Spanien stürmt mit modernem Fussball den Gipfel
publiziert: Montag, 30. Jun 2008 / 07:13 Uhr / aktualisiert: Montag, 30. Jun 2008 / 09:49 Uhr

44 Jahre nach dem EM-Titel im eigenen Land steht Spanien wieder auf Europas Fussball-Gipfel. Nach vielen Triumphen beim Nachwuchs stürmten die Iberer mit attraktivem Spiel verdient zum Erfolg. Der älteste Coach der EM hat eine Auswahl mit Teamgeist und modernster Spielgestaltung geformt.

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Ausgerechnet bei ihrem schlechtesten Auftritt an dieser EM bewiesen die Spanier, dass sie nun reif sind für den Titel. Im Viertelfinal gegen Italien wollten sie einfach keinen Weg finden durch das Bollwerk der «Azzurri».

Aber die jungen Spanier spielten geduldig, blieben ruhig, rannten nicht ungestüm an und liefen letztlich gegen die Weltmeister nicht ins Verderben wie es womöglich in früheren Jahren noch geschehen wäre.

Und am Ende eines langen und langweiligen Fussball-Abends waren sie die Sieger, gewannen das Penaltyschiessen, nachdem sie zuvor x-mal bei Turnieren in der Kurz-Entscheidung gescheitert waren.

Mehr Spieler in Führungspositionen

Dass der Wind für Spanien im Jahr 2008 gedreht hat, ist nicht bloss eine Laune des Schicksals. Genauso wie man das jahrelange, mehr oder minder frühe Scheitern bei WM und EM auch nicht allein mit parapsychologischen Ansätzen («Spanier können nichts gewinnen») erklären konnte. Die Analyse geht tiefer.

Die aktuelle «Seleccion» hat nicht zwingend mehr Talent als frühere Auswahlen, aber sie vereint mehr Spieler, die in Grossklubs Führungspositionen einnehmen (Puyol, Iniesta, Xavi) oder den Sprung ins Ausland gewagt haben (Torres).

Ähnliche Qualitäten wies die spanische Auswahl letztmals wohl vor rund 20 Jahren auf, als die Generation um die Real-Stars Butragueño, Michel und Italien-Legionär Martin Vasquez vergebliche Jagd auf internationale Erfolge machte.

Der uneingeschränkte Teamgeist

Was das Team von Luis Aragones zudem auszeichnet (und von früheren Auswahlen unterscheidet) ist der uneingeschränkte Teamgeist. Der Coach selbst hat daran mit der Ausbotung von Real-Captain Raul grossen Anteil.

Grüppchen, die sich im Nationalteam über die Jahre gebildet hatten und dem Erfolg hinderlich gewesen waren, wurden quasi über Nacht aufgelöst. «Noch nie war es angenehmer, im Nationalteam zu spielen als jetzt», sagte Xavi, der 1:0-Schütze im Halbfinal.

Ein Beispiel für den Gemeinschaftssinn der Gruppe ist die Tatsache, dass Xabi Alonso (Liverpool) beim Essen am gleichen Tisch sitzt wie Marcos Senna (Villarreal), obwohl dieser ihm den Stammplatz weggeschnappt hat.

Phänomenale Ersatzbank

Neben diesen Vorzügen ausserhalb des Rasenvierecks begeistert das spanische Ensemble aber eben auch in seinem Kerngeschäft. «Es war über das gesamte Turnier das konstanteste Team», hatte auch der deutsche Teammanager Oliver Bierhoff erkannt.

Der bald 70-jährige Aragones atmete auf der Bank bisweilen zwar schwer, doch er liess seine Mannen den modernsten Fussball aller 16 Teams spielen: «One-Touch-Football», oder eben «Tiqui-Taca», wie sie diese Art in Spanien nennen.

Und im Gegensatz zu anderen Ländern waren die Iberer auch nicht von einzelnen Namen abhängig. Denn zu den Reservisten gehörten Spieler wie der Arsenal-Regisseur Cesc Fabregas und Xabi Alonso, der mit Liverpool schon die Champions League gewann, oder Daniel Güiza, der Pichichi (Torchützenkönig) mit Mallorca in der Primera Division.

Und das beste am spanischen Triumph: die Mannschaft hat die Zukunft noch vor sich. Von der Final-Startformation sind nur die Verteidiger Carles Puyol und Joan Capdevila sowie Mittelfeldspieler Senna über 30 Jahre alt. Aragones übergibt seinem Nachfolger ein Team, das zwar auf dem Gipfel steht, seinen Zenit aber noch nicht erreicht haben muss.

Spaniens EM-Kader:
Tor: Iker Casillas (Real Madrid), Andres Palop (FC Sevilla), Pepe Reina (Liverpool/Eng). -- Verteidigung: Sergio Ramos (Real Madrid), Raul Albiol (Valencia), Alvaro Arbeloa (Liverpool/Eng), Joan Capdevila (Villarreal), Juanito (Betis Sevilla), Carles Puyol (FC Barcelona), Carlos Marchena (Valencia), Fernando Navarro (Mallorca).

Mittelfeld: Cesc Fabregas (Arsenal/Eng), Xabi Alonso (Liverpool/Eng), Santi Cazorla (Villarreal), Ruben De la Red (Getafe), Andres Iniesta (FC Barcelona), Marcos Senna (Villarreal), David Silva (Valencia), Xavi (FC Barcelona).

Sturm: David Villa (Valencia), Daniel Güiza (Mallorca), Sergio Garcia (Saragossa), Fernando Torres (Liverpool/Eng).

Spanien in Zahlen:
Gründung Verband: 1913.

FIFA-Beitritt: 1904.

FIFA-Ranking (Juni 2008): 4.

Grösste Erfolge: EM-Titel 1964, 2008.

Übrige EM-Teilnahmen (6): 1980 (Vorrunde), 1984 (Final), 1988 (Vorrunde), 1996 (Viertelfinals), 2000 (Viertelfinals), 2004 (Vorrunde).

(von Stefan Wyss, Wien/Si)

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