Russland - Spanien: Was war, zählt nicht mehr
publiziert: Mittwoch, 25. Jun 2008 / 21:30 Uhr

Russland und Spanien standen in den Achtzigerjahren letztmals in einem EM-Halbfinal. Jetzt scheinen die Russen in der besseren Form zu sein; trotz des 1:4 zum EM-Auftakt gegen Spanien.

Guus Hiddink hat in seinen zwei Jahren in Russland gelernt, dass zu viel Ruhm schnell ungesund sein kann.
Guus Hiddink hat in seinen zwei Jahren in Russland gelernt, dass zu viel Ruhm schnell ungesund sein kann.
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Die Favoriten kommen und gehen an dieser EM. Seit letztem Samstag schwärmen die Fans zwischen Lissabon und Moskau, und zwischen Palermo und Helsinki nicht mehr von Holland, Portugal und Spanien, sondern von den grandiosen Russen.

Ihr sensationeller Sturmlauf gegen Holland hat beeindruckt und in der Heimat eine immense Euphorie ausgelöst. 16 Tage nach dem 1:4 zum EM-Start gegen den heutigen Halbfinal-Gegner Spanien scheint die «Sbornaja» ungebremst dem Titel entgegenzustürmen.

Doch Trainer Guus Hiddink warnt: «Wir haben uns ohne Zweifel sehr gesteigert, aber Favorit bleibt Spanien.»

«Kein Gedanke an die Revanche»

Der Holländer hat ein feines Sensorium für die Abläufe rund um und innerhalb seines Teams. Und so manches scheint ihm nicht gefallen zu haben in den letzten Tagen.

So hat er kurzerhand den Medientermin der Spieler nach dem Training am Dienstag gestrichen, «weil ich nicht wollte, dass ihnen jetzt zu viel Aufmerksamkeit zuteil wird.»

Hiddink hat in seinen zwei Jahren in Russland gelernt, dass zu viel Ruhm schnell ungesund sein kann. Auch nicht erfreut war er über Spieler, die in den letzten Tagen häufig davon sprachen, sich für das 1:4 in der Vorrunde revanchieren zu wollen.

«Wir müssen solche Gedanken verhindern. Dann spielen wir ungestüm und dumm wie in der ersten Partie in Innsbruck, als wir uns anstellten wie eine Schülermannschaft.»

Ein Spiel zum Geniessen

Vielmehr forderte Hiddink seine Mannschaft auf, diesen Halbfinal in Wien zu geniessen. «Ein solches Spiel kommt vielleicht einmal im Leben vor. Egal was passiert, meine Spieler werden davon profitieren können. Und wenn man eine solche Partie geniesst, dann spielt man meistens auch gut.»

Einer, der in diesen Tagen besonders gut spielt, ist Andrej Arschawin. Der Stürmer fehlte in den ersten beiden Partien wegen einer Sperre. Das dürfte heute Abend womöglich der grösste Unterschied sein zum Spiel vom 10. Juni in Innsbruck.

Neu besetzt sein wird auch die russische Innenverteidigung. Nachdem Roman Schirokow seinen Platz nach den vier Gegentoren zum Auftakt an Sergej Ignaschewitsch verloren hatte, muss Hiddink heute auf den gesperrten Stammspieler Denis Kolodin verzichten. Er dürfte durch Alexej Beresuzki ersetzt werden.

Alle Spanier an Bord

Keine personellen Fragezeichen gibt es bei den Spaniern. Luis Aragones vertraut auf die gleichen Kräfte wie zuletzt beim Sieg im Penaltyschiessen gegen Italien. Da macht der 69-Jährige keine Geheimnisse. «Was soll ich gross um die Sache herumreden. Hiddink kennt uns ganz genau. Ich kann ihn ohnehin nicht überraschen.»

Der 4:1-Sieg gegen den Halbfinal-Gegner war natürlich auch im Lager der Spanier im Tiroler Stubaital ein Thema. Selbstredend waren sich alle einig, dass er gar nichts mehr zu bedeuten habe. Stellvertretend für die anderen sprach Cesc Fabregas ins Mikrofon: «Wenn wir glauben, dass es deswegen für uns einfach wird, dann sind wir schon 0:1 im Rückstand.»

Ausgerechnet in Gelb

Nach der ersten Halbfinal-Qualifikation seit 24 Jahren sei man schnellstmöglich zum Alltag übergegangen, so Fabregas. «Wir sind nicht an die EM gereist, um die Viertelfinals zu überstehen. Wir wollen das Maximum erreichen.»

Wie viel für die Spanier jetzt noch drin liegt? Während einige Medienvertreter euphorisiert vom Sieg gegen den Weltmeister schon eine Hand am Pokal wähnen, ist anderen nicht entgangen, dass die Formkurve der «Seleccion» nach dem fulminanten Start eher nach unten zeigt - ganz im Gegensatz zu derjenigen der Russen, die gemäss Aragones zudem «physisch das stärkste Team der vier Halbfinalisten haben.»

Trotzdem ist Aragones überzeugt, dass «die Aktien für Spanien gut stehen.» Daran ändert auch nichts, dass die Iberer den Halbfinal als «Gastmannschaft» bestreiten und daher in ihren gelben Auswärtstrikots antreten müssen. Denn die Farbe Gelb mag Aragones gar nicht. «Unsere Kinder durften niemals etwas Gelbes anziehen», sagte seine Frau. 1984, beim letzten Halbfinal, trug Spanien jedenfalls Rot - und gewann gegen Dänemark.

Russland - Spanien
Donnerstag, 20.45 Uhr. - Ernst-Happel-Stadion, Wien. - SR De Bleeckere (Be).

Mögliche Aufstellungen:
Russland: 1 Akinfejew; 22 Anjukow, 4 Ignaschewitsch, 5 Beresuzki, 18 Schirkow; 11 Semak; 17 Syrjanow, 20 Semschow, 15 Biljaletdinow; 10 Arschawin, 19 Pawljutschenko.

Spanien: 1 Casillas; 15 Sergio Ramos, 5 Puyol, 4 Marchena, 11 Capdevila; 19 Senna; 6 Iniesta, 8 Xavi, 21 Silva; 7 Villa, 9 Torres.

Bemerkung: Russland ohne Kolodin und Torbinski (beide gesperrt).

(von Stefan Wyss, Wien/Si)

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