
Obwohl Spanien gegen Frankreich (20.45 Uhr/live auf fussball.ch) an einer Endrunde noch nie ein Spiel gewinnen konnte, tritt der Titelverteidiger als Favorit zum Viertelfinal in Donezk an. Während es für Laurent Blanc kaum Geheimnisse gibt, lässt sich Vicente Del Bosque nicht in die Karten schauen.
Für Frankreich spricht zumindest die Vergangenheit. Noch nie hat die «Equipe Tricolore» an einer Endrunde eine Partie gegen Spanien verloren. 1984 gewannen «Les Bleus» angeführt vom heutigen UEFA-Präsidenten Michel Platini den Final im Parc des Princes in Paris nach einem monumentalen Flop von Spaniens Hüter Luis Arconada 2:0. 2000 besiegte das Team mit Abwehrchef Laurent Blanc auf dem Weg zum zweiten EM-Titel die Iberer in den Viertelfinals 2:1. Zum letzten Duell der beiden Nachbarn an einem grossen Turnier war es 2006 gekommen, als Frankreich in den Achtelfinals 3:1 siegte und später den Final gegen Italien im Penaltyschiessen verlor.
Blanc: Fan des spanischen Spiels
Für Frankreichs Trainer Laurent Blanc spielen die schönen Erinnerungen an die Vergangenheit heute keine Rolle: «Bei uns hat sich viel verändert, bei Spanien hat sich viel verändert.» Vor dem ersten Aufeinadertreffen mit Spanien während seiner Amtszeit outete sich der frühere Welt- und Europameister als Fan des spanischen Spiels. Es sei eine Freude den Iberern zuzuschauen, «sie sind seit vier Jahren die beste Mannschaft der Welt.» Jeder Spieler gehöre auf seiner Position zu den zwei, drei besten der Welt. Dass vereinzelt Fachleute die «Seleccion» für ihre bisher an der EM gezeigten Leistungen kritisieren, ist für Blanc unverständlich.
Dass Frankreich gleich in den Viertelfinals dem wohl schwierigsten Gegner gegenübersteht, hat sich die «Equipe Tricolore» selbst eingebrockt. Mit der Niederlage gegen die bereits ausgeschiedenen Schweden im letzten Gruppenspiel vergab Frankreich die Chance auf den Gruppensieg, und somit dem Titelverteidiger auszuweichen. Als Folge der Niederlage - der ersten nach 23 Spielen - war es in der Garderobe zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Spielern und Trainer gekommen. Böse Erinnerungen an die Tage in Südafrika, als interne Spannungen zu einem Debakel geführt hatte, kamen auf. «Das Paradoxe an der Situation war, dass wir nach der Niederlage gegen Schweden enttäuscht waren, obwohl wir uns für die Viertelfinals qualifiziert haben», so Blanc. Letztmals hatten dies die Franzosen an einer EM-Endrunde 2004 geschafft, ehe man gegen den späteren Europameister Griechenland in den Viertelfinals 0:1 unterlag.
Franzosen: Fokus liegt auf Spanien
Laut Blanc sind die Differenzen der letzten Tage geklärt. Die Situation hat sich beruhigt, der Fokus liegt nun auf dem Duell mit dem Turnierfavoriten Nummer 1. «Wir müssen uns mental darauf einstellen, zu rennen, zu rennen und noch einmal zu rennen», so Blanc. Das schwierigste sei, dass man sich während 70 Prozent der Partie nach dem Gegner richten müsse, da die Spanier den Ball kaum hergeben. Deswegen sei eine enorme Solidarität gefragt. Italien habe dies beim 1:1 im Startspiel gegen die «Seleccion» vorgemacht. «Wir müssen in den ersten 20, 30 Minuten zeigen, dass wir präsent sind, dann haben wir eine Chance.» Der Selectionneur ist überzeugt, dass die Chancen seines Teams mit Fortdauer der Partie steigen werden. «Jeder unserer Spieler ist gezwungen, ein grosses Spiel zu zeigen», fordert Blanc, der auf den gesperrten Philippe Mexès verzichten muss. Ihn ersetzt Laurent Koscielny, der erstmals an diesem Turnier zum Einsatz kommt.
Trotz oder wegen der Favoritenrolle erwartet Spaniens Vicente Del Bosque ebenfalls ein schwieriges Spiel. «Die Niederlage gegen Schweden sagt nichts über ihre Qualität aus.» Frankreich pflege einen ähnlichen Spiel wie seine Mannschaft. «Sie wollen die Initiative ergreifen - und wie wir gewinnen.» Einmal mehr liess sich Del Bosque 24 Stunden vor der Partie nicht in die Karten schauen, was seine Startaufstellung betrifft. Er sprach von einigen Fragenzeichen und vielen möglichen Optionen. «Ich habe 23 Spieler und jeder ist fähig, zu spielen», so der frühere Real-Trainer. Die wichtigste Frage dürfte einmal mehr lauten: Cesc Fabregas oder Fernando Torres, mit oder ohne einen klassischen Mittelstürmer?
Kritik am Titelverteidiger
Trotz des Gruppensieges wurde die Mannschaft zuletzt von Experten kritisiert, was Del Bosque allerdings nicht stört: «Jeder darf seine Meinung äussern.» Dem Vernehmen nach soll allerdings auch der Trainer an der Leistung der Mannschaft beim 1:0 gegen Kroatien, als der Siegtreffer erst kurz vor Schluss fiel, nicht nicht nur Gefallen gefunden haben. Trotzdem ist sein Team im Fahrplan: «Wir spielen stabil und haben viele Alternativen.» Dass Spanien in die Favoritenrolle gedrängt wird, ist sich Del Bosque gewohnt - auch wenn die «Seleccion» in der Vergangenheit gegen Frankreich jeweils den Kürzeren gezogen hatte. «Nun wird sich zeigen, ob wir die Geschichte ändern können», so Del Bosque.
Spanien - Frankreich
Samstag, 20.45 Uhr (live auf fussball.ch). - Donbass Arena, Donezk. - SR Rizzoli (It).
Voraussichtliche Formationen:
Spanien: 1 Casillas; 2 Arbeloa, 3 Pique, 15 Sergio Ramos, 18 Alba; 16 Busquets, 14 Xabi Alonso; 21 David Silva, 8 Xavi, 6 Iniesta; 9 Torres
Frankreich: 1 Lloris; 2 Debuchy, 4 Rami, 21 Koscielny, 22 Clichy; 18 Diarra, 17 M'Vila, 6 Cabaye; 11 Nasri, 10 Benzema, 7 Ribéry.
Bemerkung: Frankreich ohne Philippe Mexès (gesperrt).
(pad/Si)
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