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«Wir sind zu weit vom Kurs abgekommen»
publiziert: Montag, 30. Apr 2012 / 18:04 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 1. Mai 2012 / 11:09 Uhr
YBs CEO Ilja Kaenzig hat wohl aus kurzfristigen, wirtschaftlichen Gründen gehandelt.
YBs CEO Ilja Kaenzig hat wohl aus kurzfristigen, wirtschaftlichen Gründen gehandelt.

Die Entlassung von YB-Coach Christian Gross war der neunte Trainerwechsel in der Axpo Super League in dieser Saison. Das ist viel, zumal die Liga nur aus zehn Teams besteht. Dass es auch Gross traf, «hätte in Bern vor kurzem keiner gedacht», gab CEO Ilja Kaenzig zu.

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Auf den ersten Blick haben die Resultate nicht gestimmt. Die Berner gehorchten also bloss den Gesetzen der Branche. 25 Punkte beträgt der Rückstand auf Meister Basel. Von den letzten neun Partien gewann YB nur eine, und nach dem 1:2 bei Servette ist sogar ein Europacup-Platz in Gefahr. «Wir sind zu weit vom Kurs abgekommen», sagte Kaenzig. «Wir hätten auch entscheiden können, Christian Gross noch eine Chance zu geben und dann vielleicht nochmals.» Aber Gross von Ultimatum zu Ultimatum hangeln zu lassen, wollten sie in Bern nicht. «Das wäre für den Trainer unwürdig gewesen.»

Deshalb fällten sie am Sonntag bei YB in einer Telefonkonferenz einen einstimmigen Entscheid gegen Gross, der zur sofortigen Trennung führte. Am Tag danach offenbarten Kaenzig und der Technische Direktor Hansruedi Hasler ein ambivalentes Verhältnis zur jüngsten Entwicklung. Hasler sagte, man habe Gross «29 Spiele lang» Zeit gegeben. Doch gerade der langjährige Nachwuchschef beim SFV muss wissen, dass 29 Spiele oder zehn Monate im Fussball nicht genügen, um die Arbeit eines Trainers abschliessend beurteilen zu können. Zumal Gross kein junger Trainer ist und sein Engagement in Bern nicht als Experiment sondern als langfristiges Projekt angesehen wurde.

Resultate stimmten nicht

Kaenzig pries die akribische Arbeit von Gross und dessen Staff und sagte sogar, man könne auch «scheitern, ohne Fehler zu machen». Aber er sagte auch dies: «Zuletzt hat die Entwicklung die Verfolgung von langjährigen Zielen gefährdet.»

Die Resultate und die Tabelle sprachen bei einer Zwischenbilanz nach zehn Monaten tatsächlich nicht für Gross. Und doch scheint es, als hätten andere Gründe zur Trainerentlassung geführt. Das Umfeld, die Fans vor allem, reagierte schon länger negativ auf Gross und den Fussball, den er spielen liess. Insider wollen von Sponsoren wissen, welche auf dem Absprung sind. Der Verkauf von Saisonkarten ist rückläufig.

Spektakulärer Wechsel

Das führte zum spektakulären Wechsel auf dem wichtigsten Posten im sportlichen Bereich. Es sind durchaus Parallelen zu ziehen zur Entlassung von SCB-Trainer Larry Huras im letzten Oktober auf der anderen Seite der Papiermühlestrasse. Auch damals war es weniger die sportliche Not als vielmehr die Angst vor einer stotternden (Sport-)Unterhaltungsmaschinerie auf dem Platz Bern, welche die Eishockey-Verantwortlichen die Reissleine ziehen liess.

Bei der Pressekonferenz in Bern wurde diese Theorie nicht dementiert. «Nicht nur sportlich auch wirtschaftlich hatte sich eine Entscheidung aufgedrängt», sagte Hasler. Kaenzig negierte einen aktuellen wirtschaftlichen Schaden. «Aber wir sind vorausschauend. Es war auch eine Abwägung der Risiken.» Offenbar wäre YB eine weitere erfolglose Saison mit Gross mit ihren möglichen Kollateralschäden teurer gekommen als die Entlassung des Zürchers und seines Stabes, welche die Young Boys wohl rund 2 Millionen Franken kosten wird.

Neuer Trainer noch nicht bekannt

Wer nun nach den Interimstrainern Erminio Piserchia und Thomas Häberli und in der neuen Saison die notorisch erfolglosen Berner auf die Siegesstrasse führen soll, weiss Kaenzig noch nicht. «Jetzt spüre ich erst mal eine Leere und kann noch nicht strukturiert denken. Nach den zwei Heimspielen gegen den FCZ und Luzern können wir nächste Woche mit der Trainersuche beginnen.» Christian Gross plädierte bei seinem Abschied schon mal für Geduld mit seinem Nachfolger. YB werde sich dereinst mit Basel duellieren können, so Gross. «In spätestens drei Jahren.»

(fest/Si)

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