Österreich im «Endspiel» gegen Deutschland
publiziert: Sonntag, 15. Jun 2008 / 23:15 Uhr

Co-Gastgeber Österreich blieb das Schicksal der Schweizer erspart. Am Montag steigt in Wien (20.45 Uhr) ihr «Endspiel» gegen das grosse Deutschland. Doch die Aufgabe wird schwer: Nur mit einem Sieg können die Österreicher darauf hoffen, im Rennen zu bleiben.

Schaffen die Österreicher ein zweites «Wunder von Cordoba»?
Schaffen die Österreicher ein zweites «Wunder von Cordoba»?
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Selbst bei einem Triumph über Deutschland braucht es noch die Hilfe der bereits als Gruppensieger qualifizierten Kroaten, die fast alle ihre Cracks im gleichzeitig in Klagenfurt stattfindenden Spiel gegen Polen pausieren lassen.

Polen müsste aber um ein Tor höher gewinnen als Österreich. In diesem Fall entschieden die in allen Gruppenspielen erzielten Tore oder allenfalls der Koeffizient aus der Qualifikation (hier ist Polen besser).

Österreichs Boulevard-Medien haben die Stimmung schon kräftig angeheizt. «Die Deutschen haben die Hosen voll», behauptete die Tageszeitung «Österreich», Trainer Joachim Löw sei ein «Abschuss-Kandidat», Goalie Jens Lehmann ein «Fliegenfänger» und Captain Michael Ballack der «Regisseur Flasche leer».

Und über allem schwebt natürlich Cordoba, wo die Österreicher 1978 bei der WM in Argentinien ihren bisher letzten Sieg in einem Pflichtspiel feierten.

Diplom-Ingenieur Posch

Die Hysterie um das 3:2 von Cordoba mag zwar verwundern, denn für Österreich ging es am 21. Juni 1978 um nichts mehr. Krankl, Prohaska, Hickersberger und Co. waren zu diesem Zeitpunkt schon ausgeschieden.

Aber unvergesslich wurde das Ereignis vor allem durch die Radio-Reportage von Edi Finger senior. Um das zu verstehen, muss man sich einige Auszüge jener wahnwitzigen Übertragung nochmals zu Gemüte führen:

«Da kommt Krankl, in den Strafraum - Schuss - Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer´ narrisch. Krankl schiesst ein - 3:2 für Österreich! Meine Damen und Herren, wir fallen uns um den Hals, der Kollege Rippel, der Diplom-Ingenieur Posch - wir busseln uns ab. ... Und warten´s noch ein bisserl, warten´s no a bisserl, dann können wir uns vielleicht ein Vierterl genehmigen. ... I glaub jetzt hammas gschlagn! ... aber Burschen jetzt follts net um hinten, bleibts aufrecht stehn ... Eine Möglichkeit für Abramczik. Und!? Daneeeeben! Also der Abraaaamczik - obbusseln möcht´ i den Abramczik dafür. Jetzt hat er uns gehooolfn. Allein vor dem Tor stehend. Der braaave Abramczik hot daneben gschossn. ... Und jetzt trau i mi scho gar net mehr hinschauen. Aussigschossen ins Out. ... Und jetzt ist auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus! Deutschland geschlagen, meine Damen und Herren, nach 47 Jahren kann Österreich zum ersten Mal wieder Deutschland besiegen!»

Löws Rückkehr ins Ernst-Happel-Stadion

Seither haben die Österreicher gegen Deutschland nur noch ein einziges Mal gewonnen. Im Oktober 1986 siegten sie 4:1, dank je zwei Toren von Toni Polster, dieser Tage für das Schweizer Fernsehen im Einsatz, und Reinhard Kienast, dem Onkel des aktuellen Nationalspielers Roman Kienast. Aber das war nur ein Freundschaftsspiel.

In Deutschland erwartet man eine Reaktion auf das 1:2 gegen Kroatien. Bundestrainer Joachim Löw, der am 20. April 2002 im Wiener Ernst-Happel-Stadion als damaliger Trainer des FC Tirol schon einmal einen Titel geholt hat, mag gar nicht daran denken, dass Deutschland zum dritten Mal in Serie an einer EM-Endrunde in der Vorrunde scheitert: «Wir werden in den Viertelfinal einziehen. Aber wir wissen auch: Die Österreicher spielen gegen ihren Erzrivalen, da wird etwas mehr Testosteron und Kampfpotenzial freigesetzt.»

