K.o. für Birgit Prinz und Marta
publiziert: Sonntag, 10. Jul 2011 / 23:16 Uhr
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Abschied von der WM: Brasileins Star Marta.
Abschied von der WM: Brasileins Star Marta.

An der Frauen-WM in Deutschland haben die mehrfachen Weltfussballerinnen Birgit Prinz und Marta mit ihren Nationalteams den Einzug in die Halbfinals verpasst.

1 Meldung im Zusammenhang
Der Gastgeber scheiterte in den Viertelfinals überraschend an Japan (0:1 nach Verlängerung), Brasilien unterlag im Penaltyschiessen den USA.

Die Halbfinal-Paarungen vom Mittwoch lauten: Japan - Schweden und Frankreich - USA. Die Schwedinnen feierten den souveränsten Sieg der Viertelfinals. Sie bezwangen Australien mit 3:1. Dies war die einzige Partie der ersten K.o.-Runde, die in der regulären Spielzeit entschieden wurde. Frankreich schlug England, das in der WM-Qualifikation die Schweiz zurückgebunden hatte, mit 4:3 im Penaltyschiessen.

Deutschland nicht nach London

Die Frauen-Auswahl des DFB ist an der Heim-WM gescheitert. In Wolfsburg erlitt Deutschland gegen Japan eine bittere Pleite. Nach 121 Viertelfinal-Minuten war am Samstagabend die Atmosphäre schlagartig auf den Nullpunkt gesunken. Der Titelhalter hatte soeben erstmals seit 1999 eine WM-Partie verloren und sich unschön verabschiedet. Jene Equipe, welche die Frauen-Fussballszene während den letzten Jahren beherrscht hatte, stand rat- und resultatlos auf dem Rasen. Ein weinendes Team, aber kein Traum mehr. Game over, Deutschlands märchenhafte Inszenierung wurde jäh gestoppt. Am Tag danach wurde das Tränenmeer noch grösser, da Schweden die Halbfinals erreichte und somit den Sprung an die Olympischen Spiele schaffte - im Gegensatz zu Deutschland, das in London zuschauen muss.

Deutschland und Japan hatten sich regelrecht zermürbt. In der 108. Minute markierte Karina Maruyama nach einem Konter aus spitzem Winkel das 1:0. Das Gegentor war für die Einheimischen trotz einer beeindruckenden Schluss-Offensive nicht mehr zu korrigieren. Für den zweifachen Weltmeister, mit dem hohen Anspruch angetreten, den Titel-Hattrick zu schaffen, und die Organisatoren kam das Out der grossen Zugnummer im falschen Moment. Trotz einer beispiellosen Werbe-Kampagne und einem TV-Zuschauer-Interesse in doppelter Millionenhöhe scheiterte Silvia Neids Team frühzeitig. Japan hingegen zelebrierte nach drei missratenen WM-Turnieren (dreimaliges Aus in der Vorrunde) den grössten Triumph seit der Gründung der Frauen-Auswahl.

Der WM-Gastgeber hatte schon früh einen ersten Tiefpunkt zu verkraften. Kim Kulig erlitt eine schwere Knieverletzung und musste sich bereits in der Anfangsphase auswechseln lassen. Der Ausfall hinterliess zunächst keine Spuren. Die DFB-Equipe bestürmte die Asiatinnen während der ersten Hälfte ohne Pause - aber auch ergebnislos. Das wog zu schwer; wohl auch für Birgit Prinz, die dreifache Weltfussballerin des Jahres, die abermals auf der Ersatzbank nur tatenlos zusehen musste. Für sie war es der womöglich unschöne Abschluss der Nationalmannschafts-Karriere. Sie hatte schon vor dem Endrunden-Turnier angekündigt, der Landes-Auswahl in Zukunft nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Whites Fehlschuss

Englands französischer Albtraum endete auch in Leverkusen nicht. In der 88. Minute verspielte die Auswahl der Trainerin Hope Powell den 1:0-Vorteil - die Pariserin Elise Bussaglia hob den Ball gekonnt ins Netz. Und auch die erfolgreiche Parade von Keeperin Bardsley zum Auftakt des Penaltyschiessens genügte nicht: Die Französinnen verwerteten die restlichen vier Versuche souverän, derweil Captain Faye White den Ball im entscheidenden Moment an die Oberkannte der Latte setzte. "Les Bleues" hingegen bejubelten den wichtigsten Erfolg ihrer Laufbahn. Sie sind auf WM-Niveau erstmals in die Runde der letzten vier vorgestossen.

Wambachs Kopfball

Nicht minder dramatisch verlief der Match zwischen den Olympiasiegerinnen aus den USA und Brasilien. Die Südamerikanerinnen führten bis in die 122. Minute mit 2:1, ehe ihre Torhüterin Andreia eine Flanke unterlief und Abby Wambach in Unterzahl (Rachel Buehler hatte Rot gesehen) per Kopf den verdienten Ausgleich erzielte. Einen rabenschwarzen Abend in Dresden erwischte auch Daiane. Die brasilianische Verteidigerin schoss in der 2. Minute ein Eigentor und im Penaltyschiessen wurde ihr Versuch von Hope Solo pariert. So blieb für Star-Stürmerin Marta, die in der regulären Spielzeit per Foulpenalty und zu Beginn der Verlängerung per Innenpfosten getroffen hatte, im Endeffekt nur Enttäuschung übrig. Während Brasilien bei den Männern Rekord-Weltmeister ist, warten die Frauen vom Zuckerhut weiterhin auf ihren ersten WM-Titel.

Ein Trost haben Marta und Birgit Prinz noch: Mit jeweils 14 Treffern stehen sie an der Spitze der ewigen Torschützenliste bei Frauenfussball-Weltmeisterschaften.

Resultate:
Frauen-WM in Deutschland. Viertelfinals. In Leverkusen: England - Frankreich 1:1 n.V., Frankreich 4:3-Sieger im Penaltyschiessen. - In Wolfsburg: Deutschland - Japan 0:1 n.V. - In Augsburg: Schweden - Australien 3:1. - In Dresden: Brasilien - USA 2:2 n.V., USA 5:3-Sieger im Penaltyschiessen. - Halbfinals am Mittwoch: Japan - Schweden, Frankreich - USA.

 

(fest/Si)

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