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Gut gespielt, nichts gewonnen
YB schnupperte an der Sensation
publiziert: Freitag, 25. Feb 2011 / 10:30 Uhr

Für die Young Boys ist die Europacup-Saison 2010/11 zu Ende. Trotz guter Leistung unterlagen sie Zenit St. Petersburg im Sechzehntelfinal-Rückspiel der Europa League auswärts 1:3 und schieden mit dem Gesamtskore von 3:4 aus.

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Es hätte alles so schön gepasst. Der Kälte von minus zwölf Grad und 15'000 heissblütigen Fans widerstand YB, dem russischen Doublegewinner war der Schweizer Vertreter lange Zeit ein mindestens ebenbürtiger Gegner. Zeitweise musste Zenit sogar fürchen, nach zehn Spielen ohne Niederlage erstmals seit September 2008 (1:2 gegen Real Madrid) wieder im eigenen Stadion zu verlieren. Letztlich mussten die Young Boys von «Stolz auf die Auftritte gegen den Favoriten des Wettbewerbs» berichten. Oder von einer verpassten Chance. Es überwog der Frust. «Es wäre viel mehr zu holen gewesen», ärgerte sich Mario Raimondi stellvertretend -- und persönlich vielleicht noch etwas mehr als seine Teamkollegen.

Denn Raimondi stand am Ursprung des dritten Gegentors. In der 76. Minute, als Zenit nach dem 2:1 vehement die Entscheidung suchte, unterlief er am weiten Pfosten eine Flanke auf dilettantische Weise, direkt hinter ihm kam Roman Schirokow an den Ball und schoss aus kurzer Distanz ein. «Manchmal führt eine Kette von Fehlern zu einem Tor», versuchte Raimondi seinen Aussetzer wenig einleuchtend zu erklären.

YB wie die Feuerwehr

Begonnen hatte die Partie nach dem Gusto von YB-Trainer Vladimir Petkovic und den rund 150 mitgereisten Berner Fans. Nicht wie erwartet Zenit, sondern die forsch auftretenden Gäste haben den Rhymthmus vor. Sie wirkten auf dem rutschigen Terrain wesentlich ball- und selbstsicherer als der russische Meister. «Wir wollten sie mit einem forschen Auftritt schocken. Das ist uns gelungen», fand Raimondi. Es erstaunte aus Schweizer Sicht wenig, dass YB in Führung ging. Nach einem Corner Raimondis (21.) und kurzer Irritation konnte Ammar Jemal unbedrängt per Kopf das 1:0 erzielen. Für einen Moment war es im gut gefüllten Petrowski-Stadion totenstill.

Hätte keine Minute später Henri Bienvenu oder in der 37. Senad Lulic nachgedoppelt, wäre der grösste internationale Erfolg der Young Boys seit dem Viertelfinal-Einzug im Cupsieger-Cup 1988 (Out gegen Ajax Amsterdam) wohl vorzeitig Tatsache gewesen. Denn der Eindruck, den Zenit in der ersten Halbzeit hinterlassen hatte, war alles andere als furchteinflössend. «Wir waren ihnen taktisch überlegen», sagte YB-Coach Petkovic. Und doch war die Lage für Zenit nicht aussichtslos. Denn Danko Lazovic glich nach einem feinen Steilpass noch vor der Pause (41.), oder wie es Petkovic sagte, in einem «dummen Moment», aus.

Fans peitschten Zenit zum Sieg

Mit Wiederanpfiff nahm die Intensität zu. Die Young Boys kamen zu wesentlich weniger Entlastung als ihnen lieb war, Zenit durch Unterstützung des fanatischen Publikums zu einer sichtbaren Überlegenheit. Das Tor durch Sergej Semak zum 2:1 für Zenit (52.) war irgendwie die logische Folge und stellte YB für den Rest der Partie vor eine harte Probe. «Dass das 3:1 fiel, war nur eine Frage der Zeit», fand Lazovic später. In der Tat besass Zenit mehrere Möglichkeiten davonzuziehen. Emiliano Dudar (58.) und Jemal (74.) klärten in letzter Sekunde. Zwei Minuten später unterlief Raimondi der kapitale Fehler. «Wir müssen konzentrierter sein. Sonst hätten wir nicht zwei praktisch auf gleiche Weise entstandene Tore kassiert», sagte Scott Sutter.

YB zeichnete aber, einmal mehr in dieser Saison, der Glaube an die späte Wende zum Positiven aus. «Das Problem waren nicht die drei kassierten Gegentore, sondern dass wir selber nicht ein zweites Tor erzielt haben», sagte Raimondi. Bienvenu im Liegen (85., an den Pfosten) und Dudar in der Nachspielzeit verfehlten das Ziel aber. Was von den internationalen Auftritten der Young Boys seit letztem Sommer in Erinnerung bleiben wird, sind vorab die starken Leistungen in den Heimspielen mit fünf Siegen in sechs Partien. Stuttgart, Getafe oder Tottenham verloren im Stade de Suisse. Die Sensation gegen Zenit blieb in 180 Minuten aus, obwohl Petkovic fand: «Nicht unbedingt die bessere, sondern die glücklichere Mannschaft ist weiter.»

(pad/Si)

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