Deutschlands Nationaltorhüter Timo Hildebrand (28) über die Turbulenzen seines Vereins und die wortlosen Trainings- und Mediendebatten, an denen er nicht teilnehmen will.

Timo Hildebrand: Ich habe schon öfters auf spanisch geredet und verstehe es eigentlich schon ziemlich gut. Allerdings fällt mir das sprechen schon noch schwer.
Mit wem unterhalten Sie sich ausserhalb der Trainings auf spanisch?
Timo Hildebrand: Mit Mannschaftskollegen, spanischen Bekannten oder Leuten, die ich auf der Strasse treffe.
Das Verhältnis zwischen den Fans des FC Valencia und dem Verein ist seit einigen Wochen angespannt. Trainer Ronald Koeman steht in der Kritik und liess vergangene Woche unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainieren. War das eher isolierend oder angenehm?
Timo Hildebrand: Naja, so stimmt das nicht ganz. Am Donnerstagvormittag durfte die Presse beispielsweise zusehen. Und am Tag vor einem Spiel ist es ja eh normal, dass man unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Für mich macht das keinen Unterschied. Aber es ist sinnvoll, wenn man gewisse Spielzüge einstudieren kann und dabei nicht jeder zuschaut.
Die Sportmedien in Valencia sind um einiges aggressiver als in Stuttgart.
Timo Hildebrand: Klar, hier gibt es eine Tageszeitung, die praktisch ausschliesslich über den FC Valencia schreibt. Und diese muss schliesslich jeden Tag aufs Neue gefüllt werden. Aber ich verstehe noch nicht so gut spanisch, als dass ich alles mitbekommen würde.
Aber Sie lesen die Zeitungen.
Timo Hildebrand: Manchmal ja. Auch, um meine Spanischkenntnisse zu vertiefen.
Wie sieht ihre Bilanz nach einem halben Jahr FC Valencia aus?
Timo Hildebrand: Ich habe viel erlebt: Trainer gefeuert, grosse Veränderungen innerhalb der Mannschaft, ich selber von der Ersatzbank zur Nummer eins. Da ist schon allerhand passiert.
Gab es Momente, in denen Sie an ihrem Wechsel gezweifelt hatten?
Timo Hildebrand: Nein gar nicht.
Auch nicht, als Sie die ersten Monate auf der Ersatzbank gesessen haben? In Stuttgart hätten Sie eine ruhige Kugel schieben können.
Timo Hildebrand: Nun, wenn ich nach Stuttgart schaue, dann ist es dort im Moment alles andere als ruhig...
Also gut: Aber wären sie in Stuttgart geblieben, hätten Sie Ihren Stammplatz auf sicher gehabt.
Timo Hildebrand: Ich wusste ja, was mich in Valencia erwartet. Und ich wusste, dass ich um einen Platz kämpfen musste. Dazu war ich bereit.
Santiago Cañizares, die bisherige Nummer eins, ist im Dezember vom Verein suspendiert worden. Aus rechtlichen Gründen trainiert er aber nach wie vor mit dem Team. In den Trainings soll er kein Wort reden.
Timo Hildebrand: Ja das ist so, er redet kein Wort.
Ist das nicht eine Belastung für Sie?
Timo Hildebrand: Nein. Ich mache meine Arbeit mit dem Trainer und konzentriere mich auf meinen Job.
Wie ist denn die Stimmung im Team allgemein?
Timo Hildebrand: Sie wird immer besser, mit jedem Sieg. Aber für uns ist wichtig, dass wir den Anschluss in der Meisterschaft wieder finden. Und nach sieben Punkten in den drei letzten Meisterschaftsspielen und der Halbfinalqualifikation für die Copa del Rey sind wir da auf einem gutem Wege.
Fühlen Sie sich im turbulenten Umfeld des FC Valencias wohl?
Timo Hildebrand: Ich habe mich von Anfang wohl gefühlt und tue das auch heute noch.
Trainer Koeman soll eine schwarze Liste führen, auf denen jene Spieler stehen, die im Sommer den Verein verlassen müssen.
Timo Hildebrand: Das konnte man in den Zeitungen lesen.
Hat er dies der Mannschaft in irgendeiner Form kommuniziert?
Timo Hildebrand: Nein.
Fürchten Sie sich vor dieser Liste?
Timo Hildebrand: Nee, wieso?
Weil Sie erst seit zwei Monaten die Nummer eins sind, im Umfeld des FC Valencias in den vergangenen Monaten einiges passiert ist und weil so eine schwarze Liste ja auch von grossem Misstrauen zeugt.
Timo Hildebrand: Darüber mache ich mir keine Gedanken.
Stichwort Nationalmannschaft: Der Kampf um die Nummer eins scheint nach dem Spiel gegen Österreich wieder neu lanciert.
Timo Hildebrand: In den Medien schon.
Und bei Ihnen?
Timo Hildebrand: Ich spiele seit vier Jahren in der Nationalmannschaft und möchte auch in diesem Jahr nicht an dieser Debatte teilnehmen.
Wie schätzen Sie denn Ihre Chancen ein?
Timo Hildebrand: Das ist eine Frage, die Sie an Jogi Loew richten sollten.
Was hat er Ihnen denn nach dem Länderspiel gegen Österreich gesagt?
Timo Hildebrand: Dass er zufrieden ist, dass ich in Valencia regelmässig spiele.
Sagte er Ihnen auch, wann er die Entscheidung trifft, wer an der EURO 2008 im Tor stehen wird?
Timo Hildebrand: Nein.
Was sagt denn Ihr Gefühl?
Timo Hildebrand: Dass ich in der anhaltenden Diskussion über uns Torhüter keine Angriffsfläche bieten möchte. Du kommst nicht mit Quatschen in die Nationalelf, sondern durch konstant gute Leistungen. Und die will ich bringen. Alles andere entscheiden dann die Trainer.
(Interview von Romano Paganini, Valencia/news.ch)
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