Reaktionen nach den Ausschreitungen in Basel
publiziert: Sonntag, 14. Mai 2006 / 18:57 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Mai 2006 / 19:30 Uhr

Bern - Bundesrat Samuel Schmid bedauert die Ausschreitungen nach dem Fussballspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich vom Samstag ausserordentlich.

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Für den Sportminister liefern die Vorfälle den Beweis, dass es das Hooligan-Gesetz braucht.

Verlierer bei solchen Vorfällen sei ganz sicher der Sport, zitierte Schmid-Sprecher Jean-Blaise Defago auf Anfrage den Sportminister. Jeder Sportinteressierte unterstütze deshalb das Hooligan-Gesetz und sei gegen das Referendum, das von Fanclubs lanciert wurde.

Das schliesse auch ein, dass die Fans diverser Fussball- und Eishockeyclubs die Unterschriftensammlung für das Referendum allenfalls abbrechen müssen, sagte Defago weiter.

Nur durch den Ausschluss von Randalierern kehre in den Stadien wieder Ruhe ein, liess sich der Sportminister weiter zitieren.

Randalierer-Datenbank

Die Fans von Fussball- und Eishockeyvereinen hatten die Unterschriftensammlung Mitte April lanciert.

Kurz zuvor hatten Stände- und Nationalrat die Änderungen des Bundesgesetzes über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS) an der Frühlingssession behandelt und verabschiedet.

Zentrales Element der Vorlage ist eine Datenbank, in der notorische Randalierer erfasst werden. Weiter sieht das BWIS eine Meldepflicht, Rayonverbote und Ausreisesperren vor, um Hooligans von den Stadien fernzuhalten.

Sicherheit für EURO 08 und Eishockey-WM

Die Massnahmen können gegen Jugendliche ab 12 Jahren verhängt werden. Als schärfste Massnahme können Personen ab 15 Jahren für längstens 24 Stunden in Polizeihaft genommen werden. Polizeihaft, Rayonverbot und Meldepflicht sind vorerst bis Ende 2009 befristet.

Mit den Gesetzesänderungen wird sicher gestellt, dass an der Fussball-Europameisterschaft EURO 08 sowie an der Eishockey- Weltmeisterschaft Hooligans härter angepackt werden können.

Über weitere Konsequenzen der Ausschreitungen für die Sicherheit an diesen Sportanlässen konnte sich Defago noch nicht äussern.

Reaktionen:

Samuel Schmid (Bundesrat): «Verlierer ist ganz sicher der Sport. Nur über einen Ausschluss von solchen Randalierern wird in den Stadien wieder Ruhe eintreten.»

Raplh Zlozcower (SFV-Präsident): «Das ist bitter, unannehmbar und skandalös. Das darf sich ganz einfach nie mehr wiederholen. Unser Image ist ramponiert. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Sache in Ordnung bringen, nicht zuletzt im Hinblick auf die Europameisterschaft 2008.»

Thomas Helbling (Präsident der Sicherheits- und Fan-Kommission der Swiss Football League): «Was geschehen ist, ist sehr gravierend. Aber wir dürfen daraus nicht ein Basler Problem machen. Es gibt keinen Super-League-Verein ohne gewalttätige Fans. Das Problem ist nicht die Tatsache, dass die Fans auf den Rasen dringen können, sondern dass ein Teil der Fans mit einer unglaublichen Gewaltbereitschaft ins Stadion kommt.»

Martin Kallen (CEO Euro 08): «Ich denke nicht, dass die Vorfälle in Basel Konsequenzen haben für die Europameisterschaft. Es ist aber anzunehmen und wünschenswert, dass die Liga jetzt Massnahmen ergreift. Es gilt präventive Lösungen zu finden, damit die Klubs solche Unruhestifter aus den Stadien auszuschliessen.»

Peter Stadelmann (Präsident der Swiss Football League): «Ich habe den Fussball gern, solche Bilder tun dem Herzen weh. Die Verantwortung trägt der Heimklub. Es wird Konsequenzen geben, falls sich erhärten sollte, dass nicht alles unternommen worden ist, die Sicherheit zu gewährleisten. Was am Samstag passierte, darf nicht sein. Die Zeit der Verharmlosung muss vorbei sein. Bis jetzt haben wir mehrfach relativ harmlos sanktioniert. Man muss Szenarien wie eine Teilsperrung des Stadions oder Geisterspiele ins Auge fassen. Dass wir das Hooligan-Gesetz brauchen, hat jetzt aber hoffentlich auch der Letzte kapiert.»

Alhassane Keita (FCZ-Stürmer): «Es war nicht einfach. Alle glaubten wohl, der FCB werde wieder Meister. Es war für sie schwierig, die Niederlage zu akzeptieren. Ich sah, wie vier auf mich losgehen wollten und suchte Hilfe bei einem Polizisten. Man musste sich ja irgendwie verteidigen gegen diese Leute.»

Fredy Bickel (FCZ-Sportchef): «Bereits vor einem Jahr hat man es verpasst, diesem Theater einen Riegel zu schieben. Vor unserem Cupfinal gegen Luzern wiesen wir die Basler daraufhin, einen Zaun zu installieren, um einen Platzsturm zu vermeiden. Ein Jahr später stellen wir fest, dass man gar nichts gelernt hat. Gegen die Falschen Bussen auszusprechen, reicht eben nicht. Uns wurde vor dem Spiel gegen Basel versichert, man habe alles unter Kontrolle. Konsequenzen sind wohl unumgänglich -- für alle.»

(ht/sda)

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