Hitzfeld hat die Lösung
«Wir müssen intelligent spielen»
publiziert: Freitag, 7. Jun 2013 / 16:34 Uhr
Ottmar Hitzfeld pokert um die Aufstellung.
Ottmar Hitzfeld pokert um die Aufstellung.

Im Schweizer Nationalteam deutet die Intensität im Kampf um die Startplätze darauf hin, dass sich jeder der hohen Bedeutung des Spiels gegen Zypern bewusst ist. Die SFV-Auswahl will mit einem Sieg eine Basis für die anspruchsvolle Schlussphase im Herbst schaffen.

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Für eine kollektive Anspannung hat der Coach gleich persönlich gesorgt. Bereits im Vorfeld des Zusammenzugs setzte Ottmar Hitzfeld bewusst Reizpunkte. Er dachte laut über Gökhan Inler nach, der in Napoli zuletzt überzählig war, und signalisierte damit öffentlich: Es gibt keine «Gesetzen-Liste», jede Position steht zur Debatte, selbst der im Normalfall unantastbare Captain. Pokerer Hitzfeld hob so die Intensität vom ersten Trainingstag an aufs gewünschte Level - und wird natürlich trotzdem wie üblich auf seine Integrationsfigur setzen.

Künstliche Reizpunkte dieser Art sind offenbar nötig. Denn wie schwer sich die Schweiz noch immer tut mit Aussenseitern, verdeutlichte das torlose Hinspiel im letzten März auf der Ferien-Insel. Das ohnehin diskutable Ranking der FIFA legt die sportliche Wahrheit nicht offen: Die SFV-Auswahl (14.) ist acht Positionen vor dem fünffachen Weltmeister Brasilien klassiert, Zypern rangiert an 122. Stelle - hinter Antigua aus der Karibik. Mit halber Kraft sind selbst die Insulaner nicht zu bezwingen.

Chance zur Etablierung

Auf dem Papier ist die Differenz zum nächsten Gegner der WM-Ausscheidung imposant, auf dem Rasen hingegen hat der Favorit womöglich mit einer tückischen Aufgabe zu rechnen. Das hat Hitzfeld natürlich registriert: «Wir wissen, dass Zypern ein unangenehmer Gegner sein kann und uns auch Probleme bereiten kann.» Neben der Warnung platzierte der gewissenhafte Coach auch gleich die Stichworte zur Lösung allfälliger Schwierigkeiten: höchste Konzentration, Entschlossenheit, die Zyprioten an ihrer Entfaltung zu hindern, und eine effizientere Spielweise als im Hinspiel.

Die Konstellation ist klar. Alles ausser einem Sieg würde nicht nur von Aussenstehenden als schwere Enttäuschung deklariert. Die Wahrnehmung der Hauptdarsteller ist deckungsgleich. Ihnen ist die Tragweite des dritten Heimspiels bewusst. Ein erneuter Punktverlust würde die ansprechende Halbzeit-Bilanz spürbar beeinträchtigen und die erhebliche Marge für die heiklen Gastspiele in Oslo (10. September) und in Tirana (11. Oktober) womöglich entscheidend schmälern.

Aus Sicht des Leaders steht deshalb fest: Mit dem vierten Sieg in der sechsten Partie der WM-Kampagne könnte sich die Schweiz auf ihrer Pole-Position etablieren und sich relativ ruhig auf die schwierige Endphase vorbereiten. Es geht gegen den Tabellenvorletzten, der als einzige Auswahl neben jener von Slowenien für das Turnier in Brasilien nicht mehr ernsthaft infrage kommt, primär darum, eine Basis für den Herbst zu schaffen.

Verschiedene Geschichten

Hitzfeld empfing am letzten Dienstag eine Gruppe von Spielern mit diversen persönlichen Erfolgsgeschichten und Rückschlägen. Derweil Xherdan Shaqiri seine Münchner Festwochen noch um ein wichtiges Spiel verlängern wird und danach als Champions-League-Sieger in den Süden reisen darf, muss sich Serie-A-Absteiger Steve von Bergen nach der Abreise aus dem SFV-Camp wieder mit seiner Zukunft im eher komplizierten Klub-Alltag beschäftigen.

Andere wie der Basler «Marathon-Man» Valentin Stocker waren nach monatelangen Strapazen im Verein zumindest leicht entkräftet eingerückt. Einer wie Blerim Dzemaili, Napolis Mann der letzten Runden, oder Granit Xhaka, der inzwischen wieder zum Stamm Mönchengladbachs gehört, deponierten ihren Anspruch auf einen Startplatz mehr oder weniger offensiv. Gavranovic und Drmic, das erfrischende FCZ-Duo, demonstrierte in den letzten Tagen die Schubkraft des Selbstvertrauens.

«Die Qual der Wahl»

Aus seiner temporären Westschweizer Basis sandte das Team viele Signale. Sie richtig zu interpretieren, ist die Aufgabe Hitzfelds. Er muss spüren, wer der physischen und mentalen Belastung gewachsen ist, wer bereit ist, persönliche Interessen zurückzustellen. Für den deutschen Selektionär ist die taktische Formation - das bewährte 4-2-3-1 oder eine 4-4-1-1-Grundaufstellung steht zur Debatte - sogar sekundär: «Entscheidender ist für mich die Einstellung.» Und dann schob er die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Abend nach: «Wir müssen intelligent spielen.»

24 Stunden vor dem Anpfiff sprach Hitzfeld vom Mix, den er finden müsse. «Die Qual der Wahl», wie es der gesetzte Keeper Diego Benaglio angesichts des überdurchschnittlich grossen Angebots an valablen Kandidaten formulierte, machte der Stratege (zumindest öffentlich) nicht vom Formstand allein abhängig. Für ihn zählt in erster Linie das Vertrauen. Er wird mehrheitlich auf Figuren setzen, die sich bis anhin bewährt haben. Von zu vielen personellen Veränderungen hält Hitzfeld wenig: «Das wäre nicht sinnvoll.»

Ein torloses Unentschieden allein genügt selbstredend nicht, von allem abzurücken, was zuvor funktionierte und zur Topklassierung mit nur einem Gegentor führte. In seinen «zwölf bis 13 Einzelgesprächen» eruierte Hitzfeld die Verfassung seines Kerns und entwickelte wie üblich das Gefühl, auf wen er sich verlassen kann, wer in der Lage sein wird, die von ihm verlangte «Präzision im Passspiel und Balance im Spiel» zu garantieren.

(bg/Si)

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