Vom eigenen Ehrgeiz angetrieben
publiziert: Mittwoch, 18. Jun 2008 / 13:03 Uhr

Cristiano Ronaldo wirkt meist arrogant; sein Spiel mit zahlreichen Übersteigern und Dribblings überheblich. Seine Wegbegleiter zeichnen das Bild des 23-Jährigen, der ausgezogen ist, um der beste Fussballer der Welt zu sein.

Am 5. Februar kam Ronaldo in Funchal auf der Insel Madeira als jüngstes von vier Kindern von José Dinis Aveiro und Maria Dolores dos Santos Aveiro zur Welt. Schon früh galt seine einzige Liebe nur dem runden Leder.

Dolores Aveiro (Ronaldos Mutter): «Wenn er nach Hause kam, musste ich ihm immer sagen, er solle die Hausaufgaben machen. Aber er erklärte nur, er müsse keine machen. Dann nahm er sich eine Frucht und rannte davon.»

Elma Aveiro (Ronaldos Schwester): «Alles, was er machte, hatte mit Fussball zu tun. Er wollte nur den Ball.»

Im Alter von acht Jahren trat Ronaldo dem Amateurklub Andorinha bei. Über seine ersten Jahre im Verein:

Dolores Aveiro: «Er weinte, wenn er den Pass gespielt hatte und seine Freunde kein Tor erzielten. Er wurde sehr schnell aufgebracht, und die Leute gaben ihm Übernamen. Sie nannten ihn 'Heulsuse' und 'kleine Biene', weil niemand ihn fangen konnte.»

Leonel Pontes (Juniorentrainer): «Er wollte immer der beste sein. Sei es im Tischtennis, im Billard, im Tischfussball oder auch nur in einem einfachen Rennen, um zu sehen, wer der Schnellste ist. Im Fussball musste sein Team gewinnen.»

Als Elfjähriger wechselte Ronaldo von Nacional Funchal dann in die Nachuchsakademie von Sporting Lissabon.

Ronaldo: «Vor dem Probetraining konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen. Ich war noch nie zuvor in einem Flugzeug. Ich war sehr nervös und klein und dünn. Ich war mir aber sicher, dass ich es ins Team schaffen würde.»

Carlos Diaz (U17-Coach von Sporting): «Seine Eltern mussten einen sehr wichtigen Entscheid treffen, der sein Leben verändern würde. Was war das Beste für einen elfjährigen Jungen mit seinem Talent. Als Cristiano in Lissabon ankam, war er sehr zerbrechlich.»

Paulo Cardoso (erster Trainer Ronaldos bei Sporting): «Wir organisierten einen Trainingsmatch. Ronaldo liess zwei, drei Gegenspieler stehen. Am Ende sammelten sich alle Spieler um ihn; sie wussten alle, dass er ein spezieller Spieler war - ein erstaunliches Kind.»

José Mourinho (Ex-Porto und Ex-Chelsea-Trainer): «Ich erinnere mich, als ich ihn zum ersten Mal spielen sah. Es war mit der Nachwuchsmannschaft von Sporting gegen Leiria. Ich sagte zu meinem Assistenten: 'Da spielt der Sohn von van Basten.' Er war ein Stürmer mit guter Bewegung, grossartiger Technik und sehr elegant. Ich kannte nicht einmal seinen Namen.»

Schon früh fiel die Verbissenheit Ronaldos seinen Trainern auf.

Carlos Diaz: «Ich erinnere mich, dass wir ihn ein halbes Spiel mit den älteren spielen liessen. Es war in seinem ersten Jahr, und er spielte mit den 15-Jährigen. Als er nur eine Halbzeit spielen durfte, weinte er danach.»

Paulo Cardoso: «Ich fand Ronaldo im Kraftraum und fragte ihn, was er mache. Er hatte Gewichte an den Füssen und dribbelte mit einem Ball. Er trainierte sein Dribbling, weil er seine Technik verbessern wollte.»

Im August 2003 verpflichtete Manchester United den 18-Jährigen als Ersatz für David Beckham und bezahlte für das Talent 17,5 Mio. Euro. Auch in der Nationalmannschaft wuchs Ronaldo schnell zum Leistungsträger heran.

Alex Ferguson: «Wir hatten schon vor dem Spiel alles diskutiert. Es trugen schon einige grosse Spieler dieses Jersey: Brian Robson, Eric Cantona, David Beckham. Ich fühlte, dass ich ihm dieses Jersey mit der Nummer 7 geben konnte. Er würde aus diesem Schatten heraustreten können.»

Luiz Felipe Scolari (Portugals Nationaltrainer): «Ich hoffte, dass Cristiano gleich gut sei oder zumindest einmal so gut sein werde wie der Ronaldo, den er auch aus dem brasilianischen Team kannte. Er stoppt nicht, egal wieviel man von ihm verlangt. Manchmal, wenn man ihm sagt, er solle es etwas leichter nehmen, um zum Beispiel Verletzungen zu vermeiden, will er noch härter arbeiten. Wenn man ihm eine Aufgabe gibt, will er noch mehr machen.»

