunners gelobt. mehr lesen 
Lobeshymne auf Köln  Lukas Podolski hat einen echten Chart-Hit gelandet. mehr lesen  
Lukas Podolski hat einen Charthit gelandet.
Nach Aussagen über den Klub  Stoke Citys Trainer Mark Hughes hat sich über die eher negativen Äusserungen von Ottmar Hitzfeld über die Potters nicht gerade erfreut und lädt den ehemaligen Naticoach ein, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. mehr lesen  
55 Spieler dürfen sich Hoffnung auf eine Aufnahme in die Weltauswahl 2016 machen.
Die Besten der Besten  Die FIFA hat die 55 Nominierten für die Weltauswahl des Jahres bekanntgegeben. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Nur ein ziemlicher Trottel kann annehmen, dass es etwas mit Zivilcourage zu hat, wenn er an einer ... Fr, 17.06.16 12:02
Lyon siegte verdient.
Frauenfussball Wolfsburgs Frauen verpassen den Sieg Die Frauen-Equipe des VfL Wolfsburg mit den drei ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich -2°C 5°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel Nebel
Basel -2°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 4°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern -3°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel sonnig
Luzern -1°C 5°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Nebel Nebel
Genf -2°C 6°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Nebel
Lugano 1°C 8°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten