Hitzfeld: Ziel weit verfehlt
publiziert: Donnerstag, 4. Mrz 2010 / 23:40 Uhr / aktualisiert: Freitag, 5. Mrz 2010 / 00:47 Uhr

Das 1:3 im ersten WM-Test des Jahres gegen Uruguay war für Ottmar Hitzfeld eine Enttäuschung. Der Nationalcoach wollte Alternativen testen, sah aber bloss bestätigt, was seit längerem befürchtet wurde. Rund 100 Tage vor der WM-Endrunde fehlen in der SFV-Auswahl Spieler, die die Arrivierten unter Druck setzen.

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Die Umstände machten das Spiel gegen Uruguay zum perfekten Test. Ottmar Hitzfeld war gezwungen, sich anzusehen, was der Schweizer Fussball hinter der ersten Reihe zu bieten hat.

Sieben Spieler aus der mutmasslichen Stammformation fehlten zu Beginn, fünf davon standen wegen Verletzungen gar nicht im Aufgebot. Es war der perfekte Laufsteg für die Probables.

Der interessierte Beobachter Hitzfeld wollte hinterher viele wichtige Erkenntnisse gewonnen haben, doch was der Lörracher von diesem Test in St. Gallen vor allem mitnimmt, ist eine Bestätigung: «Wir haben nicht die ganz grosse Auswahl an Spielern.»

Schwache Alternativen

Am Ende waren die Abwesenden auf Schweizer Seite die Gewinner des Abends: Philippe Senderos, Benjamin Huggel, Alex Frei und Blaise Nkufo sowie die erst nach der Pause eingewechselten Christoph Spycher und Tranquillo Barnetta.

Sie alle brauchen die Konkurrenz nicht zu fürchten, denn keiner ihrer Statthalter konnte sich nachhaltig in Szene setzen. Der Beste war Ersatztorhüter Marco Wölfli, doch dessen Rolle als Nummer 2 hinter Diego Benaglio ist in Stein gemeisselt.

Gesetzte Aufstellung

Es wurde in St. Gallen offenbart, dass sich die Schweizer Mannschaft, sofern alle gesund und fit sind, im Prinzip von alleine aufstellt.

Im Tor ist Benaglio ebenso gesetzt wie Abwehrchef Stéphane Grichting in der Innenverteidigung und der rechte Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner. Für den Platz neben Grichting drängt sich einzig Philippe Senderos auf, obwohl er die Forderung Hitzfelds nach regelmässigen Einsätzen im Klub nicht erfüllt.

Links gibt Christoph Spycher mehr (defensive) Garantien als Reto Ziegler und Ludovic Magnin. Einer dieser beiden wird die Reise nach Südafrika nicht mitmachen, auch wenn Hitzfeld momentan noch von einem «Dreikampf zwischen Spycher, Magnin und Ziegler für zwei Plätze» spricht.

Als vierter Innenverteidiger kommen Mario Eggimann und Heinz Barmettler infrage. Jonathan Rossini, der ein schwaches Debüt gab, und der seit Monaten verletzte Johan Djourou sind diesem Duo gegenüber im Nachteil. Ebenfalls kaum WM-Chancen hat Philipp Degen als rechter (Ersatz-)Aussenverteidiger. Bei Liverpool hat sich der Basler auch in der zweiten Saison nicht durchgesetzt und kommt in der Premier League nicht zum Einsatz.

Chancen für Shaqiri und Chiumiento

Während Rossini gegen Uruguay weit unter den Erwartungen blieb und selbst sehr enttäuscht war über seinen Auftritt («Ich war zu emotional und kann nur hoffen, vielleicht doch nochmals eine Chance zu erhalten»), konnten die anderen Debütanten, Xherdan Shaqiri und Davide Chiumiento, zumindest phasenweise gefallen.

«Shaqiri ist ein grossartiges Talent, das für uns eine Bereicherung sein könnte», sagte Hitzfeld. Am besten bewertete Hitzfeld den Luzerner Chiumiento. «Er hat auf der linken Seite hervorragende Arbeit abgeliefert.» Für Shaqiri und Chiumiento stehen die Chancen nicht schlecht. Mindestens einer der beiden dürfte im WM-Kader stehen.

Hitzfeld wird acht Mittelfeldspieler mitnehmen, und neben den Stammspielern Valon Behrami, Gökhan Inler, Huggel und Barnetta sowie den beiden scheinbar gesetzten Ersatzleuten Pirmin Schwegler und Gelson Fernandes kämpfen die beide Neulinge mit Marco Padalino (und allenfalls David Degen, falls er sich rechtzeitig vom Pfeiffer'schen Drüsenfieber erholt) um zwei Plätze.

Hakan Yakin hofft auf Einsatz

Im Sturm hofft der für das Uruguay-Spiel nicht nominierte Hakan Yakin auf das fünfte WM-Ticket hinter Captain Frai, Nkufo, Marco Streller und Eren Derdiyok. Dass der Luzerner Regisseur diesmal übergangen wurde, ist als Warnung von Hitzfeld zu verstehen. Als Joker kann Yakin in Südafrika auf jeden Fall wertvoll sein. Wertvoller wohl als Albert Bunjaku, der «bloss» eine fünfte reine Sturmspitze wäre.

18 WM-Tickets scheinen vergeben. Welche fünf Spieler Hitzfeld ins Boot dazu nimmt, wird er sich bis zum Beginn der WM-Vorbereitung überlegen. Der Deutsche liess durchblicken, dass er nur 23 Spieler ins Camp nach Crans-Montana (ab 25. Mai) mitnimmt und darauf verzichtet, vorerst einen 30-Mann-Kader zu nominieren. Hitzfeld will nicht, dass die Arbeit im Wallis beeinträchtigt wird von der Spekulation, wer letztlich der Kader-Reduzierung zum Opfer fällt.

Das mögliche Schweizer WM-Kader:
Tor (3 Plätze): BENAGLIO, WÖLFLI, LEONI.

Abwehr (7): LICHTSTEINER, SENDEROS, GRICHTING, SPYCHER, VON BERGEN. -- einer aus dem Duo Eggimann/Barmettler (Innenverteidiger). -- einer aus dem Duo Magnin/Ziegler (linke Aussenverteidiger).

Mittelfeld (8): BEHRAMI, INLER, HUGGEL, BARNETTA, SCHWEGLER, FERNANDES. -- zwei aus dem Quartett Padalino/Shaqiri/Chiumiento/David Degen.

Sturm (5): FREI, NKUFO, STRELLER, DERDIYOK. -- einer aus dem Duo Hakan Yakin/Bunjaku.

In GROSSBUCHSTABEN: sichere WM-Teilnehmer

(Stefan Wyss/Si)

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