Den Deutschen genügt zwar ein Unentschieden fürs Weiterkommen, «aber», so Löw, «wir spielen auf Sieg.»

Scolari: Deutschland oder Österreich

Der Bundestrainer wird einige Änderungen vornehmen (müssen). Bastian Schweinsteiger ist gesperrt, in der Abwehr fällt Marcell Jansen mit einer Schulterzerrung aus, im Angriff wackelt die Position von Mario Gomez. Die Österreicher müssen auf den gesperrten Verteidiger Sebastian Prödl verzichten.

Wer immer sich letztlich aus der Gruppe B im Kampf um Platz 2 durchsetzt, wird seinen nächsten Auftritt in Basel haben.

Mit Portugal steht der Gegner bereits fest. Deren Trainer Luiz Felipe Scolari glaubt nicht an die Chance der Polen: «Wir bereiten uns auf Deutschland oder Österreich vor.»

Kroatien mit Petric und Rakitic

Auch für Polens Verteidiger Michal Zewlakow ist klar: «Wir brauchen ein Wunder und müssen dafür beten.» Viel wird davon abhängen, wie sich Kroatien präsentiert. Coach Slaven Bilic wird ein B-Team nominieren, was erstens legitim und zweitens sinnvoll erscheint.

In einem Spiel, in dem es nicht mehr um alles geht, werden die Ersatzleute wohl eher an ihre Grenzen gehen als die Stammspieler. Auch gegen ein B-Team gewinnt sich nicht so leicht. An der EM 2000 machten die Deutschen diese Erfahrung. Gegen die bereits qualifizierten Portugiesen, die damals alle ihre Stars schonten, verloren sie damals ihr letztes Gruppenspiel 0:3 und schieden aus.

Bilic hat bereits angekündigt, wer mit Bestimmtheit fehlen wird. Es sind dies Robert Kovac, Darijo Srna, Josip Simunic und Luka Modric, die alle mit einer Gelben Karte vorbelastet sind. Zudem werde er auch die angeschlagenen Igor Budan und Ivica Olic ebenso schonen wie Niko Kovac.

Vom Stammgerüst dürften indes die beiden ´Schweizer´ Mladen Petric und Ivan Rakitic mit dabei sein. Und fix ist auch, dass der kroatische Rekord-Internationale Dario Simic in seinem 99. Länderspiel die Captainbinde tragen wird. Ein Comeback wird wohl auch Ivan Klasnic feiern. Er wäre der erste Spieler, der bei einem grossen Turnier mit einer Spender-Niere zum Einsatz gelangt.

Die möglichen Aufstellungen:
Österreich - Deutschland (Gruppe B)

Montag, 20.45 Uhr. -- Ernst-Happel-Stadion, Wien. -- SR Mejuto Gonzalez (Sp).

Österreich: 21 Macho; 17 Hiden, 3 Stranzl, 4 Pogatetz; 14 Garics, 6 Aufhauser, 10 Ivanschitz, 19 Säumel, 5 Fuchs; 20 Harnik, 9 Linz.

Deutschland: Lehmann; 3 Friedrich, 17 Mertesacker, 21 Metzelder, 16 Lahm; 4 Fritz, 8 Frings, 13 Ballack, 20 Podolski; 9 Gomez, 11 Klose.

Bemerkungen: Österreich ohne Prödl (gesperrt), Deutschland ohne Schweinsteiger (gesperrt) und Jansen (verletzt).

Polen - Kroatien (Gruppe B)
Montag, 20.45 Uhr. -- Wörthersee-Stadion, Klagenfurt. -- SR Vassaras (Grie).

Polen: 1 Boruc; 13 Wasilewski, 14 Zewlakow, 6 Bak, 4 Golanski; 18 Lewandowski, 5 Dudka; 17 Lobodzinski, 20 Guerreiro, 8 Krzynowek; 7 Smolarek.

Kroatien: 1 Pletikosa; 5 Corluka, 2 Simic, 15 Knezevic, 22 Pranjic; 16 Leko, 13 Pokrivac, 8 Vukojevic, 7 Rakitic; 17 Klasnic, 21 Petric.

Bemerkungen: Polen ohne Blaszczykowski, Kuszczak und Zurawski (alle verletzt).

(rr/Si)

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