Sechs-Punkte-Polster
Wiler Angriff auf Lausanne-Sport
publiziert: Samstag, 6. Feb 2016 / 11:38 Uhr
Wird Jocelyn Roux bald von den ehemaligen Fans ausgepfiffen werden?
Wird Jocelyn Roux bald von den ehemaligen Fans ausgepfiffen werden?

Lausanne-Sport nimmt die Rückrunde der Challenge League mit einem Polster von sechs Punkten in Angriff. Pikanterweise spielt Lausannes bester Torschütze nun für den ersten Verfolger Wil.

Für Challenge-League-Verhältnisse ist Jocelyn Roux ein überdurchschnittlicher Stürmer. In 124 Partien für vier verschiedene Vereine gelangen dem Waadtländer 57 Tore. 13 davon erzielte er in der Vorrunde für Lausanne-Sport, womit er bester Goalgetter der Liga war. In der Winterpause liess sich Roux von den finanziellen Argumenten des ersten und womöglich einzigen verbliebenen Lausanner Konkurrenten in die Ostschweiz locken. In Wil, so war zu lesen, soll er pro Monat 22'000 Franken und damit viermal so viel verdienen wie bisher. Wil kann nach dem grosszügigen Engagement des türkischen Klubbesitzers Mehmet Nazif Günal weiter klotzen. «Was passiert, ist ein Abbild unserer Gesellschaft», sagte Lausannes Präsident Alain Joseph zum Abgang von Roux. «Diese Macht des Geldes ist frustrierend. Wil bedient sich dieser Mittel, die im Schweizer Fussball noch nie wirklich funktioniert haben.»

Weil das Wiler Ausländer-Kontingent für diese Saison bereits ausgeschöpft ist, musste der Verein Verstärkungen im Schweizer Fussball suchen. Er fand sie bei anderen Liga-Konkurrenten wie Aarau (Flügel Marvin Spielmann für kolportierte 800'000 Franken Ablöse!) oder Wohlen (Aussenverteidiger Dylan Stadelmann) oder beim Promotion-League-Verein Servette (Ex-Nationalspieler Johan Vonlanthen). Die grosszügig entschädigten Neuzuzüge sollen im ersten Jahr mit ausländischem Geld-Support helfen, nach zwölf Saisons in der Zweitklassigkeit die Rückkehr in die Super League zu schaffen.

Winterthur liegt bereits elf Punkte hinter Lausanne zurück

Abgeschlossen sind die Transfertätigkeiten der Wiler offenbar noch nicht. Vier Goalies stehen bereits im Kader, es soll aber auch der bisherige Stammkeeper Patrick Drewes nicht gut genug sein. Deshalb versuch(t)en die Verantwortlichen unter anderem, Marco Wölfli oder Marcel Herzog in die Challenge League zu locken. Eldin Jakupovic, einst im Kreise des Schweizer Nationalteams, lehnte die Offerte gemäss Medienberichten ebenso ab wie Mirco Salvi, der eine Ausleihe von Basel zu Lugano einem Engagement in Wil vorzog. Wils Besitzer lassen nichts unversucht. Die Mannschaft bezog im Januar während dreieinhalb (!) Wochen Quartier in Antalya, in einem Fünfsterne-Hotel, das dem Bauunternehmer Günal gehört.

Dass andere Teams in den Kampf um die Promotion in die Super League eingreifen könnten, ist ziemlich unwahrscheinlich. Das drittklassierte Winterthur liegt bereits elf Punkte hinter Lausanne zurück. Spannung verspricht dagegen das Rennen um den Ligaerhalt. Nach der Hälfte der Meisterschaft sind die Teams zwischen den Rängen 3 und 9 (Chiasso) nur durch vier Zähler getrennt. Drei weitere Punkte dahinter folgt Schlusslicht Aarau.

Abzuwarten bleibt die Rolle des FC Biel, der punktgleich mit Chiasso klassiert ist. Die Seeländer machten in der Winterpause primär durch die Wirren um den zurückgetretenen und dann doch nicht zurückgetretenen Präsidenten und Mehrheitsaktionär Carlo Häfeli von sich reden. Den Verein drückt eine Schuldenlast von 800'000 Franken. Ein Ende der internen Querelen ist nicht abzusehen.

(cam/Si)

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