Ermittlungen der Bundesanwaltschaft
Strafverfahren gegen Blatter eröffnet!
publiziert: Freitag, 25. Sep 2015 / 16:34 Uhr / aktualisiert: Freitag, 25. Sep 2015 / 18:55 Uhr

Bern - In der Korruptionsaffäre des Weltfussballverbands ermittelt die Bundesanwaltschaft jetzt auch gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter. Blatter wurde am Freitag in Zürich befragt, und am FIFA-Hauptsitz wurden Büroräume durchsucht und Daten sichergestellt.

8 Meldungen im Zusammenhang
Gegen den 79-jährigen Walliser läuft «ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung», wie die Bundesanwaltschaft am Freitagnachmittag schrieb.

Laut den Ermittlern besteht einerseits der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Caribbean Football Union - deren Präsident Jack Warner war - einen für die FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat. Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) machte den Vertrag Mitte September publik.

Übertragungsrechte zum Freundschaftspreis

Demnach soll Blatter Warner TV-Übertragungsrechte für einen Freundschaftspreis verkauft haben. Zwei Tage später kündigte Bundesanwalt Michael Lauber vor den Medien an, diese Informationen auszuwerten.

Andererseits besteht laut Bundesanwaltschaft der Verdacht, dass Blatter auch bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA respektive der FIFA Marketing & TV AG verstossen hat.

Der US-amerikanische Anwalt von Blatter teilte am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters mit, dass das Geschäft mit der Caribbean Football Union «richtig vorbereitet und vom geeigneten Team der FIFA ausgehandelt» worden sei. Es habe kein «Missmanagement» gegeben.

Schliesslich wird Blatter eine laut Communiqué der Bundesanwaltschaft «treuwidrige Zahlung» von 2 Millionen Franken im Februar 2011 an UEFA-Präsident Michel Platini zu Lasten der FIFA vorgeworfen, angeblich für die zwischen Januar 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste.

Blatter wurde nach einer Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees von Vertretern der Bundesanwaltschaft als Beschuldigter einvernommen, wie es in der Mitteilung hiess. Sein möglicher Nachfolger, der Franzose Michel Platini, wurde als Auskunftsperson befragt.

Die Bundesanwaltschaft führte am Freitag zudem mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei (BKP) eine Hausdurchsuchung am Hauptsitz der FIFA in Zürich durch. Dabei wurde auch das Büro von Blatter durchsucht und Datenmaterial sichergestellt.

Die Bundesanwaltschaft hält fest, dass für den Präsidenten der FIFA sowie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung gelte. Weitere Angaben machte sie auf Nachfrage am Freitag nicht.

FIFA: «Wir kooperieren mit Bundesanwaltschaft»

Die FIFA schrieb in einer kurzen Stellungnahme, dass am Freitagnachmittag in Zürich mehrere FIFA-Mitarbeiter von der Bundesanwaltschaft befragt worden seien. Zudem seien Dokumente sichergestellt worden.

Der Verband betonte, dass er seit Ende Mai mit der Bundesanwaltschaft zusammenarbeite und bislang alle Forderungen nach Dokumenten, Daten und anderen Informationen erfüllt habe. «Wir werden diese Zusammenarbeit während der Ermittlungen weiterführen», heisst es. Mit Verweis auf die laufende Untersuchung wollte die FIFA keine weiteren Kommentare abgeben.

Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und der Schweizer Fussballverband gaben auf Anfrage keinen Kommentar zu der Angelegenheit ab.

Pressekonferenz abgesagt

Die Ereignisse folgten sich am Freitag Schlag auf Schlag: Eine Pressekonferenz nach der Sitzung des Exekutivkomitees sagte die FIFA überraschend ab, fünf Minuten vor dem geplanten Beginn und ohne Begründung. In einer Pressemitteilung nach dem Ende des zweitägigen Treffens des Exekutivkomitees verwies der Verband lediglich auf Beschlüsse und weitere Vorschläge im Reformprozess.

15 Kamerateams und zahlreiche Journalisten mussten den Bereich vor der Eingangstür kurz vor 14 Uhr am Freitag verlassen, wie die Nachrichtenagentur dpa meldete. Erst mehr als zwei Stunden später klärte die Bundesanwaltschaft die mysteriöse Situation auf.

Erst vor einer Woche war Blatters langjähriger Vertrauter Jérôme Valcke als FIFA-Generalsekretär suspendiert worden. Der Franzose wurde nach «einer Reihe von Vorwürfen» von der FIFA vorläufig seines Amtes enthoben.

Tognoni: 2 Millionen überraschen

Gegen Valcke wurden Korruptionsanschuldigungen im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten laut, er wies diese zurück. Am Donnerstag gewährte die FIFA der Staatsanwaltschaft der Schweiz Einblick in den Mailverkehr von Valcke.

