Inler und Yakin ragten aus dem Durchschnitt heraus
publiziert: Montag, 16. Jun 2008 / 16:37 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jun 2008 / 17:14 Uhr

Mit Ludovic Magnin, Gökhan Inler, Patrick Müller und Philippe Senderos absolvierten lediglich vier Schweizer die vollen 270 EM-Minuten. Udinese-Söldner Inler und der dreifache Torschütze Hakan Yakin ragten dabei aus dem Durchschnitt heraus.

Die Schweizer Nati beim Abspielen der Hymne.
Die Schweizer Nati beim Abspielen der Hymne.
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Es hätte in den drei Partien gegen Tschechien (0:1), die Türkei (1:2) und Portugal (2:0) jeweils elf Spieler auf absolutem Top-Niveau benötigt, um sich für die Viertelfinals zu qualifizieren.

Dieser Anforderung entsprach im Prinzip nur einer: Pascal Zuberbühler zeigte in seinem letzten Länderspiel eine fehlerlose Leistung und knüpfte damit nahtlos an seine vier WM-Partien in Deutschland an, als er 390 Minuten ohne Gegentor geblieben war.

Über alle drei EM-Spiele hinweg gesehen war jedoch Inler der beste Schweizer Akteur: Konstant, engagiert, kampf- und laufstark und mit einer beeindruckenden Schusstechnik hob er sich aus dem enttäuschenden Schweizer Durchschnitt heraus.

Doch der türkisch-stämmige Abräumer kann noch mehr, er wird wohl über Jahre hinaus -- zusammen mit Tranquillo Barnetta und eventuell Diego Benaglio -- der beste Schweizer Export im internationalen Fussballgeschäft sein. Vorausgesetzt, sie bleiben vor schweren Verletzungen verschont.

Steigerungspotenzial

Steigerungspotenzial haben jedoch praktisch alle Schweizer, die nicht am Ende ihrer Karriere (Zuberbühler, Müller, Yakin) stehen. Der Schweizer Torschützenkönig Yakin zeigte indessen in seinen möglicherweise drei letzten Länderspielen, was er dieser Mannschaft mit grösserem Vertrauen durch den Coach hätte bringen können.

Drei Tore und zwei nicht verwertete Riesenchancen machten ihn zum gefährlichsten Schweizer Stürmer. Unter Köbi Kuhn kam er aber in keinem seiner letzten 26 Länderspiele seit dem 17. August 2005 über die ganze Spieldauer zum Einsatz.

Eine Einzelkritik der 18 an der EM eingesetzten Spieler:

Diego Benaglio (2 Einsätze/180 Spielminuten/3 Gegentore): Der Wolfsburger zeigte eine solide Leistung ohne über sich hinauszuwachsen. Zwei der drei Gegentore waren unhaltbar. An einem Glanztag hätte er wohl das 1:1 der Türken verhindert.

Pascal Zuberbühler (1/90/0): Fehlerlose Partie gegen Portugal. Verhinderte mit Superreflex das 0:1, als er Pepes Abfälscher an die Latte lenkte. Eine gelungene Abschiedsvorstellung des 37-Jährigen.

Stephan Lichtsteiner (3/248/0 Tore): Man merkte ihm an, dass er im Verein weiter vorne spielt. Ungewohnte Stellungsfehler. Einige gute Vorstösse bis auf die Grundlinie mit nicht immer präzisen Flanken.

Patrick Müller (3/270/0): Eine absolut geglückte Rückkehr ins internationale Rampenlicht. Solid und schnörkellos. Mit mehr Spielpraxis im Klub hätte er das Team im Spielaufbau noch besser unterstützen können.

Philippe Senderos (3/270/0): Entwickelte sich an der Seite von Müller wieder zum zuverlässigen Manndecker. Kampfstark und engagiert. Seine Steilpässe kommen jedoch zu oft nicht an.

Ludovic Magnin (3/270/0): Es war klar nicht seine EM. Unauffällige Auftritte, offensiv zu wenig präsent. Schwerer Fehler beim 1:1 für die Türkei. Wog das Captainband zu schwer?

Gelson Fernandes (3/256/0): Wirkt oft übermotiviert und begeht noch zu viele unnötige Fouls. Leichtfüssig, bissig in den Zweikämpfen, hat noch Steigerungspotenzial.

Gökhan Inler (3/270/0): Konstant starke Leistungen ohne Durchhänger. Gefährliche Weitschüsse in jedem Spiel mit dem Pfostenschuss gegen Portugal als Höhepunkt. Kann sich in der Angriffsauslösung noch verbessern. Der beste Schweizer an der EM!

Valon Behrami (3/264/0): In jedem Spiel mit starkem Beginn, verschwand dann jedoch regelmässig für längere Phasen von der Bildfläche. Unerklärliche Stellungsfehler in der Defensive. Kampfstarker Auftritt gegen Portugal trotz schlimmem Foul durch Paulo Ferreira.

Tranquillo Barnetta (3/180/0): In den ersten beiden Partien vermochte er seine Verletzungspause nicht zu vertuschen. Starker Auftritt dann gegen Portugal nach seiner Einwechslung. Ohne Fussverletzung hätte es seine EM werden können.

Hakan Yakin (3/216/3): Der Schweizer Topskorer war auch der einzige Schweizer Torschütze. Vergab jedoch gegen die Türkei zweimal die Siegsicherung. Der auffälligste und gefährlichste Schweizer Angreifer.

Eren Derdiyok (3/186/0: Zwei herrliche Assists gegen die Türkei und Portugal. Konnte sich daneben aber noch zu wenig durchsetzen. Bewies sein grosses Talent und könnte auf Jahre hinaus zum idealen Sturmpartner von Alex Frei werden.

Alex Frei (1/43/0): Es hätte seine EM werden sollen. Ein Foul von Zdenek Grygera beendete jedoch allzu früh die Träume des Schweizer Rekordschützen, der gegen Tschechien stark begonnen hatte. Hoffentlich ist sein Verletzungspech nun endlich ausgeschöpft.

Marco Streller (1/90/0): Kuhn und die Teamärzte taten ihm keinen Gefallen, ihn trotz der seit Monaten latenten Leistenprobleme zu nominieren. Hatte so gegen die defensiv starke Abwehr Tschechiens keine Chance.

Johan Vonlanthen (3/105/0): Erhielt in den ersten beiden Spielen trotz starker Form zu wenig Einsatzminuten. Als er jedoch gegen Portugal von Beginn weg eingesetzt wurde, wirkte er verkrampft und konnte das Vertrauen nicht rechtfertigen.

Ricardo Cabanas (2/18/0): Zwei Kurzeinsätze gegen die Türkei und Portugal. Hätte dennoch gegen die Türken zum Matchwinner werden können. Ansonsten nicht bewertbare Kurzeinsätze.

Stéphane Grichting (1/7/0): Sieben Minuten sind die Minimal-Bilanz des Auxerre-Stammspielers. Gut möglich, dass es seine letzten in der Nationalmannschaft waren. Ist immer zur Stelle als Einwechselspieler und benötigt keine Anlaufzeit.

Daniel Gygax (1/5/0): In nur fünf Minuten kann niemand zeigen, was er für eine Mannschaft wert ist.

Ohne Einsatz-Minuten blieben Philipp Degen, Johan Djourou, Benjamin Huggel, Torhüter Eldin Jakupovic und Christoph Spycher, der noch vor vier Jahren in Portugal die Schweizer Entdeckung war.

(Von René Baumann/Si)

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