Vergogna! - «Die Krise unseres Systems»
publiziert: Freitag, 25. Jun 2010 / 14:38 Uhr
«Alles schwarz» - Niedergeschlagener Simone Pepe.
«Alles schwarz» - Niedergeschlagener Simone Pepe.

Bestürzung, Enttäuschung, Wut, Trauer, leichte Zuversicht: So war die Stimmungslage zwischen Lombardei und Sizilien am Tag nach dem debakulösen Ausscheiden der «Squadra Azzurra» bei der WM in Südafrika.

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Der «Corriere dello Sport» begnügte sich auf dicken Lettern mit einem Wort: «V e r g o g n a». Schuld an dieser «Schande» seien Nationaltrainer Marcello Lippi, die Spieler und der Verband. Ebenso dezidiert analysierte die «Gazzetta dello Sport», die titelte: «Alles schwarz». Des Italieners tägliches Fussball-Brot doppelte gleich unmissverständlich nach: «Das schlechteste italienische Team aller Zeiten ausgeschieden».

Marcello Lippi sei das Vertrauen, das er -- fälschlicherweise -- in seine gealterten (nunmehr ex-)Weltmeister gesetzt habe, nicht zurückbezahlt worden, analysierte die rosarote Fussball-Fibel: «Alle haben im Verlauf der drei Partien enttäuscht.» Die Schuld liege aber nicht nur bei den Cannavaro, De Rossi, Gattuso und Co. «Auch die 'Neuen' haben Lippi mit ihrer Spielsweise verraten.»

 Blind vor Überheblichkeit und Arroganz

Arrigo Sacchi, der Baumeister des «Grande Milan», dessen lustvoll-offensive Spielweise jedem Fan der von Ballverlust zu Ballverlust stolpernden «Squadra Azzurra» (Freuden-)Tränen in die Augen getrieben hätte, setzt die Niederlage in einen grösseren Kontext: Unter dem Titel «Die Krise unseres Systems» prangert der ehemalige Nationaltrainer zurecht die Mängel im einst schönsten Fussball der Welt an, der seit bald einer Dekade nur noch ein trauriger Abklatsch seiner selbst ist und der schon vor vier Jahren (Stichwort Calciopoli) in einer epochalen baisse steckte, welche durch die goldenen Tage von Deutschland temporär überspielt wurde: «Man hofft immer, die Nationalmannschaft könne die kulturellen und erziehungsmässigen Schwächen eines Umfelds übertünchen, welches immer kontroverser wird und gegen hinten geht.(...) Nun, dieses Mal hat das Nationalteam Selbstmord begangen. Es ist ein dunkles Kapitel für den italienischen Fussball, aber wir hätten es vorhersehen können, wenn wir nicht blind wären vor Überheblichkeit und Arroganz.»

Enttäuschung wird nicht andauern

Auch das offizielle Italien war sehr enttäuscht. «Das Ausscheiden in der Vorrunde ist ein bitterer Moment für den Fussball und den Sport generell in ganz Italien», erklärte Gianni Petrucci. Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (CONI) wollte aber keine voreiligen Schlüsse ziehen: «Meine sportlichen Erfahrungen haben mich gelehrt, erst mit Abstand zu analysieren. Ich bin aber realistisch, wir sind gegenüber vor vier Jahren am anderen Ende der Skala.»

Da die Erwartungen, vorsichtig ausgedrückt, nicht allzu gross waren, dürfte auch die Enttäuschung nicht lange anhalten. Schon ab morgen dürften sich landesweit die Tifosi mit dem »Calcio Mercato« trösten, jenen Spekulationen über Wechsel in der (einst) schönsten Liga der Welt. Und schon bald darauf wird das erste Aufgebot des neuen 'CT' Cesare Prandelli eingehend diskutiert werden. Nichts Neues im Süden...

(fkl/sda)

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