Der ehemalige FIFA-Manager Guido Tognoni nannte das Vorgefallene auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda «tragisch für die FIFA und für Blatter». Das Vorgehen der Bundesanwaltschaft an sich sei logisch: «Man kann nicht die Grossen laufen lassen und die Kleinen holen.»

«Für alle überraschend» ist in den Augen von Tognoni das Auftauchen der 2-Millionen-Zahlung von Blatter an Platini. Man müsse davon ausgehen, dass die bisher bekannten Skandale um die FIFA nicht das gesamte Repertoire darstellten. Die FIFA befindet sich in seinen Worten «auf einem Tiefpunkt».

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese fussball.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Joseph Blatter trägt nach eigener Ansicht die weisse Weste im dunklen Gebaren ... mehr lesen
Blatter will bleiben.
UEFA-Präsident Michel Platini.
Nach Recherchen der «Welt» steht im internationalen Fussball auf höchster Führungsebene eine weitere Eruption bevor. Nicht nur Joseph Blatter steht im Visier der Schweizer ... mehr lesen
Gegen FIFA-Präsident Sepp Blatter ... mehr lesen
Auch die FIFA-Ethikkommission ermittelt gegen Sepp Blatter.
Prinz Ali bin al-Hussein: «Die Notwendigkeit für eine neue Führung, die die Glaubwürdigkeit der FIFA wiederherstellen kann, war niemals offenkundiger.»
Zürich - Der frühere FIFA-Präsidentschaftskandidat Prinz Ali bin al-Hussein hat sich nach der Strafanzeige gegen Amtsinhaber Joseph Blatter als Erneuerer für den ... mehr lesen
Weitere Artikel im Zusammenhang
Sepp Blatters Verhalten könnte strafrechtlich relevant sein.
Zürich - FIFA-Präsident Sepp Blatter hat 2005 TV-Übertragungsrechte für 600'000 Dollar an den damaligen Präsidenten der karibischen Fussball-Union (CFU), Jack Warner, verkauft. Das geht aus ... mehr lesen
Der scheidende FIFA-Präsident ... mehr lesen
Joseph Blatter: Ich bin sauber.«
François Carrard, Westschweizer Präsident der FIFA-Reform-Task-Force: «Blatter wird ungerecht behandelt.» (Im Bild: Noch-FIFA-Präsident Sepp Blatter)
François Carrard, der Westschweizer Präsident der FIFA-Reform-Task-Force, bricht in einem Interview gegenüber «Le Matin Dimanche» eine Lanze für den scheidenden FIFA-Präsidenten ... mehr lesen
Basels Partnerklub Chennai City FC steht unter Manipulationsverdacht.
Basels Partnerklub Chennai City FC steht unter Manipulationsverdacht.
FCB-Partnerklub  Der indische Verein Chennai City FC steht unter Manipulationsverdacht. Möglicherweise wurde der Meistertitel gekauft. mehr lesen 
Spielmacher Leonardo Bertone verlässt YB und wechselt zum FC Cincinnati in die MLS.
Abgang nach 14 Jahren  Mittelfeldspieler Leonardo Bertone verlässt seinen Stammklub Young Boys und setzt seine Karriere in ... mehr lesen  
Mit Union Berlin  Der FC Basel und der deutsche Zweitligist Union Berlin mit Trainer Urs Fischer haben ein Testspiel vereinbart. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
Lyon siegte verdient.
Frauenfussball Wolfsburgs Frauen verpassen den Sieg Die Frauen-Equipe des VfL Wolfsburg mit den drei ...
 
News
     
Fussballschuhe sind Hightech-Produkte
Publinews Gute Fussballschuhe sind ein Must-Have für jeden Fussballer  Die Fussballschuhe sind unerlässlich zum Fussballspielen. Jeder Spieler braucht gute Fussballschuhe, trotzdem ... mehr lesen
Schweizer Flagge, Fussball
Publinews Fussballvereine unter Erfolgsdruck  Fussball ist ein Mannschaftssport mit einer grossen Fangemeinde - das ist allgemein bekannt. Seit nunmehr über 100 Jahren erfreut er sich einer beständigen ... mehr lesen
Grenzenlose Liebe und Treue für nicht irgendeinen Fussballverein, sondern den natürlich besten Klub der Welt.
Publinews Fan-Utensilien  Trikot, Schal und Fahne - Die Zeiten scheinen sich wohl nie zu ändern, in denen nicht das klassische Fanartikel-Trio eine ... mehr lesen
Fussball Videos
FIFA World Football Museum  Das FIFA World Football Museum direkt beim ...  
Neue Zeitrechnung für den Nati-Star  Granit Xhaka (23) wechselt zu Arsenal London in die ...  
Drei Mal in Folge «Europa League»-Sieger  Der FC Sevilla gewinnt zum dritten Mal in Folge ...  
Grosse Ehre für «King Claudio»  Wenig überraschend heisst der Trainer des Jahres ...  
Mehr Fussball Videos
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 5°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 7°C 23°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 9°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 5°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 6°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Genf 12°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 11°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten