Mit «Capitan Futuro» in die Gegenwart
publiziert: Mittwoch, 18. Jun 2008 / 13:44 Uhr

Grossen Anteil am italienischen Sieg gegen Frankreich hatte das Mittelfeld. Unterstützt vom bissigen Gennaro Gattuso, waren Andrea Pirlo und Daniele De Rossi sowohl als Spielgestalter wie auch als Defensiv-Strategen omnipräsent. Gegen Spanien lastet nun in Abwesenheit des Milan-Stars der Druck allein auf «DDR».

Daniele De Rossi bei seinem Gewaltsschuss zum 2:0 gegen Frankreich.
Daniele De Rossi bei seinem Gewaltsschuss zum 2:0 gegen Frankreich.
«Sag mir, wie Andrea Pirlo spielt und ich sag dir, wie gut es der Mannschaft geht.» In den letzten Jahren liess sich die Frage nach dem «Gesundheitszustand» von Milan und der italienischen Nationalmannschaft vereinfacht damit beantworten.

2006 war der Mann aus Brescia auf dem Weg zum WM-Titel ebenso «instrumental» wie 2007 beim Champions-League-Triumph der «Rossoneri».

In der abgelaufenen Saison schwächelte Pirlo hingegen, was sich beim stolzen Mailänder Klub mit Platz 5 und dem Achtelfinal-Out in der Champions League in einer veritablen «Lungenentzündung» äusserte.

Rechtzeitig in Form gekommen

Und die Negativ-Tendenz schien sich in der Schweiz fortzusetzen. Pirlo blieb gegen Holland (wie alle) deutlich unter seinem Rendement und auch gegen Rumänien einiges schuldig.

Mit der italienischen Spezialität, dem sportlichen Messer am Hals, lief es dann aber wieder besser: Pirlo war gegen Frankreich so stark wie üblich, legte seinen Stürmern dreimal den Ball pfannenfertig auf die Füsse und verwertete den Foulpenalty zum erlösenden 1:0 eiskalt.

«Ich bin froh, dass mir gerade heute ein sehr gutes Spiel gelungen ist», befand der 29-Jährige.

«Ich musste das Foul machen»

Uneingeschränkt war die Freude Pirlos aber nicht: Noch vor der Pause stand fest, dass er im Viertelfinal fehlen würde.

Sein Foul mit Gelbfolge war allerdings nötig, weil Simone Perrotta verletzt im gegnerischen Strafraum lag, der ansonsten gute Lubos Michel weiterspielen liess und Raymond Domenech seine Spieler - höchst unsportlich - anfeuerte, gerade jetzt möglich rasch zu spielen.

«Es wäre eine gefährliche Aktion gewesen, ich musste das Foul machen», so Pirlo in den überfüllten Katakomben des Letzigrunds, «aber ich bin nicht besorgt, weil nun Gattuso und ich fehlen. Wir haben sehr gute Alternativen.»

«Man of the Match»

Während sich Massimo Ambrosini, Mauro Camoranesi, Simone Perrotta und eventuell sogar Alberto Aquilani für die übrigen Mittelfeld-Plätze anbieten, hat einer seinen Platz auf sicher: Daniele De Rossi. Der 24-Jährige wurde nach der Partie zu Recht zum «Man of the Match» gewählt.

Er erzielte nicht nur (mit Glück) das 2:0, sondern provozierte nach einer langen Aktion auch den Freistoss, der fast zum 2:0 geführt hätte (Fabio Grossos Freistoss prallte an den Pfosten) und zog mit Pirlo die Fäden.

Seine eigene Leistung wollte er nicht ins Zentrum stellen: «Wichtig ist viel mehr, dass wir gewonnen und reagiert haben. Die Kritiken der letzten Tage waren völlig überzogen. Ihr könnt Euch ja gar nicht vorstellen, welcher Elan in unserer Kabine herrscht, schliesslich sind wir Weltmeister.»

Kung-Fu-Kämpfer

Für De Rossi könnte der Dienstag Abend der späte Beginn einer Liebesbeziehung mit der Schweiz gewesen sein, nachdem er gegen Rumänien nicht überzeugt und gegen Holland sogar nicht gespielt hatte.

Und die früheren Erinnerungen waren noch schlechter: 2006 hatte er den Unmut auf sich gezogen, als er in einem Test-Länderspiel gegen Xavier Margairaz in Kung-Fu-Manier nachtrat.

Mit jenem Spieler, dem auch zwei Wochen später im WM-Spiel gegen die USA die Sicherungen durchbrannten und der für seinen Ellbogenschlag mit vier Spielsperren belegt wurde, hat er heute nichts mehr gemeinsam.

In der abgelaufenen Serie-A-Saison spielte er ligaweit am meisten gelungene Pässe (2364) und war bezüglich Anzahl Spielminuten in den Top ten unter den Feldspielern.

Zudem nimmt der Ur-Römer seine Liebe zur AS nicht mehr so wörtlich: Während er vor Jahren getreu den Klubfarben in praktisch jeder Partie akut (gelb-)rotgefährdet war, hat er heute kaum mehr Aussetzer. In 34 Partien brachte er es «nur» auf 12 gelbe Karten, bei den begangenen Fouls rangiert er nicht einmal unter den Top 50.

Ritterschlag für Defensivspieler

Spielintelligenz, unerschöpfliche läuferische Fähigkeiten, Kampfgeist sowie Polyvalenz sind die Ingredienzen, die ihn für jeden Trainer praktisch unersetzlich machen.

Bei gegnerischem Ballbesitz spielt er oft quasi als dritter zentraler Verteidiger. Dank aller dieser Fähigkeiten haben ihm die Fans in der Ewigen Stadt den Übernamen «Capitan Futuro» verliehen, er soll dereinst die Nachfolge eines gewissen Francesco Totti antreten.

In der Nationalmannschaft hat er dies phasenweise schon. Im WM-Final - just nach Ablauf seiner Sperre - ersetzte er den angeschlagenen Totti und traf im Penaltyschiessen. «Jenes Tor war noch wichtiger als dieses», so der verheiratete Familienvater.

Seit Herbst 2007 trägt er in der Nationalmannschaft die Rückennummer 10, die vorher Totti gehörte. Im Land der «fantasisti», der kreativen Spielmacher, der Ritterschlag schlechthin für einen eher defensiv orientierten Spieler.

Lob für Sergio Ramos

De Rossi hat die Partie gegen Frankreich schon abgehakt und blickt nun dem südeuropäischen Derby entgegen: «Spanien ist für mich das Team, das in diesem Turnier am meisten Talent hat. Alle sprechen immer von Torres, Villa, Fabregas oder Xavi. Ich finde, wir dürfen Sergio Ramos nicht vergessen. Er ist für mich im Moment der beste Verteidiger der Welt.»

Es wird auch an De Rossi liegen, dessen Vorstösse zu unterbinden. Getreu dem Motto: «Sag mir, wie Daniele De Rossi spielt...»

(von Marco Keller /Si)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 11°C 16°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Basel 12°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
St. Gallen 10°C 24°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Bern 11°C 16°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Luzern 12°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen freundlich
Genf 12°C 18°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Lugano 14°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten