Spanischer Triumph oder Deutsche Revanche?
publiziert: Mittwoch, 7. Jul 2010 / 08:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 7. Jul 2010 / 11:59 Uhr
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Fernando Torres jubelt nach dem entscheidenden Tor im EM-Final von 2008.
Fernando Torres jubelt nach dem entscheidenden Tor im EM-Final von 2008.

Deutschland ist Dauergast in der WM-Endphase und bestreitet den dritten Halbfinal in Serie. Am anderen Ende der Skala steht Spanien. Die Iberer sind erstmals überhaupt so weit gekommen. Die EM-Finalisten von 2008 ermitteln am Mittwoch in Durban in einer europäischen Top-Affiche den zweiten Teilnehmer am WM-Final.

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4:1, 4:0. In berauschendem Stil spielte Deutschland die WM-(Mit-)Favoriten England und Argentinien in den ersten beiden K.o.-Runden an die Wand. Es waren Siege, die auf den ersten Blick keinen Spielraum für Interpretationen zulassen. Und doch sind sie behaftet mit 'wenns' und 'abers'.

England war (auch) an dieser WM nicht auf der Höhe seiner eigenen Ansprüche. Zudem wurde es gegen Deutschland vom Schiedsrichter beim 'Tor von Bloemfontein' benachteiligt. Dann kreuzte Diego Maradonas Argentinien den Weg der DFB-Auswahl. Kaum je war wohl ein Team in einem WM-Viertelfinal schlechter auf den Gegner vorbereitet als diese 'Albiceleste' am vergangenen Samstag. Deutschland hatte leichtes Spiel.

Spanien wird den Weg weisen

Zwei Schwergewichte hat 'Schland' schon aus dem Weg geräumt, doch wie nahe die Mannschaft dem Gipfel tatsächlich ist, wird sich erst gegen Spanien zeigen. Das weiss auch Nationalcoach Joachim Löw. «Die Spanier sind stärker als England und Argentinien. Sie haben keine Schwächen», so der 50-Jährige.

Dass die spanischen WM-Favoriten ihren Parcours bisher nicht mit Glanz und Glorie zurücklegten, haben die Deutschen zwar registriert, an ihrer (hohen) Meinung über den prominenten Gegner ändert das wenig. «Wir dürfen nicht zu viel Respekt zeigen vor den Spaniern und nicht an den EM-Final 2008 denken. Auch wenn sie den Fussball in den letzten Jahren beherrschten», sagte Team-Manager Oliver Bierhoff.

EM-Final reloaded

Dieses Wiener Endspiel vom 30. Juni 2008 ist trotzdem noch in den Köpfen drin. Aber es stachelt die Deutschen an. «Wir sind stärker geworden. In jeder Hinsicht. Jetzt gibt es ein anderes Spiel», so Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger. Ein Spiel, in dem die DFB-Auswahl den Spaniern auf Augenhöhe begegnen könnte. Fünf Akteure aus dem EM-Final 2008 sind nicht mehr dabei. Gerade die neuen Protagonisten, zum Beispiel Sami Khedira, Mesut Özil oder Piotr Trochowski, der den gesperrten Thomas Müller ersetzt, verbessern das technische Niveau der DFB-Auswahl im Vergleich zur EURO 2008 erheblich.

Deutschland trat in Südafrika derart berauschend auf, dass mancherorts sogar der Begriff 'Spass-Fussballer' die Runde machte. Ein Ausdruck, der noch vor der WM so wenig zu Deutschland passte wie der Video-Beweis zur FIFA. Spass wollen sie weiterhin haben. Daran ändert auch nichts, dass Captain Philipp Lahm in einem Interview das Terrain für einen Abgang des in Südafrika abwesenden Michael Ballack bestellte. Der Münchner will das von Ballack übernommene Captainamt auch nach der WM ausüben. Das ist ein verständlicher Wunsch, «aber der Zeitpunkt der Aussage war ungünstig», so Bierhoff.

Torres wird in Schutz genommen

Debatten und Meinungsverschiedenheiten um einen Star umranken auch das spanische Team. Grosse Teile der Medien verstehen nicht, weshalb der scheinbar formschwache Fernando Torres immer wieder eine Chance erhält. Intern jedoch wird der Liverpool-Stürmer gestützt. «Er arbeitet viel für das Team. Das sieht man von aussen vielleicht nicht», nahm Mittelfeldspieler Andres Iniesta seinen Kollegen in Schutz.

Dabei erinnerte er sich vielleicht an die famosen Tage von Österreich im vorletzten Sommer. Fast eine EM lang stand Torres kritisiert im Schatten von EM-Torschützenkönig David Villa, um im Final dann doch den entscheidenden Treffer zu erzielen. Das wichtigste Tor des Turniers war Torres' erstes.

Damals hätten die Spanier den Final höher als bloss 1:0 gewinnen müssen. Derart überlegen war die 'Furia roja'. Diesmal erwarten sie ein engeres Spiel, «denn Deutschland hat bisher den besten Fussball bei dieser WM gezeigt», wie Trainer Vicente Del Bosque anerkannte.

Die «Schland-Ausgabe»

Sein Team indes wartet noch auf die Unwiderstehlichkeit der besten Tage. Wobei die Frage im Raum steht, ob Spanien (noch) nicht in Form ist, oder ob es nur nicht mit der durchwegs defensiven und meist destruktiven Spielweise der Gegner zurecht kommt. Während der spielerisch federleicht absolvierten EM zog Spanien einen scheinbar schwächeren Tag ein. Das war im Viertelfinal gegen Italien. Gegen einen Kontrahenten, der an diesem Abend nur auf fussballerische Verwüstung aus war. Die brillanten Auftritte gegen Russland und Deutschland wurden danach auch vom bisweilen offensiv-naiven Verhalten der Gegner begünstigt.

Nun trifft Spanien auf die spektakuläre 'Schland'-Ausgabe von 2010. Und die Welt wird sehen, ob die 'Seleccion' gegen einen offensiven Gegner erstmals ihre Stärken zur Entfaltung bringen kann, oder ob auch sie von den deutschen Stürmern und Drängern aus der Bahn geworfen wird.

(Stefan Wyss/Si)

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