Nach Blatters Rücktritt
Hat Platini jetzt den Mut?
publiziert: Mittwoch, 3. Jun 2015 / 07:55 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 3. Jun 2015 / 18:16 Uhr
UEFA-Präsident Michel Platini gilt als Favorit auf das Blatter-Erbe.
UEFA-Präsident Michel Platini gilt als Favorit auf das Blatter-Erbe.

Unmittelbar nach Sepp Blatters Rücktrittankündigung werden erste mögliche Nachfolger genannt. Es sind die gleichen, die schon vor der FIFA-Präsidentenwahl als Kandidaten aufgetreten sind.

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Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, der in der Wahl gegen Blatter unterlegen war sowie der holländische Verbandspräsident Michael van Praag und der frühere Fussball-Star Luis Figo aus Portugal. Zumindest Prinz Ali und Van Praag haben noch am Dienstag ihre Kandidatur zumindest offengehalten.

Für die Buchmacher ist der grosse Favorit jedoch UEFA-Präsident Michel Platini. Der Franzose hatte letzte Woche vor dem Kongress mit vorschnellen Drohgebärden eine schlechte Figur abgegeben. Er war der eigentliche Verlierer der Kongress-Woche. Ob er jetzt sofort zum Sieger mutiert, ist fraglich. Platini spielte sich zum Gegenspieler Blatters auf. Das macht ihn nicht zum geeigneten Präsidenten der weltweiten Fussball-Gemeinde. Denn immerhin hatten rund zwei Drittel der Vertreter am Kongress ihre Stimme Blatter gegeben.

Platini dürfte aber zumindest in vier Jahren bereit sein, zur Wahl anzutreten. Denn eigentlich war das Ziel seiner Funktionärskarriere immer das Amt des FIFA-Präsidenten. Er wartete darauf, seinen einstigen Förderer Blatter dereinst im Amt zu beerben. Doch der Schweizer wollte Platini den Posten nicht freiwillig übergeben. Und vor einem Wahlkampf gegen Blatter scheute sich der UEFA-Präsident. Er wusste, dass er beim aktuellen Wahlsystem chancenlos sein würde.

Kandidat der UEFA

Noch diese Woche wird man wohl mehr über die Absichten von Platini, Van Praag und der UEFA erfahren. Am Rande des Champions-League-Finals treffen sich die Mitgliedsverbände der UEFA in Berlin zu einem Meeting. «Da werde ich mich mit anderen austauschen. Dann werde ich mir meine Pläne überlegen», kündigte Van Praag an.

Ziemlich sicher scheint im Moment, dass Blatters Nachfolger ein Kandidat der UEFA sein wird. Denn Jeffrey Webb, das Mitglied der FIFA-Exekutive von den Cayman Islands, galt nur bis zum letzten Mittwoch als späterer Kronprinz für den Posten des FIFA-Präsidenten. Denn bei der Rücktrittankündigung Blatters, war Webb längst ins Offside gelaufen. Er gehört zu den sieben FIFA-Funktionären, die in Zürich in Auslieferungshaft sitzen.

 

(bg/Si)

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Wo viel Schatten ist,
ist irgendwo auch Licht.
Für die kleinen Verbände hat sich Blatter erfolgreich eingesetzt, was sicher nicht nur seine Funktion stützte, vielleicht war es ja so wie mit dem Huhn und dem Ei.
Aber Sie haben sicher die Sache sehr gut analysiert, eine neue FIFA wird schwer zu machen sein. Zu sehr sind die Weltregionen des Fussball in Sachen Mentalität und Finanzen auseinander.
Aber dass man eine übergeordnete Organisation mit festen, sauberen, demokratischen Regeln nicht hinbekommen sollte, das geht trotz allem nicht in meinen Schädel!
Wie in jedem grösseren Verband oder auch Staat muss es so etwas wie unabhängiges Verfassungsoergan geben, dass die Regeln überwacht und mit der nötigen Macht ausgestattet ist, diese auch durchzusetzen. Dann sollte das gehen. Niemand darf sich sicher sein, nicht für seine Taten zur Verantwortung gezogen zu werden! Aber das will man in der Schweiz ja nicht so sehen.
Da wir so etwas wie ein Verfassungsgericht nicht kennen, muss die FIFA daher vor allem ihren Hauptsitz in ein Land verlegen, wo es so was gibt und wo Fachleute genug vorhanden sind, die sich nicht immer dem Geldbeutel ergeben.
Die Schweiz ist nicht in der Lage, eine FIFA zu einem sauberen "Verein" zu machen, das haben Sie richtig bemerkt, sie soll nach unserer schweizerischen Rechtsnormen ja den Status als "gemeinnütziger Verein" behalten. Ein Gesangsverein mit Milliardenumsatz in dem die Stimmrechte nicht den Mitgliederzahlen nach verteilt sind! Wo ein Miniverband wie die Fitschis mit sechs- oder siebentausen Fussballern gleich viel wie die UEFA mit Millionen Fussballern zu sagen hat, das kann nichts werden!
Es ginge, wenn man er ernsthaft wollte, daran zeifle ich nicht, aber offenbar will man ja gar nicht so viel ändern, der Sumpf soll erhalten bleiben, halt einfach mit neuen Sumpfblumen bepflanzt. Dazu stellt die Schweiz natürlich gerne die richtige rechtstfreie Zone zur Verfügung.
Ber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt.
Selbstheilung unwahrscheinlich
Das System Fifa, das Sepp Blatter von João Havelange übernommen und verfeinert hat, entspricht den Bedürfnissen und Erwartungen vieler Funktionäre von kleinen und grösseren nationalen Fussballverbänden auf der ganzen Welt. Und jeder Fussballverband, ob Djibouti oder Deutschland, hat am Fifa-Kongress genau eine Stimme.

