In der Falle
Trapattoni kann es nicht allen Recht machen
publiziert: Montag, 18. Jun 2012 / 14:45 Uhr / aktualisiert: Montag, 18. Jun 2012 / 19:49 Uhr
Giovanni Trapattoni sitzt in der Falle.
Giovanni Trapattoni sitzt in der Falle.

Irland ist schon vor dem Spiel gegen Italien ausgeschieden. Doch zum Kehraus wird die Partie für die Iren nicht. Vor allem Trainer Giovanni Trapattoni ist gegen seine Landsleute in einer delikaten Situation. Er kann es nicht allen Recht machen.

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«La trappola» heisst auf Deutsch die Falle. Und genau in einer solchen sitzt Irlands Trainer Giovanni Trapattoni. «Il Trap», wie der 73-jährige Italiener in seiner Heimat genannt wird, kann es im letzten Gruppenspiel gegen seine Landsleute nicht allen Recht machen. Knüpft seine Mannschaft den Italienern Punkte ab, haben Trapattonis amici in seiner Heimatgemeinde Cusano Milanino, am nördlichen Stadtrand von Mailand gelegen, keine Freude. Verliert er gegen die Italiener, wird es womöglich heissen, er hätte seinen Landsleuten geholfen.

Natürlich ist Trapattoni ein Ehrenmann. Seinem Italien macht er auf dem Rasen keine Geschenke. «Ich glaube nicht, dass ich schuld bin, wenn die Italiener ausscheiden. Sie können ganz gut auf sich schauen.» Sein Assistent, Marco Tardelli, der Weltmeister von 1982, weltberühmt wegen seines damaligen Torjubels und unter dem Jahr Experte fürs italienische Fernsehen, sagte: «Im Spiel wollen wir das beste für Irland. Und wenn dann Italien doch noch weiterkommt, dann sind Giovanni und ich die grössten Tifosi der Azzurri.»

Trapattoni in der Kritik

Bei der ganzen Diskussion um ein allfälliges spanisch-kroatisches «Päckli» und um einen allfälligen Gefallen von Trapattoni für seine Landsleute geht vergessen, dass es für den Coach auch um seine eigene Zukunft geht. Zwar besitzt er einen Vertrag für die WM-Qualifikation 2014, doch die beiden schwachen Auftritte Irlands gegen Kroatien (1:3) und Spanien (0:4) haben in den Medien ein negatives Echo ausgelöst. Nun steht vor allem Trapattoni in der Kritik. Er sei stur, auf alte Spieler fokussiert, und seine Arbeit sei ohne Perspektiven für Irlands Team, heisst es nun in Irland.

Natürlich, Irland stellt das älteste Team aller EM-Teilnehmer. Aber es ist nicht so, dass Trapattoni viele junge und hoffnungsvolle Spieler daheim gelassen hätte. Er führte Irland an die Endrunde, mehr ist fast nicht möglich. «Was habt ihr denn gesagt, als wir uns erstmals seit 24 Jahren für eine EM qualifizierten?», zischte er vor dem letzten EM-Spiel vom Podium den Journalisten entgegen und schob nach: «Ich habe mehr Enthusiasmus als ihr.»

Vertrauen in die Routiniers

Seine Routiniers will er gegen Italien nochmals auf den Rasen schicken. «Es gibt keine Wechsel. Ich setzte auf die gleichen Spieler. Es sind meine Besten. Ich will nicht, dass der Verdacht aufkommt, dass ich Italien helfe.» Da ist sie wieder die Falle, «la trappola». Das Spiel gegen Italien wäre optimal, um mit der Zukunft zu beginnen. Trapattoni könnte unter Wettkampfbedingungen ein paar jüngere Spieler testen, auf die er in der WM-Qualifikation setzen wird. Das würde wohl den irischen Journalisten gefallen, nicht aber Spaniern und Kroaten. Und Trapattoni will es in seinem letzten EM-Spiel mit Irland allen Recht machen. Nur geht das nicht.

(bg/Si)

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