U21-Neuling Orhan Ademi im Porträt
Schritt für Schritt auf dem Weg nach oben
publiziert: Donnerstag, 11. Okt 2012 / 10:20 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Okt 2012 / 11:22 Uhr
Orhan Ademi stellte schon mehrmals seine exzellenten Jokerqualitäten unter Beweis.
Orhan Ademi stellte schon mehrmals seine exzellenten Jokerqualitäten unter Beweis.

Die Schweizer U21-Nationalmannschaft bestreitet am Freitag in Leverkusen gegen Deutschland das Barrage-Hinspiel für die EM 2013 in Israel. Trainer Pierluigi Tami zählt dabei erstmals auf den Stürmer Orhan Ademi von Eintracht Braunschweig. Ademis Weg ist ungewöhnlich.

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Orhan Ademi ist der Senkrechtstarter der letzten Wochen. Im Sommer hatte der 20-jährige Rheintaler von Rheindorf Altach aus der österreichischen 2. Liga nach Deutschland in die 2. Bundesliga zu Eintracht Braunschweig gewechselt - und dort gleich für Aufsehen gesorgt. Im ersten Meisterschaftsspiel gegen Absteiger Köln schoss Ademi wenige Sekunden nach seiner Einwechslung mit seiner ersten Ballberührung überhaupt den Siegtreffer, mittlerweile hat er schon dreimal getroffen und ist in jedem Spiel zum Einsatz gekommen. Zuletzt beim 3:0 gegen Bochum spielte Ademi erstmals 90 Minuten durch.

Wer ist dieser 20-Jährige mit mazedonischen Wurzeln, der nie in ein einem Schweizer Spitzenklub gespielt hat und deswegen hierzulande kaum bekannt ist? Ademi wuchs in Altstätten SG auf und spielte während seiner Jugend bei Au-Berneck. Nach der obligatorischen Schulzeit wechselte er 2008 über die Grenze zu Altach, wo er zuerst in der Vorarlbergliga zum Einsatz kam, ehe Urs Schönenberger ihn im November 2008 erstmals in die 1. Mannschaft beförderte. Auch dort bewies der 1,88 m grosse Mittelstürmer seinen Torinstinkt, traf in 94 Einsätzen 30 Mal, obwohl er in seiner letzten Saison oft nur noch als Joker eingewechselt wurde.

«Step by step»

Mit seinen Toren in Altach machte Ademi in Deutschland und Österreich auf sich aufmerksam. Aufgrund des laufenden Einbürgerungsverfahren waren dem Stürmer bis in diesem Sommer allerdings für einen Transfer die Hände gebunden, da er in der Schweiz wohnen musste, um den roten Pass erhalten zu können. Ademi entschied sich für Braunschweig, nachdem er mit Trainer Torsten Lieberknecht und Sportchef Marc Arnold lange Gespräche geführt hatte. «Das Konzept hat mich überzeugt. Der Trainer setzt auf junge Spieler und will diese weiterbringen», so Ademi. «Wir spielen taktisch sehr flexibel und passen unser System dem Gegner und der Spielsituation an.» Braunschweig, 1967 Deutscher Meister, ist nach neun Runden noch ohne Niederlage und führt die Tabelle der 2. Bundesliga souverän an.

Ademi hat sich in der fussballverrückten Stadt im Norden Deutschlands gut eingelebt und sich den gestiegenen Anforderungen schnell angepasst. «Man hat viel weniger Zeit. Und es wird wesentlich härter gespielt.» Trotz des guten Saisonstarts bleibt Ademi bescheiden, «step by step» lautet sein Motto. «Wir schauen von Spiel zu Spiel. Ich setze mich nicht unter Druck und mache auch keinen Stress, wenn ich einmal nicht spiele. Ich bin in Braunschweig, um mich weiterzuentwickeln.» Auch als Persönlichkeit will Ademi reifen, ist er doch das erste Mal weg von seiner Familie, die in Heerbrugg lebt. Bei der Eintracht hat Ademi einen Vertrag bis 2015 unterschrieben, mit dem Ziel irgendwann einmal in der 1. Bundesliga zu spielen.

Alles ist möglich

Mit seinem Wechsel nach Braunschweig hat sich Ademi erhofft, in den Fokus der Nationalmannschaft zu rücken. Dass er für die Schweiz spielen wird, war für ihn immer klar. «Ich bin hier aufgewachsen, in die Schule gegangen und fühle mich als Schweizer», so Ademi, der seit wenigen Wochen den Schweizer Pass besitzt. Aus Mazedonien, dem Heimatland seiner Eltern, kam nie eine Anfrage, dafür vom österreichischen Verband. «Aber das war für mich kein Thema.»

Dass er nun erstmals in der Schweizer U21 dabei ist, macht Ademi «schon ein wenig stolz». Vor Gegner Deutschland hat er zwar Respekt, aber keine Ehrfurcht. «Wir dürfen sie nicht überschätzen. Sie sind nicht stärker als Spanien.» Mit zwei perfekten Leistungen sei alles möglich, so Ademi. Noch wird der Rheintaler in der internen Hierarchie hinter Josip Drmic und Haris Seferovic anstehen müssen. Dass er über exzellente Jokerqualitäten verfügt, hat Ademi aber bereits zu Genüge bewiesen. Diese könnten gegen den Favoriten spätestens im Rückspiel am Dienstag in Luzern gebraucht werden.

(bg/Si)

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