Vor Blatters Ära haben diese kleinen Verbände von der Fifa praktisch kein Geld erhalten. Blatter, der 1975 bei der Fifa als Direktor für Entwicklungsprogramme angefangen hatte, wusste am besten, wie er all diese kleinen Verbände zu seiner treuen Gefolgschaft machen kann. Offiziell ging es natürlich immer darum, den Fussball in diesen Ländern zu fördern, Sportplätze zu bauen, die Jugend zu unterstützen und so weiter. Dass dann auch ein bisschen Kohle rüberwächst, wenn es um die Vergabe des WM-Austragungsorts oder die Präsidentschaftswahl geht – nun ja, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. Und Blatter selbst war natürlich nie der Absender.

Wie wären nun all die von den eigenen Verbänden gewählten Fifa-Delegierten aus Djibouti, Armenien, Laos, Tadschikistan, Venezuela etc. davon zu überzeugen, dass Korruption etwas schlechtes ist und sie nun bitte jemanden wählen sollen, der eine Fifa aufbaut, die völlig transparent und sauber nach demokratischen Regeln funktioniert?

Ich kenne mich mit internationalem Recht nicht aus. Aber mir scheint, die einzige Möglichkeit, die Korruption in der Fifa wirksam zu bekämpfen, ist die Veränderung des rechtlichen Rahmens, in welcher dieser Milliardenkonzern operiert. Das beginnt sehr wahrscheinlich schon einmal mit dem steuerbegünstigten Status als "gemeinnütziger Verein", der vom Schweizer Parlament kürzlich wieder bestätigt wurde. Der Druck, dass das geändert wird, wächst angeblich.

Und dann müssen die Korruptionsfälle, die aufgedeckt werden, einschneidende Konsequenzen für die Fifa-Projekte haben. So einschneidend, dass die Fifa grösstes Interesse daran haben muss, Korruption zu verhindern. Beispielsweise eine nachweislich geschmierte WM-Vergabe sollte ungültig sein, auch wenn die WM dadurch ausfällt. Ich weiss nicht, ob und wie das mit „äusseren Gesetzen“, also unabhängig vom Fifa-Regelwerk umgesetzt werden kann. Vielleicht ist das neuste Engagement der US-Justiz ein erster richtiger Schritt in diese Richtung. Ich denke, anders geht es nicht. An die selbstheilende Fifa glaube ich nicht mehr.

Lasse mich aber gerne vom Gegenteil überraschen.
Ein neuer Präsident
und alles ist wie zuvor und wieder gut?
Nein, so geht das nicht! Die ganze FIFA muss verändert werden.
Das System Blatter ist nicht mehr zu halten und nicht mehr retten.
Ein Scheich für den Status quo
Michel Platini, Michael Van Praag, Luis Figo… – nein. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ein UEFA-Kandidat das Rennen um die Blatternachfolge machen wird. Die Interessen, die im Hintergrund wirken, bringen Ahmad Al-Fahad Al-Sabah in die Pole Position, wie verschiedene andere Medien berichten.

Seit April dieses Jahres sitzt der Scheich aus Kuwait im Fifa-Exekutivkomitee. Gemäss SPIEGEL gilt er als „einer der mächtigsten Stimmendealer der Sportwelt“. Und weiter: „Scheich Ahmad will vor allem: mit Macht spielen und nie verlieren.“ (1) Im März hiess es in der FAZ über ihn:

„Der Ruf des 51 Jahre alten Kuweiters lässt seinen Widersachern Schauer über den Rücken laufen: Wenn dieser Mann etwas erreichen will in der internationalen Sportpolitik, schafft er das auch. Sein Netzwerk ist unvergleichlich, sein Einfluss auf sportpolitische Wahlen dramatisch.“ (2)

2013 hat er als Mitglied des IOC dem Deutschen Thomas Bach zum Präsidialamt verholfen. Als kuwaitischer Fussballfunktionär hat er massgeblich dafür gesorgt, dass die WM 2022 an Qatar vergeben wird. Wie hat er das nur geschafft?

Mit Ahmad Al-Fahad Al-Sabah als Fifa-Präsident wäre es komplett illusorisch, dass die systemimmanente Korruption ernsthaft bekämpft werden kann. Der Scheich selbst ist die Korruptionskoryphäe. Für demokratische Prinzipien hat er bestenfalls ein müdes Lächeln übrig.

An einem Fifa-Kongress sitzen viele, viele Delegierte nationaler Verbände, die kein Interesse daran haben, dass am System etwas geändert wird. Damit sie weiterhin die hohle Hand machen können, brauchen sie jemanden an der Spitze, der die geheimen Spielregeln kennt und schützt. Kein Van Praag und kein Figo. Der Scheich kommt da gerade recht.

Es wäre sehr erstaunlich, wenn sich die Fifa aus sich selbst heraus säubern könnte. Fast so, wie wenn sich die Mafia aus eigenem Antrieb zur gesetzestreuen gemeinnützigen Organisation verwandeln würde.

(1) http://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-kongress-uefa-verpasst-josep...

(2) http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/fifa-praesident-joseph-b...
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