Schwer getroffen hat ihn der Tod seine Vaters im Jahre 2006.

Emla Aveiro: «Ronaldo hatte ihm alles bedeutet; er war so stolz auf seinen Sohn. Er fragte sich, was ihm all sein Geld nütze. Aber er hätte dem Vater nicht helfen können.»

Luiz Felipe Scolari: «Wir sprachen zusammen, und Ronaldo beruhigte sich etwas. Ich fragte ihn, ob er spielen wollte oder nicht. Er entschied sich zu bleiben. Das sind Momente, die uns der Fussball gibt - das kann sehr positiv sein. Den schwierigen Zeiten folgen unvergessliche Momente.»

José Perreira (Ronaldos Schwager): «Fussball ist nicht das ganze Leben. Er weiss das. In einigen Jahren, in vielen Jahren hoffentlich, muss er ein Leben ausserhalb des Fussballs haben.»

Dazu kamen die Verschmähungen in England, nachdem er an der WM in Deutschland die Rote Karte für Wayne Rooney gefordert hatte:

Alex Ferguson: «Nach dem Zwischenfall sprach ich mit Wayne Rooney und versuchte Cristiano ein SMS zu schreiben. Aber ich hatte nur seine alte Telefonnummer, deshalb erhielt er die Message nicht. Er dachte wohl, ich hätte das Interesse verloren. Ich nahm über seinen Agenten Kontakt auf und sagte ihm, er solle Cristiano fragen, warum er meine Anrufe nicht beantworte. Erst da merkte ich, dass ich die falsche Nummer eingegeben hatte. Ich hatte gewisse Ängste für Cristiano wegen der Reaktionen der Spieler und der gegnerischen Fans, wenn er nach England zurückkommt. Wir hatten eine ähnliche Situation mit David Beckham und der Roten Karte an der WM 1998. In allen Bars und Pubs in London hingen Verunglimpfungen. Und wir hatten unser erstes Spiel in London bei West Ham. Ich sagte zu Cristiano, dass englische Fans mehr reden als sie wirklich tun werden. Es werde Buhrufe geben, und die Fans werden Lärm machen. Aber physisch werde nichts passieren. Er hatte Sorgen deswegen.»

Ronaldo: «Ich hatte nicht mit diesem Empfang gerechnet. Es ist nicht schön, in jedem Stadion ausgebuht zu werden. Aber daraus kann auch Gutes entstehen. Es macht dich psychisch stärker.»

Wayne Rooney: «Es zeigt, welch guter Spieler er ist. Englische Fans buhen nur wirklich gute Spieler aus. Ich glaube jeder englische Fan ist glücklich, dass er in der unserer Liga spielt.»

Ronaldo und seine Ambition, der beste Spieler der Welt zu sein.

Alex Ferguson: «In meinen Jahren bei Manchester United erlebte ich viele gute Spieler wie Brian Robson oder Roy Keane. Aber was die Fähigkeiten und den Ideenreichtum betrifft, ist Cristiano der beste. Wie wir ihn heute sehen, entstand aus seinem Wunsch und aus seiner Entschlossenheit, der Beste zu werden.»

Carlos Quieroz (Assistenztrainer Manchester United): «Er kann für den Fussball sein, was Michael Jordan für die NBA war. Er ist fähig, uns jeden Tag mit etwas Neuem zu überraschen. Nicht viele Spieler können das; nur jene, die in der Fussballgeschichte ihre Spuren hinterlassen.»

Luiz Felipe Scolari: «Er ist der Beste der Welt. Als Person, als Athlet, als Teil der Nationalmannschaft und als dieser Junge, den ich in den letzten Jahren habe wachsen sehen.»

José Mourinho: «Er ist wirklich der beste junge Spieler der Welt. Er kann der aussergewöhnlichste Spieler der nächsten Dekade werden.»

Wayne Rooney: «Es ist ein Traum, ihn spielen zu sehen, es ist ein Traum, mit ihm spielen zu können. Er ist ohne Zweifel der beste Spieler der Welt.»

Phil Neville: «Er kann 89 Minuten brillant spielen und immer noch in der 90. Minute den magischen Moment kreieren.»

Luis Correia (Ronaldos Agent): «Wir glauben, dass Cristiano Ronaldo schon in Kürze eine dieser vier oder fünf Figuren im Sport sein wird, die jeder sofort erkennt.»

Ronaldo: «Ich möchte meine Spuren im Fussball hinterlassen, in der Geschichte des Fussballs. Wenn ich so weiter mache, wenn ich bescheiden bleibe und weiter willig bin, Neues zu lernen, dann kann ich es eines Tages wirklich schaffen.»

(von Sascha Rhyner /Si)

 
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