Vom Bayern-Reservisten zum deutschen Hoffnungsträger
publiziert: Dienstag, 24. Jun 2008 / 22:39 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 25. Jun 2008 / 00:00 Uhr

Lukas Podolski ist im Kreis der Nationalmannschaft stets gut gelaunt. An der EURO ist sein Anteil am Halbfinal-Einzug mit drei Treffern immens. Dabei kam er in den letzten beiden Jahren bei Bayern München nur selten zum Einsatz.

Lukas Podolski hat beste Laune, weil er das Vertrauen des Trainerstabs spürt, wie er selbst sagt.
Lukas Podolski hat beste Laune, weil er das Vertrauen des Trainerstabs spürt, wie er selbst sagt.
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An der Medienkonferenz zwei Tage vor dem heutigen Halbfinal gab sich Podolski als unbeschwerter Spassvogel. Während Pressechef Harald Stenger die Fragen der Journalisten koordiniert, witzelt der Kölner hinter dessen Rücken mit Per Mertesacker. Gibt der Verteidiger Antworten, tuschelt Podolski mit Stenger oder nuschelt irgendetwas unter dem Tisch. Wenn er nichts Ergänzendes sagen will, lässt er dies via Stenger ausrichten.

Dabei gibt Podolski selber zu, dass «die letzten zwei Jahre in München nicht einfach waren». Seit seinem Transfer von seinem Stammverein FC Köln zu den Bayern kam dem 23-Jährigen primär die Rolle des Reservisten zu. Nur gerade viermal setzte ihn Ottmar Hitzfeld in der vergangenen Saison über 90 Minuten ein.

Entsprechend äusserte «Prinz Poldi» -- erstmals seit seinem Wechsel -- seinen Unmut über seine Situation im Klub. «Ich hatte nicht das Gefühl, dass der Verein mir Vertrauen gibt», so seine klaren Worte.

Dass die Bayern Verhandlungen mit Stuttgart über einen möglichen Transfer von Mario Gomez eingeleitet hatten, irritierte Podolski noch mehr. «Ich spüre auch jetzt kein Vertrauen, da der Verein nach anderen Stürmern sucht», erklärt er. Er streckte deswegen die Fühler schon einmal nach Köln aus, wo er einst von Marcel Koller bei den Amateuren entdeckt worden war. Bei den Bayern signalisierte man jedoch: Podolski steht nicht zum Verkauf.

Gespräch mit Klinsmann

Der Stürmer, der an der WM 2006 als bester Nachwuchsspieler ausgezeichnet worden war, macht sich die Gedanken über seine Zukunft unabhängig vom neuen Trainer bei den Bayern. Jürgen Klinsmann war im deutschen Nationalteam ebenfalls ein Förderer Podolskis. Euphorie löste dies beim Spieler jedoch noch nicht aus.

«Es gab vor der EURO ein Gespräch mit ihm, seither hatten wir keinen Kontakt mehr», erklärt der dreifache EM-Torschütze. Immerhin erhielt er für seine Treffer von Klinsmann wie auch von dessen Vorgänger Hitzfeld ein Glückwunsch-SMS.

Wie sehr Podolski die vertraute Umgebung im Nationalteam schätzt, beweist er mit seinen starken Leistungen. Dabei spielt er gar nicht auf seiner bevorzugten Position, sondern wird vielmehr im linken Mittelfeld eingesetzt.

«Der Trainer stellte mich da auf. Jetzt muss ich eben etwas mehr nach hinten arbeiten», so Podolski unaufgeregt. «Aber in erster Linie bin ich Stürmer.» Joachim Löw überzeugte den Offensivspieler, der in nunmehr 52 Länderspielen 28 Tore erzielt hat, von seiner neuen Rolle, die er klaglos akzeptierte.

Final in Basel

Ohnehin ist für Podolski derzeit alles «super» -- sein Lieblingswort. «Ich bin immer froh, hier zu sein. Wir haben ein super Umfeld, ein super Team; ich bin super vorbereitet, fühle mich super und spiele super», so seine Kurzzusammenfassung. Und optimistisch blickt er auch auf die heutige Partie gegen die arg dezimierten Türken.

«Wir gehen ganz normal in die Partie, um zu gewinnen. Es ist egal, wer gesperrt oder verletzt ist. Wir müssen wieder die Laufbereitschaft zeigen und ein Pressing nach vorne machen wie gegen Portugal. Wir wollen in den Final», sagte er. Und dieser könnte ruhig auch in Basel stattfinden, denkt er. Schliesslich hätte man nach dem 4:0-Erfolg gegen die Schweiz sowie dem 3:2-Sieg im Viertelfinal gegen Portugal an die gleiche Stätte nur positive Erinnerungen.

Podolski hat die Freude am Spiel in der Nationalmannschaft wieder gefunden und ist auch wieder jener Spassvogel, der im Film «Sommermärchen» für zahlreiche Lacher sorgte. «Ich habe das Vertrauen des Trainerstabes, und das zahle ich mit guter Leistung zurück - wie schon oft in meiner Karriere», so seine simple Erklärung.

Dann witzelte er, dass seine gute Laune vielleicht auf gemeinsame Sauna-Besuche mit Pressechef Stenger zurückzuführen seien. Er tuschelt Mertesacker etwas zu, als dieser zu einem noch überhaupt nie thematisierten Transfer Podolskis zu Bremen gefragt wird.

Und er hängt sich zum Schluss der Medienkonferenz die Akkreditierung von Stenger um den Hals und hält sich keck in die Kameras. Der Pressechef schloss die Medienkonferenz: «Mein Vorgesetzter Poldi macht Druck.» Im Deutschen Camp herrscht auch dank Podolski beste Laune.

(Sascha Rhyner, Basel/Si)

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