Schweizer Sturm -- wie weiter nach Frei-Out?
publiziert: Dienstag, 10. Jun 2008 / 09:05 Uhr

Soll die Schweiz morgen Abend gegen die Türkei mit vollem Risiko oder mit angezogener Handbremse angreifen? Eine Auslegeordnung 24 Stunden vor dem wichtigsten Schweizer Länderspiel seit dem WM-Achtelfinal gegen die Ukraine vor zwei Jahren.

Die Schweiz muss Druck machen: Marco Streller.
Die Schweiz muss Druck machen: Marco Streller.
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Alex Frei fällt mit seiner Knieverletzung sechs Wochen aus. Damit ist Nationalcoach Köbi Kuhn schon im zweiten EM-Spiel seines Captains und wichtigsten Stürmers beraubt. Wer soll die Lücke gegen die Türkei schliessen?

Die Ausgangslage ist klar: Nur ein Sieg über die Türken hält den Schweizern die Türe für eine Viertelfinal-Teilnahme offen.

Dreikampf wahrscheinlich

Aufgrund der ersten beiden Spiele scheint gut möglich, dass die Portugiesen alle drei Partien gewinnen und sich die anderen drei Mannschaften in der Gruppe gegenseitig die Punkte stehlen.

Bei dieser Variante würden die Schweiz, Tschechien und die Türkei die Gruppenphase mit je drei Zählern beenden. Gemäss Reglement kämen dann die weiteren Modus-Punkte zur Anwendung: 1. Punkte aus den Direktbegegnungen der punktgleichen Teams (da hätten alle drei Teams ebenfalls je drei Zähler erobert) und 2. die Tordifferenz aus den Direktbegegnungen.

Wie gegen Tschechien?

Nach der 0:1-Niederlage gegen die Tschechen ist klar, dass die Schweiz gegen die Türkei nicht nur gewinnen, sondern möglichst deutlich siegen muss. Bei dieser Konstellation erscheint das gegen Tschechien in der zweiten Halbzeit (ohne Frei) angewendete System nicht die ideale Taktik zu sein.

Mit Marco Streller als einsamer Sturmspitze und Hakan Yakin dahinter verfügt die Schweiz über zu wenig Offensiv-Power. Zudem ist die Spielweise zu stereotyp angelegt. Hohe Bälle auf Streller, der sie auf seine nachfolgenden Mitspieler ablegen soll, können gegen die kampfstarken Türken nicht das Erfolgsrezept sein.

Fans mitreissen

Gefragt ist eine variable Spielweise mit abwechslungsweise hohen und flachen Bällen in den Rücken der gegnerischen Abwehr. Mit Dribblings und präzisen Flankenbällen von den Seiten. Die Schweiz muss von Beginn weg viel Druck machen. Wesentlich mehr Druck als gegen die Tschechen. Ideal wäre, früh ein erstes Tor zu schiessen und die Türken damit herauszulocken.

Die Offensiv-Power soll auch die Schweizer Fans auf den Rängen von Beginn weg mitreissen und sie zum unentwegten Anfeuern ihres Teams verleiten. Mit einer vorsichtigen und abwartenden Spielweise zu Beginn würde man nur den Gegner und dessen Fans aus der Reserve locken.

Raute muss her!

Wer die obigen Anforderungen erfüllt sehen will, kommt unweigerlich nicht um einen System-Wechsel im Schweizer Team herum. Die Raute muss wieder her! Soll heissen: Hakan Yakin agiert hinter zwei Sturmspitzen als dritter Angreifer. Dieser Taktik würde Gelson Fernandes als defensiver Mittelfeldspieler zum Opfer fallen. Und die defensive Verantwortung auf den beiden Aussenspielern Tranquillo Barnetta und Valon Behrami würde damit nochmals grösser.

Mit dieser Variante würde auch die plötzlich aufgekommene Diskussion um den Fitnessstand von Barnetta hinfällig. Der Leverkusener, der selber mit seiner Leistung gegen Tschechien «trotz ein, zwei Fehlern, als ich am Gegenspieler hängenblieb» zufrieden war, wird sich gegen die Türken zweifellos noch steigern können und wieder zur Leaderfigur emporwachsen.

Barnetta ist im Schweizer Team so wichtig für die offensive Spielgestaltung wie Patrick Müller für die Abwehr. Seine Ersetzung durch Johan Vonlanthen würde der Mannschaft unnötig zusätzlich benötigte Substanz rauben.

Vonlanthen neben Streller

Weil sich Vonlanthen zurzeit jedoch in absoluter Bestform befindet, ist es absoluter Luxus, den Salzburger Stürmer eine Stunde oder noch länger auf der Bank zu belassen. Vonlanthen soll in der Spitze als Gegensatz zum langsameren und unbeweglicheren, dafür aber grösseren und kopfballstärkeren Streller agieren. Er wäre der ideale Ergänzungsspieler zu Streller und auch zu Yakin, der mit Streller den Doppelpass und mit dem pfeilschnellen Vonlanthen das gut getimte Steilzuspiel anwenden kann.

Den jungen Eren Derdiyok anstelle von Vonlanthen neben Streller spielen zu lassen, wäre ein zu grosses Risiko. Der Basler spielt beim FCB hinter Streller in zurückgezogener Position und seine Spielweise ähnelt der von Streller zu sehr. Derdiyok könnte zu Beginn für Streller eingesetzt werden. Noch besser aber ist es, ihn vorerst auf der Bank zu belassen und ihn für Streller zu bringen, wenn dieser wegen seiner Leistenbeschwerden nicht mehr weiterspielen könnte. Erst Derdiyok zu nominieren und ihn dann durch Streller zu ersetzen, macht wenig Sinn. Was wäre, wenn der eingewechselte Streller nicht mehr weiterspielen könnte?

Inler stärker gefordert

Würde mit dieser offensiveren Variante die eigene Abwehr zu stark entblösst? Nicht die Abwehr, nur das defensive Mittelfeld. Gökhan Inler wäre noch stärker als Aufräumer gefordert und die beiden Aussenverteidiger dürften sich weniger vehement in den Angriff vorwagen. Dafür aber hätte die Offensive mehr Power und das Publikum wäre zweifellos begeistert von dieser Spielweise.

Alles oder nichts im (vorerst) wichtigsten Spiel dieser EM oder die Vorsicht regieren lassen? Die Antwort wird erst nach der Partie gegeben sein. Die Weichen zum Sieg werden durch Coach Köbi Kuhn vor Spielbeginn gestellt, für die richtige Fahrt ins Ziel sind dann die Spieler auf dem Rasen zuständig.

(von René Baumann, Feusisberg/Si)

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gute Aufstellung
Ihre Aufstellung ist wirklich die sinnvollste. Eventuell wäre trotzdem in Erwägung zu ziehen, Derdijok von Anfang an für Streller zu bringen, da ich nicht sicher bin, ob Streller seinen Kopf für dieses enorm wichtige Spiel wirklich frei hat nach seinen umstrittenen Aussagen in den letzten Wochen. Ein Derdijok kann auch 90 min durchspielen, wenn er seine Leistung abrufen kann. Wenn er zu schwach wäre, könnte man immernoch Streller für ihn bringen.
Schweizer Sturm gegen die Türkei
Hier gilt, alles oder nichts. Ihre Aufstellung in der Raute ist die richtige Lösung. Voraussetzung dabei ist, dass die Spieler die physische Leistung für 90 Minuten erbringen können.
Roger
 
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