Stuttgart feuert Christian Gross - Jens Keller übernimmt
publiziert: Mittwoch, 13. Okt 2010 / 10:43 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 14. Okt 2010 / 17:03 Uhr
Christian Gross' Zeit in Stuttgart ist abgelaufen.
Christian Gross' Zeit in Stuttgart ist abgelaufen.

Nach nur zehn Monaten ist die Zeit von Christian Gross in Stuttgart abgelaufen. Der Tabellenletzte trennte sich vom Schweizer Coach drei Tage vor dem kapitalen Spiel gegen den Tabellen-Zweitletzten Schalke. Interimistisch übernimmt nun Assistent Jens Keller.

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Damit endet auch das zweite Engagement von Christian Gross im Ausland nach wenigen Monaten vorzeitig. 1998 war er bei Tottenham Hotspur entlassen worden - nach ebenfalls zehn Monaten. In Stuttgart erlebte Gross von A bis Z ein Londoner Déjà-Vu: er kam im Spätherbst, um einen kriselnden Grossklub vor dem Abstieg zu bewahren, und wurde nach Erfüllung dieser Mission, Gross führte Stuttgart aus der Abstiegszone auf einen Europacup-Platz, in der zweiten Saison nach wenigen Spieltagen entlassen. Bei Tottenham war es 1998/99 nach drei Runden gewesen, in Stuttgart nun nach sieben Spielen.

In diesen sieben Runden enttäuschte der VfB masslos. Erst legte er mit drei Niederlagen in Folge den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin, dann erwies sich das 7:0 gegen Borussia Mönchengladbach als Sternschnuppe. In der Folge verlor der VfB nochmals dreimal in Serie, nach teilweise pitoyablen Darbietungen.

«Es gibt keine Diskussion um den Trainer»

Die Trainerdiskussion wurde im Schwabenland daher schon vor Wochen eröffnet. Noch vor zehn Tagen aber stellte sich die Vereinsleitung vor Gross. «Es gibt keine Diskussion um den Trainer. Gross sitzt auch gegen Schalke auf der Bank», sagte Präsident Erwin Staudt am Montag letzter Woche.

Kurz darauf war Gross doch als Hauptproblem beim dreifachen deutschen Meister ausgemacht worden. Die Probleme allerdings sind vielschichtig. Zum Einen ist die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison nach den Abgängen von Goalie Jens Lehmann (Rücktritt) und Mittelfeldstratege Sami Khedira (zu Real Madrid) geschwächt, weil sie nicht adäquat ersetzt wurden. Zuletzt monierte Gross, der Klub setze die Prioriäten auf den Bau des Stadions und nicht auf den Bau einer neuen Mannschaft.

Das Kleingeld fehlte

Ohne das nötige Kleingeld war das Kader in den Augen von Gross zu schmal besetzt. Die Absenz des mittlerweile wieder einsatzfähigen Abwehrchef Matthieu Delpierre konnte so nicht aufgefangen werden. Im Sommer beispielsweise reiste Gross nach Argentinien, um einen Innenverteidiger zu beobachten und kontaktieren. Als er zurück war in Stuttgart, kam von den Chefs ein kategorisches 'Nein'. Der begehrte Abwehrspieler spielt nun für Sporting Lissabon.

Zum Anderen stimmte es in Stuttgart auch abgesehen von der sportlichen Entwicklung nicht. Sportdirektor Horst Heldt setzte sich kurz vor Saisonbeginn zu Schalke ab. Mit dem neuen Vorgesetzten Fredi Bobic verstand sich Gross offenbar nicht gut. Das wollen zumindest Insider so gedeutet haben. Gross selbst nährte dieses Gerücht in den letzten Tagen. «Fredi Bobic hat auch seine Vorstellungen und seine Ziele. Dabei arbeitet er mit einem Trainer zusammen, den er nicht ausgesucht hat.» Die (versteckten) verbalen Angriffe von Gross dürften seinen Abgang beschleunigt haben.

«Christian Gross war ein sehr dominanter Trainer»

Bobic sparte demgegenüber auch nicht mit Kritik am Schweizer: «Gross hat in den gemeinsamen Gesprächen keine Lösungsansätze der Probleme bringen können.» Diese will nun Nachfolger Keller bereit haben. «Christian Gross war ein sehr dominanter Trainer. Ich habe schon Dinge gesehen, die anders hätten gemacht werden können, die ich aber nicht umsetzen konnte.» Bei der Mannschaft soll sich Gross im Sommer zudem unbeliebt gemacht haben, weil er sie viermal in ein Trainingslager abkommandierte.

Die Mechanismen der Branche griffen in Stuttgart: Tabellenletzter, Krise, Trainer weg. Trotzdem ist zumindest der Zeitpunkt der Entlassung verwunderlich. Wenn die Verantwortlichen Zweifel an der Arbeit von Gross hegten, hätte ein Ende der Zusammenarbeit vor zehn Tagen nach dem 1:2 im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und vor der zweiwöchigen Meisterschaftspause Sinn gemacht - und nicht drei Tage vor dem wegweisenden Spiel gegen den Tabellen-Zweitletzten Schalke.

Gross war der Dritte

Gross ist in Stuttgart der dritte entlassene Trainer seit dem Meistertitel der Schwaben 2007. Verwunderlich sind die Schwankungen, welche der Klub seit Jahren durchlebt. Meistertrainer Armin Veh wurde nicht einmal anderthalb Jahre nach dem Titel entlassen. Sein Nachfolger Markus Babbel führte die Mannschaft 2009 an die Spitze zurück, verpasste den Titel als Dritter nur knapp, wurde aber nur wenige Monate und eine schwache Vorrunde später ebenfalls beurlaubt. Nun ging es Christian Gross nicht besser: auf das schnelle Hoch folgten der Absturz und die unumgängliche Freistellung.

(pad/Si)

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