Kroatien machte keine Geschenke
publiziert: Montag, 16. Jun 2008 / 20:45 Uhr / aktualisiert: Montag, 16. Jun 2008 / 23:02 Uhr

Polen hat die «Mission impossible» auch wegen einer «Angsthasen-Taktik» nicht gelöst und ist nach einer weiteren enttäuschenden Leistung ausgeschieden. Kroatien, das fast ausschliesslich mit den Reserven antrat, siegte in Klagenfurt dank eines Treffers von Comeback-Star Ivan Klasnic (52.) 1:0.

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Die Vorgabe war klar: Polen musste mit mindestens zwei Toren Unterschied gewinnen und gleichzeitig auf österreichische Schützenhilfe hoffen. Für den Teil des Schicksals, den die Osteuropäer selber in der Hand hatten, wählte Trainer Leo Beenhakker eine reichlich ungewöhnliche Taktik: Er verbannte Ebi Smolarek auf die Ersatzbank. Der Teamkollege von Fabio Coltorti bei Racing Santander hatte an dieser EM noch nicht überzeugt, war aber in der Qualifikation Topskorer mit neun Treffern gewesen.

In Abwesenheit von Smolarek fühlte sich bei den Polen kaum jemand für die Offensivproduktion zuständig und so konnte sich Kroatiens «B-Team» in aller Ruhe einspielen. Slaven Bilic hatte seinen Stammspielern, die gegen Österreich und Deutschland vorzeitig den Gruppensieg sichergestellt hatten, eine Ruhepause gegönnt, mit Blick auf den Viertelfinal gegen die Türkei vom Freitag nahm er nicht weniger als neun Wechsel vor.

Dem Spielfluss der taktisch enorm flexiblen Kroaten tat dies keinen Abbruch: Sie kamen schon vor der Pause zu mehreren guten Chancen, vor allem durch den früheren Basler Ivan Rakitic, der deutlich gefährlicher war als Mladen Petric, und durch Ivan Klasnic.

Krönung des märchenhaften Comebacks

Klasnics Führungstreffer, den er mit einer sehenswerten Direktabnahme erzielte, war die Krönung eines tollen Comebacks und dürfte mit Ausnahme der polnischen Fans alle gefreut haben. Der 28-Jährige hat eine besondere Leidensgeschichte hinter sich, die seit mehr als zwei Jahren andauert und ist nun der erste Spieler, der mit einer Spenderniere einen EM-Match bestritt (und auch noch skorte).

Alles begann damit, als Klasnic im November 2005 bei einer Blinddarm-Operation schlechte Nierenwerte diagnostiziert wurden. Im Januar 2007 unterzog er sich schliesslich einer Transplantation, doch sein Körper stiess die von seiner Mutter gespendete Niere ab. Erst die zweite Operation, als ihm im März die Niere seines Vaters eingepflanzt wurde, war erfolgreich.

Und während viele Experten sicher waren, die Karriere des Kroaten sei beendet, liess Klasnic keinen Zweifel offen: «Ich will wieder Fussball spielen.» Schon acht Monate später gab er sein Comeback in der Bundesliga, mit Werder Bremen will er nun aber nichts mehr zu tun haben, vielmehr wirft er der medizinischen Abteilung des Klubs Versagen vor und hat eine Klage angekündigt.

Zu späte Offensivbemühungen

In der letzten halben Stunde, nun endlich mit Smolarek, zeigten die Polen dann so etwas wie Offensivdrang. Smolarek (dreimal), Guerreiro und Zahorski vergaben ausgezeichnete Ausgleichschancen, insgesamt war der Sieg der Kroaten aber verdient.

Der polnische Trainer wird sich vor allem die Frage gefallen lassen müssen, weshalb er nicht offensiver spielen liess. Noch in der Qualifikation hatte sein Team in 14 Partien 24 Treffer erzielt, diesmal gab es in 270 Minuten nur ein mageres Tor durch einen erst im April eingebürgerten Brasilianer (Guerreiro), dem erst noch der Abseitsmakel anhaftete. Hohen Ansprüchen genügte im Turnierverlauf einzig Keeper Artur Boruc.

Ungelöste Probleme auf und neben dem Rasen

Polen wird auch in vier Jahren wieder am Start sein, da das Land zusammen mit der Ukraine den Zuschlag für die Ausrichtung der Endrunde erhalten hat. Zu den in Österreich offenbarten Problemen auf dem Rasen kommen in nächster Zeit etliche andere: Beide Co-Organisatoren sind mit dem Stadienbau im Verzug, zudem fehlt es auch noch vielerorten an der Infrastruktur, wie sie normalerweise an einem kontinentalen Turnier üblich sind. Polen verfügt zudem über eine gefährliche Hooligan-Szene und während der EURO verfehlte die Boulevardpresse den Ton mehr als nur einmal.

Polen - Kroatien 0:1 (0:0)

Wörthersee-Stadion, Klagenfurt. - 30'460 Zuschauer(ausverkauft). - SR Kassaras (Grie). - Tor: 52. Klasnic 0:1.

Polen: Boruc; Wasilewski, Zewlakow, Dudka, Wawrzyniak; Murawski, Lewandowski (46. Kokoszka); Krzynowek, Lobodzinski (55. Smolarek), Guerreiro, Saganowski (68. Zahorski).

Kroatien: Runje; Simic, Vejic, Knezevic (26. Corluka), Pranjic; Leko, Vukojevic; Pokrivac, Rakitic; Klasnic (74. Kalinic), Petric (74. Kranjcar).

Bemerkungen: Polen ohne Blaszczykowski, Kuszcaz und Zurawski (alle verletzt). Verwarnung: 38. Lewandowski (Foul). 45. Vejic (Foul). 84. Zahorski (Foul). 86. Vukojevic (Foul).

(Von Marco Keller/Si)

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