Spanien gewinnt Bruderduell
publiziert: Mittwoch, 30. Jun 2010 / 00:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 30. Jun 2010 / 07:58 Uhr

Spanien steht an der WM in Südafrika im Viertelfinal. Der Europameister gewann in Kapstadt das erste iberische Duell an einer WM-Endrunde gegen Portugal dank eines Treffers von David Villa in der 63. Minute 1:0 und trifft nun am Samstag auf Paraguay.

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Mit dem Sieg revanchierte sich Spanien erfolgreich für die Niederlage vor sechs Jahren an der EM in Portugal. Das 0:1 hatte damals das Aus für die «Seleccion» nach der Vorrunde bedeutet.

 

Der Erfolg Spaniens im wundervollen Green Point Stadium war aufgrund der letzten halben Stunde hochverdient. Nach der Einwechslung von Fernando Llorente erwachte Spanien in der Offensive aus seiner Lethargie und wurde immer dominanter. Torhüter Eduardo verhinderte mit zwei mirakulösen Paraden gegen Sergio Ramos (70.) und Villa (77.) die vorzeitige Entscheidung.

Eine Viertelstunde zuvor war portugiesische Torhüter gegen den Nachschuss Villas aber machtlos gewesen. Der 28-jährige Stürmer sorgte mit seinem bereits vierten Turniertreffer für die entscheidende Zäsur, als er den Ball im zweiten Anlauf über Eduardo via Lattenunterkante ins Netz hob. Die Vorarbeit zum einzigen Treffer des Abends hatte Xavi mit der Schuhsohle geleistet, Villa stand dabei wohl um wenige Zentimeter im Offside.

Erster portugiesischer Gegentreffer

Für Portugal und Eduardo war es der erste Gegentreffer an diesem Turnier. 764 Minuten war der Torhüter von Braga zuvor in der Nationalmannschaft nicht bezwungen worden. Die nationale Rekordmarke dürfte ihn allerdings kaum über die erste Niederlage in seinem 19. Länderspiel hinwegtrösten. Portugal verlor nach acht Spielen ohne Niederlage erstmals wieder.

Villas Treffer hatte sich allerdings kurz zuvor angekündigt. Llorente war nur wenige Sekunden nach seiner Einwechslung mit einem Kopfball aus kürzester Distanz an Eduardo gescheitert (60.). Und keine ganze Minute später flog der Schuss von Villa um Millimeter am langen Pfosten vorbei. Es war der Auftakt zu einer spektakulären letzten halben Stunde der «Seleccion», der bislang besten Phase des Europameisters an diesem Turnier. Portugal bot sich gegen Ende keine reelle Ausgleichschance mehr, stattdessen kassierte Ricardo Costa nach einem vermeintlichen Ellbogenschlag gegen Joan Capdevila noch die Rote Karte (89.)

Starke Defensivreihen

Vor der spanischen Schlussoffensive war das Spiel lange Zeit von zwei starken Defensivreihen geprägt. Vor allem die portugiesische Verteidigung knüpfte nahtlos an ihre überzeugenden Vorstellungen aus der Vorrunde an, wo sie als einzige der 32 Mannschaften ohne Gegentreffer blieb. Nur in den ersten zehn Minuten waren die Spanier gefährlich zum Abschluss gekommen. Eduardo konnte aber sowohl die Schüsse von Fernando Torres (1.) als auch zweimal von Villa (3./7.) souverän entschärfen.

Danach herrschte für lange Zeit Funkstille im spanischen Angriff. Das Innenverteidiger Duo Bruno Alves und Ricardo Carvalho standen der Offensive um Xavi, Villa und Torres nicht die gewünschten Räume für ihre Ballstafetten zu. Vor allem Liverpool-Stürmer Torres blieb wirkungslos und konnte sich kaum einmal in Szene setzen. Auch seine Kollegen rieben sich am portugiesischen Abwehrriegel auf. Vielfach fehlte die nötige Präszision beim letzten Pass, um die Lusitaner in Verlegenheit zu bringen.

Blasser Ronaldo

Ruhig blieb es auch um Cristiano Ronaldo. Der teuerste Fussballer der Welt konnte einmal mehr in einem wichtigen Länderspiel nicht die entscheidenden Akzente setzen. Ein Freistoss aus 30 Metern, den sein Klubkollege Iker Casillas ohne Not abprallen liess, war die einzige nennenswerte Aktion des portugiesischen Captains (28.). Für mehr Gefahr sorgten Tiago und Hugo Almeida, der überraschend für die Startaufstellung nominiert worden war. Einen Schuss Tiagos konnte Casillas erst im zweiten Anlauf kurz vor der Linie mit der Hand wegschlagen (21.), Almeidas Querpass lenkte Puyol mit dem Knie um Zentimeter am eigenen Tor vorbei (52.).

Bis zur angeblichen Tätlichkeit von Ricardo Costa war das erste iberische Duell an einer WM sehr fair verlaufen, obwohl viel auf dem Spiel gestanden war. Der ausgezeichnete argentinische Schiedsrichter Hector Baldassi musste nur zweimal Gelb zücken. Die Verwarnung gegen Xabi Alonso in der 74. Minute wegen eines Foulspiels war die erste und bisher einzige gelbe Karte gegen Spanien an diesem Turnier.

Spanien - Portugal 1:0 (0:0)
Green Point Stadium, Kapstadt. - 62'955 Zuschauer. - SR Baldassi (Arg). - Tor: 63. Villa 1:0.

Spanien: Casillas; Sergio Ramos, Piqué, Puyol, Capdevila; Busquets, Xabi Alonso (93. Marchena); Iniesta, Xavi, Villa (88. Pedro); Torres (59. Llorente).

Portugal: Eduardo; Ricardo Costa, Ricardo Carvalho, Bruno Alves, Fabio Coentrao; Pepe (72. Mendes); Cristiano Ronaldo, Tiago, Raul Meireles, Simao (72. Liedson); Hugo Almeida (58. Danny).

Bemerkung: Portugal ohne Duda und Amorim (beide verletzt). Platzverweis: 89. Ricardo Costa (angebliche Tätlichkeit). Verwarnungen: 74. Xabi Alonso (Foul). 80. Tiago (Foul).

 

(Christian Finkbeiner, Kapstadt/Si)

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