Coach Egil Olsen bangt um seinen Job
Norwegen mit einigen Problemzonen
publiziert: Freitag, 12. Okt 2012 / 14:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 12. Okt 2012 / 16:32 Uhr
Norwegens Trainer Egil Olsen hat Sorgen im Sturm.
Norwegens Trainer Egil Olsen hat Sorgen im Sturm.

Norwegen hat vor dem WM-Qualifikationsspiel in der Schweiz einige Sorgen. Der Auftakt gilt im eigenen Land mit nur drei Punkten aus zwei Spielen als misslungen. Nationaltrainer Egil Olsen ist aufgrund seiner Methoden umstritten. Und im Sturm hat er ein Problem.

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Ein schwedisches Fussballmagazin hatte in seiner aktuellen Ausgabe die Köpfe der Nationaltrainer der nächsten zwei Schweizer Gegner Norwegen (Egil Olsen) und Island (Lars Lagerbäck) auf dem Titelblatt abgebildet. Mit Dinosaurier-Körpern und der Überschrift: «Tiki-taka? Nein danke». Damit wurde auf den Punkt gebracht, was in Norwegen viele Experten denken - und auch schreiben oder erzählen. Olsen steht für einen veralteten Stil, rustikal, schnörkellos. «Meinen Spielern ist es verboten, rückwärts oder quer zu passen, wenn es irgendwie anders geht», sagte der 70-jährige Coach diese Woche in der «Neuen Zürcher Zeitung». «Wir spielen nicht planlos nach vorne. Und wenn der Gegner den Ball hat: kein Problem. Dann jagen wir ihn permanent.»

Im Erfolgsfall bekommt der Coach, zumal er Norwegen während seiner ersten Amtszeit zwischen 1990 und 1998 an zwei Weltmeisterschaften geführt hat, Lob für seinen Stil. Und Olsen war durchaus erfolgreich. Norwegen schloss das Qualifikationspensum zur EM 2012 als punktgleicher Dritter (mit Portugal) ab und schaffte es so in Topf 1 für die WM-Qualifikation 2014. Der enttäuschende Start in die neue Kampagne mit der Niederlage in Island und dem knappen Sieg gegen Slowenien war aber Wasser auf die Mühlen der zahlreichen Kritiker. Er zeigte auf, dass Olsens Taktik mit langen und hohen Bällen antiquiert ist.

Technische Defizite

Dass physische Qualitäten längst nicht mehr genügen, um etwa in der Premier League zu bestehen, bekam Norwegen besonders zu spüren. Stürmer wie Tore André Flo, Steffen Iversen oder John Carew hatten in England genau deshalb zu den Publikumslieblingen gehört, weil sie körperlich mithielten und in regelmässigen Abständen trafen. Heute stehen mit den stämmigen Fulham-Verteidigern Brede Hangeland und John Arne Riise nur noch zwei Akteure aus der Premier League in Olsens Aufgebot. «Mehr hat Norwegens Fussball aktuell auch nicht zu bieten», heisst es leicht verbittert aus Skandinavien. Bemängelt werden vor allem die noch immer vorhandenen technischen Defizite.

Der Einsatz von neuen und technisch beschlagenen Kräften wie den 22-jährigen Magnus Wolff Eikrem (Molde, 5 Länderspiele) oder Havard Nordtveit (Mönchengladbach/6) oder dem ein Jahr jüngeren Valon Berisha (Salzburg/6) sind ein klares Zeichen dafür, dass sich Norwegens Nationalteam im Umbruch befindet. Nordtveit erzählte seinem Schweizer Teamkollegen Granit Xhaka allerdings unlängst, die optimale Mischung zwischen jung und alt sei noch nicht gefunden. Das Pech einiger arrivierter Spieler wie Morten Gamst Pedersen (von Premier-League-Absteiger Blackburn) oder Alexander Tettey (Norwich) ist, dass sie im Klub und folglich auch im Nationalteam keinen (Stamm-)Platz mehr haben. Olsen setzt die Devise, dass nur spielt, wer im Verein regelmässig zum Einsatz kommt, konsequenter um als Ottmar Hitzfeld.

Olsens Sorgen mit den Stürmern

Mit dem Ausfall von Mohammed Abdellaoue hat sich nun das grösste Problem des Schweizer Gegners akzentuiert. Hinter dem Stürmer von Hannover, der im Nationaldress allerdings auch seit September 2011 nicht mehr getroffen hat, klafft eine grosse Lücke. Für das dritte Gruppenspiel hat Olsen die Wahl zwischen Joshua King (20) und Alexander Söderlund (25). King spielt für die Reserven von Manchester United, war in den letzten zwei Jahren aber mehrheitlich ausgeliehen oder verletzt und hat in seiner Karriere erst ein Ligator erzielt. Söderlund, der schon in der italienischen Serie C1, in Belgiens zweiter Liga und in Island unter Vertrag stand, hat für den norwegischen Erstligisten Haugesund heuer immerhin zehn Mal getroffen.

Abdellaoues Alternativen sind für Norwegen kein wirklicher Hoffnungsträger, dass das wichtigste Problem subito gelöst wird. Denn die Stürmer der Skandinavier strahlten heuer alles andere als Torgefahr aus. Die zehn Treffer in den neun Länderspielen des Jahres fielen zur Hälfte nach Standardsituationen, keines davon durfte sich ein Angreifer gutschreiben lassen.

Trainer unter Druck

Sollte die «Landslag» auch heute in Bern und am Dienstag auf Zypern kein gutes Resultat abliefern, dürfte sich die zweite Periode von «Drillo» als Nationalcoach dem Ende zuneigen. Es heisst aus Oslo, der Verband habe bereits Per-Mathias Högmo kontaktiert. Noch ist der 52-Jährige als Trainer des norwegischen Erstligisten Tromsö angestellt. Olsens Sturheit könnte aber schon bald das Glück eines anderen werden. Und wohl auch zur erhofften Änderung des Stils führen.

(bg/Si)

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