Nach dem Aus: Ronaldo als schlechter Verlierer
publiziert: Donnerstag, 1. Jul 2010 / 08:54 Uhr

Trotz nur einem Gegentreffer in vier Spielen endete der portugiesische Traum vom grossen Coup an der WM in Südafrika bereits im Achtelfinal. Der Grund für das Scheitern der Lusitaner liegt in der Offensive.

Unerhörte Gebete: Cristiano Ronaldo.
Unerhörte Gebete: Cristiano Ronaldo.
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So stark die Nummer 3 des FIFA-Rankings am Kap der Guten Hoffnung in der Defensive agierte, so schwach präsentierte sich Portugal im Spiel nach vorne.

Nur beim 7:0 gegen die inferioren Nordkoreaner gelang Cristiano Ronaldo und Co. in der zweiten Halbzeit ein Schützenfest. Gegen die Elfenbeinküste, Brasilien und Spanien wurde dem Angriff der «Selecçao» die Limiten schonungslos aufgezeigt -- trotz Cristiano Ronaldo, dem teuersten Fussballer der Welt.

Wie so oft konnte der grosse Individualist im Nationalteam nicht reüssieren. Je länger die Partie gegen Spanien dauerte und je mehr die Künste des Flügelstürmers von Madeira gefragt gewesen wären, desto mehr dribbelte sich Ronaldo ins Abseits. Sekunden vor dem Anpfiff hatte der 25-Jährige mit ausgebreiteten Armen seinen Blick nach oben in den wolkenverhangenen Himmel über dem Green Point Stadium in Kapstadt gerichtet. Die Gebete wurden nicht erhört. In der Schlussphase, als Spanien mit dem 1:0 im Rücken die Partie zu dominieren begann, verwarf Ronaldo nur noch die Hände. Zwei Freistösse, ein herrlicher Seitenwechsel mit gekreuzten Beinen aus dem Stand heraus und ein paar gescheiterte Dribblings waren die magere Ausbeute des Superstars.

Spuckattacke auf Kameramann

Nach der Partie zeigte sich Ronaldo zudem als schlechter Verlierer. Beim Verlassen des Spielfelds spuckte er einem Kameramann vor die Füsse. «Ich fühle mich am Boden zerstört, total verzweifelt, frustriert und unvorstellbar traurig», so Ronaldo. Zumindest übernahm er als Captain ein Teil der Verwantwortung für das Scheitern seiner Mannschaft. Auch in den portugiesischen Medien bekam der 'Galaktische' sein Fett weg. Der 'Correio da Manha' sah eines der schlechtesten Länderspiele des 25-Jährigen und die grosse Sport-Zeitung 'A Bola' schrieb, Ronaldo habe die WM ohne Spuren verlassen.

Der Captain war das Sinnbild für die schwache portugiesische Offensive an diesem Turnier. Ein Goalgetter hatte Portugal in der Vergangenheit in den wichtigen Spielen schon immer gefehlt. Dank ihrer spielerischen Klasse und technischen Rafinesse hatten die 'Brasilianer Europas' trotz mangelnder Chancenauswertung ihre Gegner aber trotzdem vielfach in die Knie gezwungen. Nicht so in Südafrika.

Simão enttäuscht

Neben Ronaldo enttäuschte auch Simão, seit Jahren der zweite Fixstarter im portugiesischen Angriff, auf der ganzen Linie. Und im Sturmzentrum konnten weder Danny, Hugo Almeida noch der eingebürgerte Brasilianer Liedson das alte Leid beheben. Dass die beste portugiesische Chance im Bruderduell nach einem Ablenker von Spaniens Verteidiger Carles Puyol enstand, war an diesem nasskalten Abend in Kapstadt symptomatisch.

Die portugiesischen Stars an dieser Endrunde waren atypischerweise für einmal ganz hinten zu finden. Torhüter Eduardo verhinderte gegen Spanien mit diversen mirakulösen Paraden eine höhere Niederlage und ist ein Kandidat für das All-Star-Team. Auch beim Tor von Villa hatte der 27-jährige Newcomer von Sporting Braga den ersten Abschlussversuch des Stürmers noch pariert. Es war erst der vierte Gegentreffer, den Eduardo im 19. Länderspiel zulassen musste. Zuvor war er 764 Minuten in Folge ungeschlagen geblieben und stellte damit einen nationalen Rekord auf.

Solide Verteidigung

Vor Eduardo überzeugte auch das Innenverteidiger-Duo Bruno Alves und Ricardo Carvalho. Und der rechte Aussenverteidiger Fabio Coentrao gehört zu den Entdeckungen des Turniers. In der Vorrunde neutralisierten sie sowohl die ivorische Offensive als auch diejenige Brasiliens. Und gegen Spanien kontrollierten sie den Gegner bis auf Villas Tor sehr gut.

Vor allem der 32-jährige Carvalho bewies in den Tagen von Südafrika, dass er noch immer zu den besten zentralen Abwehrspielern der Welt gehört. Einst von Jose Mourinho beim FC Porto entdeckt und gefördert, ist er nicht nur im Nationalteam sondern auch bei Chelsea seit Jahren eine feste Grösse. In London gehören die Schlagzeilen zwar vorwiegend John Terry, für die defensive Ordnung beim englischen Double-Gewinner sorgt aber in erster Linie Carvalho.

Auch wenn sich die portugiesische Abwehr in Südafrika so sattelfest wie noch nie präsentierte, gereicht hat es einmal mehr nicht. Zum wiederholten Mal reist eine talentierte portugiesische Generation mit leeren Händen nach Hause.

(von Christian Finkbeiner, Kapstadt/Si)

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