Angst vor dem Abstieg
Stuttgart und Werder kämpfen gegen den tiefen Fall
publiziert: Samstag, 7. Mai 2016 / 10:39 Uhr
Stuttgarts Präsident Bernd Wahler macht es dem Schweizer Constantin gleich. (Archivbild)
Stuttgarts Präsident Bernd Wahler macht es dem Schweizer Constantin gleich. (Archivbild)

Nicht gerade jede Saison, aber sehr oft kämpfen prominente Bundesligaklubs gegen den Abstieg. Derzeit ist die Lage für Stuttgart und Bremen brenzlig. Sie waren zusammen sieben Mal deutscher Meister.

Der Hamburger SV konnte als Gründungsmitglied und einziges ewiges Mitglied der deutschen Bundesliga den erstmaligen Abstieg in den letzten zwei Saisons nur in extremis verhindern, nämlich über die sogenannten Relegationsspiele des 16. gegen den Dritten der 2. Bundesliga. Kaum hat sich der HSV für einmal aller Abstiegssorgen entledigt, geraten zwei andere Dinosaurier der Bundesliga-Geschichte arg aus dem Gleichgewicht: Werder Bremen und der VfB Stuttgart. Sie vereinigen 103 von 106 Bundesliga-Saisons und sieben Meistertitel auf sich. Werder gewann 2004 den bislang letzten von vier Titeln, während Stuttgart sogar noch 2007 erfolgreich war, mit seinem dritten Titelgewinn.

Beide zusammen können sie nicht mehr direkt absteigen, weil Hannover schon als Letzter und als Absteiger feststeht. Denkbar ist indessen, dass der eine der beiden als 17. direkt in die 2. Liga fällt, während der andere sich in der Barrage, der genannten «Relegation», behaupten muss. Die Mannschaften sind derart nah beieinander, dass alles möglich erscheint.

In der ewigen Tabelle der Bundesliga ist Werder Bremen Zweiter hinter Bayern München, Stuttgart Fünfter hinter Borussia Dortmund und vor Borussia Mönchengladbach. Den 3. Platz unter diesen Grössten der Grossen nimmt der HSV ein.

Sieben Spiele ohne Sieg

Der neutrale Fan in Deutschland muss sich derzeit um den VfB Stuttgart die grössten Sorgen machen. Die Mannschaft, deren Kader kein Spieler mit Schweizer Pass angehört, verlor die letzten vier Partien allesamt. Der letzte Sieg (daheim gegen Hoffenheim) datiert von Anfang März und liegt acht Spiele zurück. In der Rangliste der letzten zehn Runden sind die Schwaben mit fünf Punkten abgeschlagen auf dem letzten Platz, drei Punkte hinter Absteiger Hannover.

Das Restprogramm lässt das Ziel Ligaerhalt nicht realistischer erscheinen. Stuttgart spielt am Samstag daheim gegen Mainz, das um einen Platz in der Europa League kämpft. In einer Woche schliesslich spielt beim launischen Wolfsburg.

Präsident Wahler fast wie Constantin

In Stuttgart ist schon seit geraumer Zeit nichts mehr wie früher. Als er im Oktober 2010 nach knapp zwei Jahren als Trainer entlassen wurde, konnte Christian Gross nicht ahnen, dass er innerhalb von weniger als sechs Jahren acht Nachfolger und Nachnachfolger haben würde. Bruno Labbadia hielt sich am längsten, fast drei Jahre, im Sattel. Aber seit 2014 herrschen in Stuttgart Sittener Sitten. Präsident Bernd Wahler, Christian Constantins Pedant, engagierte und entliess ab Mitte 2013 sechs Trainer, Huub Stevens sogar zweimal. Auch hier eine Parallele zum FC Sion.

Der aktuelle Trainer Jürgen Kramny weist eine noch viel schlechtere Bilanz vor als Alexander Zorniger, den er im November ablöste.

Im Match gegen Mainz soll ein Sieg her. Ein solcher würde die Gefahr des erstmaligen Abstiegs seit mehr als 40 Jahren vorerst dämpfen. Kramny setzt viel in die Rückkehr und die Kampfkraft des lange verletzt gewesenen früheren Dortmunders Kevin Grosskreutz. «Kevin ist charakterlich top und hat eine überragende Einstellung», sagte Kramny über den Aussenverteidiger. «Er ist psychologisch ein wichtiger Faktor für dieses Spiel.»

Mit teils lauter Stimme appellierte Kramny einen Tag vor der richtungsweisenden Partie gegen Mainz an die Mentalität seiner Truppe. «Es darf am Samstag keine Mannschaft geben, die den Sieg mehr will als wir», sagte der 44-Jährige. «Wir müssen alles für unseren VfB geben.»

In der Verzweiflung Einzelgespräche

Die erschreckend schwache Leistung jüngst beim 2:6 in Bremen gibt allerdings wenig Hoffnung auf Besserung. Mit zahlreichen Einzelgesprächen habe er versucht, das Selbstvertrauen der Mannschaft wieder aufzubauen, sagte Jürgen Kramny. Neben der Rückkehr von Grosskreutz könnte der Coach mit einem weiteren Personalentscheid für einen zusätzlichen psychologischen Schub innerhalb seines Teams sorgen. Für den zuletzt unglücklich agierenden Keeper Przemyslaw Tyton nämlich wird möglicherweise Mitch Langerak ins Tor rücken.

(bert/Si)

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