Die Statements der Trainer
«Spielerische Fortschritte» bei der Schweiz, «fehlende Energie» bei England
publiziert: Samstag, 4. Jun 2011 / 22:35 Uhr
Die beiden Trainer: Fabio Capello (l.) und Ottmar Hitzfeld.
Die beiden Trainer: Fabio Capello (l.) und Ottmar Hitzfeld.

Ottmar Hitzfeld fand für das spektakuläre 2:2 in England die bessere Wortwahl als sein Amtskollege Fabio Capello. Der Schweizer Coach sah «spielerische Fortschritte», derweil Capello über «die fehlende Energie» referierte.

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Aus Sicht der Engländer kam der Start der Sommerferien offensichtlich einen Tag zu spät. «Der Zeitpunkt für ein solches Spiel ist nicht ideal», befand der Coach Fabio Capello zum zweiten Punktverlust nach dem 0:0 gegen Montenegro. Viel Gescheites fiel dem Friauler auf dem Podium im Mediensaal nicht ein, den englischen Reportern stichhaltige Gründe für das unvorteilhafte Ergebnis zu präsentieren.

Zumindest genügte sein minimaler englischer Wortschatz nicht, um das 2:2 schönzureden. Die bald dreieinhalbjährige Amtszeit hat bei Capello sprachlich wenig bewirkt. Die öffentliche Wertung des 2:2 wirkte ohne die Hilfe eines Dolmetschers bruchstückhaft. Und das Lob für die Schweizer («Einige spielen ja in guten Ligen») machte seinen dürftigen Auftritt kein Prozent besser.

«Vier klare Chancen» zählte der Italiener auf, die seine Equipe aus unerklärlichen Gründen vergeben habe. Am Ende seiner rudimentären Ursachenforschung stellte er lapidar fest, «dass meinen Spielern in den letzten zehn Minuten die Energie gefehlt hat».

Hitzfeld relativiert bewusst

Entspannter und exakter arbeitete Ottmar Hitzfeld das 2:2 auf. Er war über die Ausführung und Interpretation seiner neuen System-Vorgaben höchst erfreut. Er mochte das 4-2-3-1 aber mit Blick auf das restliche Programm nicht zur einzig gültigen Taktik-Formel festlegen: «Es ist je nach Situation auch möglich, wieder mit zwei Stürmern zu spielen.»

Aber der Ertrag der Umstellung stellte ihn grundsätzlich zufrieden, auch wenn ein 2:0-Vorsprung eigentlich «Sicherheit gibt, die nächste Drangperiode zu überstehen». Hitzfeld hob vor allem die spielerischen Fortschritte seiner umformierten Equipe hervor: «Wir hatten wieder Anspielstationen.»

Die Steigerung der Schweizer im Vergleich zu ihrem trostlosen Auftritt in Sofia (0:0) war markant. Der Nationalcoach trat bewusst aufs Bremspedal: «Es ist einfacher, gegen einen Favoriten zu spielen als gegen einen Mitkonkurrenten, der auch Qualitäten hat. Die Bulgaren spielten gegen uns sehr gut.» Hitzfeld ist Stratege genug, das verjüngte Team nicht mit Lob zu überhäufen - positive Anreize sind ihm lieber.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Den Auftritt wertete der Selektionär unabhängig vom Ergebnis in Montenegro (gegen Bulgarien) aber gleichwohl als Schritt in die gewünschte Richtung. Das mit beeindruckender Leidenschaft erkämpfte Remis - notabene das erste im Wembley seit dem 1:1 beim EM-Start vor 15 Jahren - kommt für den Deutschen auch dem Nachweis gleich, nach der Basler Rücktrittswelle im vergangenen März personell mutmasslich die richtigen Massnahmen getroffen zu haben.

Gökhan Inler beispielsweise, der neue Captain, auf den Hitzfeld so sehr setzt, trat in England wie ein echter Leader auf - als Stabilisator mit Zug nach vorne und ohne einen einzigen Fehler. «Er war ein Vorbild für das Team und im Mittelfeld die dominierende Figur», würdigte Hitzfeld den exzellenten Auftritt seiner Nummer 8 und erweiterte seine positive Bilanz um einen Namen: «Granit Xhaka war eine Bereicherung für unser Spiel. Er hat eine grosse Zukunft vor sich.»

(pad/Si)

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