Erkenntnis im Skandal
Rückzahlung von DFB bewusst falsch deklariert
publiziert: Freitag, 4. Mrz 2016 / 14:37 Uhr / aktualisiert: Freitag, 4. Mrz 2016 / 15:01 Uhr
Der Deutsche Fussball-Bund zahlte ein Darlehen über 6,7 Millionen Euro.
Der Deutsche Fussball-Bund zahlte ein Darlehen über 6,7 Millionen Euro.

Die Rückzahlung des dubiosen Darlehens über 6,7 Millionen Euro durch den DFB an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus ist vom WM-Ausrichter von 2006 bewusst verschleiert worden.

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Zu dieser Erkenntnis kamen die vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) beauftragten Prüfer der Kanzlei Freshfields. Wie deren Experte Christian Duve am Freitag bei einer Pressekonferenz sagte, hätten die damaligen WM-OK-Mitglieder Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger ihren Plan im April 2005 umgesetzt, die Rückzahlung über eine fingierte Überweisung an ein FIFA-Konto vorzunehmen. Der Betrag wurde als Zuschuss für die geplante WM-Gala an den Weltverband deklariert.

Von dem FIFA-Konto, das namentlich auf den heutigen Interimsgeneralsekretär des Weltverbandes Markus Kattner lief, floss die Summe dann an ein Konto von Louis-Dreyfus weiter. Als die WM-Gala im Januar 2016 abgesagt wurde, habe es vom DFB keine Rückzahlungsforderung gegeben. Louis-Dreyfus hatte dem DFB drei Jahre zuvor den Betrag von 6,7 Millionen Euro respektive 10 Millionen Franken geliehen.

Laut Freshfields floss das Geld anschliessend über das Schweizer Advokatbüro Gabriel & Müller nach Katar auf ein Konto, deren einziger Gesellschafter der mittlerweile lebenslang gesperrte ehemalige FIFA-Funktionär Mohamed bin Hammam war. Dieser bestreitet laut Freshfields aber, das Geld bekommen zu haben. Zuständig für die Geldflüsse seitens des DFB war der damalige Bewerbungs- und Organisationschef Franz Beckenbauer.

Keine Beweise für Bestechung

Die Kernfrage um die WM 2006 dagegen bleibt ungeklärt. Auch die vom DFB beauftragten Ermittler können nicht beweisen, ob vor dem Zuschlag für das Sommermärchen bestochen wurde. Die Rolle von Franz Beckenbauer ist weiter dubios. Geld floss jedenfalls auch nach Katar.

Wie der Deutsche Fussball-Bund (DFB) bekannt gab, hätten die Wirtschaftsexperten keinen Beleg für einen Stimmenkauf für den Zuschlag für die WM 2006 nachweisen können. Bestechung sei aber auch nicht grundsätzlich auszuschliessen, hiess es in dem vorgestellten Freshfields-Bericht.

Niersbach entlastet

Partiell entlastet wird Ex-DFB Präsident Wolfgang Niersbach, dem laut Freshfields keine Kenntnis der Vorgänge vor 2015 nachzuweisen sind. Insgesamt befragte die Kanzlei 31 Beteiligte. «Wir konnten nicht alle Personen sprechen, die wir sprechen wollten», sagte Christian Duve von Freshfields. So habe sich etwa der frühere FIFA-Chef Joseph Blatter nicht geäussert. Auch seien nicht alle Akten verfügbar gewesen.

Die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer stellte die Ergebnisse ihrer monatelangen Ermittlungen am Freitag zunächst dem 45-köpfigen Vorstand des Deutschen Fussball-Bundes vor. Der DFB hatte durch den Skandal grossen Schaden genommen, Niersbach trat im November zurück. Im Kern geht es um eine dubiose Zahlung von 10 Millionen Franken, die das WM-Organisationskomitee nach eigenen Angaben über den früheren Adidas-Chef Louis-Dreyfus an den Weltverband FIFA leistete.

(bg/Si)

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