Kann Spanien gegen Italien gewinnen?
publiziert: Samstag, 21. Jun 2008 / 23:00 Uhr / aktualisiert: Samstag, 21. Jun 2008 / 23:25 Uhr

Aufgrund der Leistungen in der Vorrunde müsste Spanien am Sonntag als Favorit in den Viertelfinal gegen Italien gehen. Doch die «Furia Roja» versagte zuletzt in K.o.-Runden immer. Ganz anders die Azzurri. Sie steigern sich nach harzigem Start meistens.

Aragones gegen Donadoni - Die «Rote Furie» gegen das «Blaue Team»
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Zwei Wörter benennen für viele Spanier das Böse im Fussball: Squadra Azzurra. Wiederholt rühmte man sich gegen die widerborstigen Italiener mit der besseren Spielkultur und wähnte sich dank besserer Form in einer trügerischen Sicherheit.

Doch am Ende zog Spanien immer den Kürzeren. So war es an der EM 1988 (0:1), und so war es zuletzt an der WM 1994 (1:2). Ja, so war es immer in den letzten 88 Jahren, wenn es zählte.

Deshalb verwundert es nicht, dass sich nur 16 Prozent der Spanier bei einer Internet-Umfrage der Zeitung «AS» vor den letzten Gruppenspielen Weltmeister Italien als Viertelfinal-Gegner wünschten.

Auch Trainer Luis Aragones stiess ins gleiche Horn: «Das ist nicht der Gegner, den ich bevorzuge. Vielleicht sind sie nicht in der besten Form, aber man kann sich nicht darauf verlassen. Die Italiener kämpfen wie kein anderes Team.»

Spanien und seine Vergangenheit

Der Respekt vor dem Weltmeister ist bei den Spaniern gross. Doch die Iberer kämpfen im Viertelfinal nicht nur gegen die «Azzurri», sondern auch ein wenig gegen die eigene Vergangenheit. Schon x-mal ist die «Selección» fast schwebend leicht durch die Vorrunde getänzelt und dann, als aus Spass Ernst wurde, bei erster Gelegenheit gescheitert.

Vor zwei Jahren machten sie diese Erfahrung an der WM in Deutschland. Den drei Siegen in den Gruppenspielen folgte die Niederlage im Achtelfinal gegen Frankreich, das sich - analog zu Italien an der diesjährigen EM - mit viel Mühe und auf den letzten Drücker in die K.o.-Phase quälte.

Die Halbfinals erreichten die Spanier bei einer Endrunde nach ihrem einzigen Titelgewinn (1964) nur noch einmal; das war 1984, als sie an der EM in Frankreich sogar in den Final vorstiessen.

Nachdem Luis Aragones in der letzten Partie der Vorrunde gegen Griechenland ein Ersatzteam nominiert hatte, sind seine Stammkräfte nun ausgeruht. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Mittelfeldspieler Andres Iniesta, der als einziger der Leistungsträger alle drei Gruppenspiele bestritt.

Italien ohne Pirlo und Gattuso

Derweil muss Italiens Coach Roberto Donadoni weiter an seiner Mannschaft basteln. Weil Gennaro Gattuso und Andrea Pirlo gesperrt sind, wird er wieder mindestens zwei Ändernungen vornehmen. Massimo Ambrosini sowie Alberto Aquilani und/oder Mauro Camoranesi dürften in die Mannschaft rücken. «Es ist unwichtig, wer spielt. Wir haben 23 gute Spieler. Bei uns kann jeder jeden ersetzen», sagte Gattuso zu den ungewollten Rochaden.

Falsch liegt er damit nicht. Schon bei der erfolgreichen WM vor zwei Jahren hatte Coach Marcello Lippi erst nach den Viertelfinals die Aufstellung gefunden, der er später auch im Final vertraute. Zuvor war die Squadra Azzurra auch unter ihm ein (erfolgreiches) Experimentierfeld gewesen.

Die steten Wechsel haben Italien an der EM bisher zumindest nicht schlechter gemacht. Die Weltmeister sind von Spiel zu Spiel besser geworden und sind jetzt, da die Vorrunde vorbei ist, wieder in den Kreis der Titelkandidaten aufgerückt. «Ich habe keinen Zweifel, dass wir jedes Team schlagen können», sagte Donadoni.

Luca Toni bleibt zuversichtlich

Trotzdem werden die Italiener Pirlos Ideen vermissen. Der Milan-Stratege hatte quasi über Nacht seine Form gefunden und war mit dem Römer Daniele De Rossi gegen Frankreich überragend. «Er kann dich immer wieder in Abschlussposition bringen», sagte Stürmer Luca Toni. Nun muss der bisher erfolglose Toni seinen ersten EM-Treffer ohne die Zuspiele von Pirlo anstreben.

Ohnehin hat Italien bislang aus dem Spiel heraus noch kein Tor erzielt. Christian Panucci traf nach einem Corner, Pirlo mittels Foulpenalty und De Rossi nach einem abgefälschten Freistoss. Doch einer wie Luca Toni verliert deshalb nicht den Mut. «Wenn der Knoten platzt, dann treffen wir wie gewohnt.» Oder wie Luis Aragones sagte: «Man kann den Italienern nie trauen.»

Spanien - Italien
Sonntag, 20.45 Uhr. - Ernst-Happel-Stadion, Wien. - SR Fandel (De).

Möglichen Aufstellungen:
Spanien: 1 Casillas; 15 Ramos, 5 Puyol, 4 Marchena, 11 Capdevila; 19 Senna; 6 Iniesta, 8 Xavi, 21 Silva; 7 Villa, 9 Torres.

Italien: 1 Buffon; 19 Zambrotta, 2 Panucci, 4 Chiellini, 3 Grosso; 13 Ambrosini, 10 De Rossi, 22 Aquilani/20 Perrotta; 16 Camoranesi/20 Perrotta, 18 Cassano; 9 Toni.

Bemerkung: Italien ohne Pirlo und Gattuso (beide gesperrt) sowie Barzagli (verletzt).

(von Stefan Wyss/Si)

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